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Motorradsport : Bradls neue Bescheidenheit

Nachdenklich vor dem Debüt: Stefan Bradl weiß nicht, was ihn in Qatar erwartet. Bild: dpa

Einst die deutsche Hoffnung des Motorradsports ist Stefan Bradl in diesem Jahr weiter von einem Podiumsplatz entfernt als je zuvor. Wenigstens die Regeln in der MotoGP-Klasse bieten ihm mit seiner drittklassigen Yamaha Vorteile.

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          Ob er den jüngsten Verlauf seiner Karriere selbst als einen Abstieg werten würde? Stefan Bradl überlegt einen Moment, dann sagt er: „Ja, das kann man so sehen.“ Noch mal eine Pause, dann: „Aber darin steckt nun auch wieder eine Chance.“ Pause: „Daran glaube ich.“ 25 Jahre ist Bradl inzwischen alt, er galt einmal als personifizierte Hoffnung des Motorradsports in Deutschland, vor der neuen Saison aber muss er seine Ansprüche nach unten korrigieren: „Wenn ich regelmäßig unter die besten zehn fahre, dann bin ich zufrieden.“ Die Top Ten? Noch vor ein paar Monaten spekulierte Bradl auf Plätze auf dem Podium - doch diese sind für ihn nun in der MotoGP-Kategorie weiter entfernt als jemals zuvor.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach drei Jahren wurde sein Vertrag beim LCR-Honda-Team nicht mehr verlängert, Bradl musste sich nach einem neuen Rennstall umschauen, unterschrieb schließlich einen Kontrakt für eine Saison bei Athina Forward Racing und sitzt nun auf einer Yamaha. Es ist ein Vorjahresmodell in der sogenannten Open-Kategorie, zuvor kam Bradl noch in den Genuss einer Werksmaschine. Von der zweiten fällt er damit zurück in die dritte Klasse in der Königsklasse des Motorradsports. „Ich war einfach nicht konstant genug und habe weder meine eigenen Ansprüche noch jene von Honda erfüllt“, sagt Bradl. Vor dem ersten Rennen des Jahres in Qatar an diesem Sonntag weiß er kaum etwas über die eigene Stärke: Mal war er bei den Testfahrten erkältet, mal stürzte er, mal lief es ganz gut. Trotzdem sagt Bradl: „Ich muss was zeigen. Aber ich denke, dass mir die Maschine liegt.“

          Der Motorradsport hat es schwer in Deutschland

          Das Reglement zumindest bietet ihm einige Vorteile. Anders als die Werksfahrer darf Bradl 24 statt 20 Liter Benzin pro Rennen verbrauchen, außerdem kann er einen weicheren Hinterreifen aufziehen lassen, der mehr Grip bietet, aber auch schneller verschleißt. Dazu stehen Bradl zwölf statt fünf Motoren zur Verfügung, die während der Saison weiterentwickelt werden können. „All das sind Dinge, die ich nutzen muss“, sagt Bradl. Dass dies zumindest kein aussichtsloses Unterfangen ist, hat im vergangenen Jahr Aleix Espargaró beim Forward-Rennstall bewiesen, er wurde Siebter in der Gesamtwertung und dafür mit einem Vertrag als Werkspilot bei Suzuki belohnt. „Seine Entwicklung zeigt, was möglich ist“, sagt Bradl.

          In die dritte Klasse zurückgefallen: Bradl auf einem Vorjahresmodell.

          Doch Espargaró ist Spanier, Bradl kommt aus Deutschland: „Da hast du es immer schwerer. Die Sponsoren interessieren sich kaum für einen in so einer Randsportart. Da müssen wir uns nichts vormachen.“ In Spanien ist die Begeisterung für die Motorradrennfahrer rund um Weltmeister Marc Márquez hingegen größer als für die Formel 1. „Bei uns ist es umgekehrt, auch wenn die Formel 1 inzwischen total langweilig geworden ist“, sagt Bradl. Bis zuletzt übertrug der TV-Sender „Sport 1“ die Rennen der Motorrad-Weltmeisterschaft, zur neuen Saison hat sich „Eurosport“ die Rechte gesichert. Allerdings werden nun lediglich noch neun der 18 Rennen im frei empfangbaren Programm ausgestrahlt, die übrigen neun Grand Prix sind lediglich über den Bezahlkanal Eurosport 2 zu sehen. „Für uns Fahrer aus Deutschland ist das eine schlechte Entwicklung, das ist ein weiterer Rückschritt“, sagt Bradl.

          Dabei ist die Königsklasse des Sports in diesem Jahr so umkämpft wie schon lange nicht mehr: Aprila und Suzuki sind in das Feld zurückgekehrt, die beiden Yamaha-Fahrer Valentino Rossi und Jorge Lorenzo haben Márquez einmal mehr den Kampf erklärt. Der Zweiundzwanzigjährige gilt als der beste Zweirad-Rennfahrer der Gegenwart, in der vergangenen Saison gewann er 13 von 18 Grand Prix. „Marc ist wieder der große Favorit, kein Zweifel“, sagt Bradl. Márquez verdient Millionen, Bradl sagt, dass er sich keine Sorgen machen müsse um seine Zukunft, dass er sich aber Gedanken mache, womit er nach der Karriere Geld verdienen könne. Im Jahr 2011 hat Bradl den Spanier noch hinter sich gelassen im Kampf um den Titel in der Moto2-Meisterschaft.

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