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Start der Motorrad-Saison : Einer gegen alle

Will es noch einmal wissen: Valentino Rossi Bild: Imago

Valentino Rossi gegen Marc Màrquez – Alt gegen Jung. Die Fehden des Motorradpiloten spalten das Fahrerlager. Nun wittert der Italiener die Chance auf Titel Nummer zehn.

          Kein Handschlag, keine netten Worte – nicht einmal für die Kameras. Valentino Rossi und Marc Márquez ignorierten einander, als sie am Mittwoch vor dem Auftakt der Motorrad-Weltmeisterschaft in Qatar zur Pressekonferenz zusammenkamen. Sprach Rossi, blickte Márquez demonstrativ in die andere Richtung. Redete Márquez, schaute Rossi weg. Zwischen beide hatten die Veranstalter Jorge Lorenzo plaziert, den Weltmeister und Yamaha-Teamkollegen von Rossi. Als eine Art menschliche Wand. Das war Teil dieser Inszenierung, die Lust machen sollte auf die neue Saison in der MotoGP-Klasse.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit Worten hielten sich die Hauptdarsteller allerdings zurück. Keiner griff den anderen an, jeder sprach nur von der Freude auf das, was kommt, und natürlich davon, dass jeder sein Bestes geben werde. Wie es wirklich in Rossi aussieht, hat er einige Tage zuvor gegenüber der italienischen „La Gazzetta dello Sport“ offenbart. „Nach dem, was passiert ist, können wir keine Beziehung mehr haben“, sagte Rossi da. Und weiter: „Ich habe es zugelassen, dass ich von ihm reingelegt werde. Er hat mich richtig betrogen. Er sagte, dass er ein Fan von mir war, aber das war alles gelogen.“ Und ein Rossi vergisst nicht.

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          Rückblick, Valencia im November des vergangenen Jahres. Etwa einhunderttausend Zuschauer an der Strecke und Millionen an den Fernsehschirmen sehen ein absurdes Spektakel, an dessen Ende Rossi über Márquez sagt: „Er war heute Lorenzos Bodyguard.“ Als Letzter war der Italiener ins Rennen gegangen, weil er seinen jungen Herausforderer beim Grand Prix in Malaysia von der Strecke gedrängt hatte. Um doch noch Weltmeister zu werden, hätte er aber dann dessen Hilfe benötigt. Und obwohl Márquez auf seiner Honda weit schneller war als Yamaha-Pilot Lorenzo, verzichtete er auf einen Angriff und cruiste in dessen Windschatten dem Ziel entgegen. Am Tag danach stand in der Zeitung „Il Messaggero“: „Gegen das unkorrekte und unloyale Spiel der Spanier war Rossi machtlos.“

          Alt gegen Jung, Rossi ist 37 Jahre alt, Márquez 23, der eine hat in seiner Karriere neun WM-Titel gewonnen, der andere vier. Als der Spanier 2013 aufstieg in die Königsklasse des Motorradsports, schwärmte er noch für den Italiener, bezeichnete ihn sogar als Vorbild. Aber schnell wurde deutlich, dass er damit zumindest auf der Rennstrecke nicht allzu viel Respekt verbindet. Das Fahrerlager ist inzwischen gespalten in eine Rossi- und eine Márquez-Fraktion. Der Deutsche Stefan Bradl, der für Aprilia an den Start geht, spricht davon, dass die Spannung unter den Kollegen weitaus größer sei als noch in den vergangenen Jahren. Die Auseinandersetzung zweier Rennfahrer ist zu einer ziemlich großen Sache geworden. So groß, dass sogar Italiens Premierminister Matteo Renzi bei Rossi anrief, um ihm Unterstützung zuzusichern.

          Dabei wird die neue Herausforderung für Rossi vermutlich eine andere: Es geht für ihn nicht gegen Márquez, es geht gegen seinen Teamkollegen Lorenzo. Denn zur neuen Saison kommen die Einheitsreifen nicht mehr von Bridgestone, sondern von Michelin. Zudem gibt es fortan eine Einheitselektronik für alle Teams. Bei den Testfahrten hatten die beiden Honda-Piloten Márquez und Daniel Pedrosa merkliche Probleme mit diesen Veränderungen, während die beiden Yamaha-Fahrer Rossi und Lorenzo schnell und konstant unterwegs waren. „Wir sind noch nicht da, wo wir gerne wären, können bei der Abstimmung aber noch zulegen“, sagt Márquez. Von der überragenden Form seiner beiden Titelgewinne in der MotoGP 2013 und 2014 ist er derzeit weit entfernt.

          Er wittert die Chance auf Titel Nummer zehn

          Für Rossi ist das eine gute Nachricht. Am Ende der Saison läuft sein Vertrag bei Yamaha aus, von den Ergebnissen der ersten Rennen will er abhängig machen, ob er den Kontrakt noch einmal verlängert. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch die nächsten Jahre bei Yamaha bleiben werde. Dann wird es genug, wenn ich weiße Haare bekomme“, sagt Rossi. Und weiter: „Mit 39 könnte ich dann noch einige Autorennen wie die 24 Stunden von Le Mans oder die Rallye Dakar fahren.“

          Auf zwei Rädern aber hat dieser Mann noch längst nicht genug. Wieder einmal wittert er seine große Chance auf Titel Nummer zehn. In der Vorbereitung hat Rossi deshalb sogar mit Luca Cadalora zusammengearbeitet. Der ehemalige Weltmeister in der 125er- und 250er-Klasse soll Rossi mit Ratschlägen zur Seite stehen – und ihn stärken im Kampf gegen seine beiden Rivalen. Lorenzo konterte und ließ Spekulationen zu, er könne bald Max Biaggi, den Intimfeind von Rossi, in sein Team holen. Eines ist nach der Ouvertüre nun ohnehin schon sicher, bevor am Sonntag um kurz nach 14 Uhr die Start-Ampeln in Doha erlöschen: Dieser Titelkampf wird im Kopf entschieden.

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