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Rallye Dakar 2016 : Das nächste Abenteuer des Sébastien Loeb

  • -Aktualisiert am

Bloß nicht zu sehr abheben: Sébastien Loeb ist wilde Rallye-Fahrten gewohnt. Bild: AFP

Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb greift nun auch bei der Dakar an. Mit seinem Peugeot will er an die Spitze fahren – aber findet er auch das Ziel?

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          Die Generalprobe ging gründlich daneben. Erst verursachte ausgelaufenes Öl für einen Motorbrand. Dann „legte“ er sein Auto innerhalb einer einzigen Wertungsprüfung gleich zweimal aufs Dach. „Das habe ich in 16 Jahren in der Rallye-WM nicht geschafft“, sagte Sébastien Loeb mit Blick auf seine erste Begegnung mit einer Wüstenrallye im vergangenen Oktober in Marokko. Da hatte sich der neunmalige Rallye-Weltmeister aus Frankreich dazu entschlossen, mal wieder etwas Neues auszuprobieren.

          Nach einem Podiumsplatz beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, einem Formel-1-Test mit Rundenzeiten auf Mittelfeld-Niveau, einem neuen Streckenrekord beim Bergrennen am legendären Pikes Peak und sechs Siegen in der Tourenwagen-WM soll es nun die Rallye Dakar sein. „Sie hat mich schon als Junge fasziniert“, erinnert sich der Einundvierzigjährige: „Ich hatte ein Poster vom 1988er Siegerauto im Kinderzimmer hängen.“

          Loeb geht an diesem Sonntag mit Startnummer 314 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ins Rennen. Er ist einer von vier Piloten im selbst ernannten „Dream Team“ von Peugeot. Mannschaftskapitän ist Dakar-Rekordsieger Stéphane Peterhansel (50, Frankreich), der bereits sechs Mal auf dem Motorrad und fünf Mal im Auto gewann. Der zweimalige Rallye-Weltmeister Carlos Sainz (53, Spanien) siegte 2010 für Volkswagen. Und Cyril Despres (41, Frankreich) tritt nach fünf Siegen auf dem Motorrad zum zweiten Mal im Auto an.

          Die achte Auflage der Rallye Dakar in Südamerika führt vom Rio de la Plata quer durch Argentinien ins mehr als 4000 Meter hoch gelegene Bolivien und zurück ins argentinische Rosario zur Zielankunft am 16. Januar. Rund 9500 Kilometer müssen die 110 Teilnehmer der Auto-Kategorie bewältigen, etwa die Hälfte davon als gezeitete Wertungsprüfungen. Außerdem sind 143 Motorräder, 55 Renn-Trucks und 46 Quads am Start.

          Die Rallye Dakar hat Sébastien Loeb schon als kleiner Junge fasziniert.
          Die Rallye Dakar hat Sébastien Loeb schon als kleiner Junge fasziniert. : Bild: dpa

          „Die teils mehr als 500 Kilometer langen Prüfungen, die große Höhe und 60 Grad (Celsius) im Cockpit sind nicht die größten Probleme. Der Dakar-Peugeot ist viel bequemer als die Autos in der Rallye-WM“, sagt Loeb, der trotz Hang zur Zigarette topfit erscheint. „Am schwierigsten ist das Fahren ohne Aufschrieb, wie ich es gewohnt bin. Vor einer Kurve nicht zu bremsen, obwohl ich nicht weiß und nicht sehen kann, wie es dahinter weitergeht – daran habe ich mich noch nicht gewöhnt.“ Und jedes Mal vom Gas gehen ist keine Option: „Dann hast du schon nach einem Tag eine Stunde Rückstand.“

          Früher, in der Rallye-WM, diktierte Loeb im Training seinem Beifahrer Daniel Elena beinahe jeden Meter der Wertungsprüfungen ins sogenannte Gebetbuch und konnte im Wettbewerb auf entsprechend präzise Informationen vertrauen. Bei der Rallye Dakar gibt es kein Training. Das Roadbook mit der Streckenbeschreibung wird erst am Vorabend jeder Etappe ausgegeben. „Ich muss nicht nur das Gelände direkt vor dem Auto im Blick behalten, sondern mit einem Auge immer auch ein paar hundert Meter vorausschauen“, sagt Loeb: „In den Dünen geht es außerdem steil bergauf oder bergab. Wüstenrallyes sind um eine Dimension komplexer als WM-Rallyes.“

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          Zum Glück hält Loebs Peugeot einiges aus: „Früher musste ich größeren Steinen ausweichen. Jetzt fahre ich einfach darüber.“ Das französische Werksteam hat den 2008DKR genannten Buggy nach der bescheidenen Premiere im Januar 2015 – kein Etappensieg, Platz elf für Peterhansel als bestes Ergebnis – stark überarbeitet. Der auf einem Gitterrohrrahmen aufbauende Bolide mit Kohlefaser-Kevlar-Karosserie ist jetzt jeweils 20 Zentimeter breiter und flacher, der Radstand um denselben Wert angewachsen. Der Dreiliter-Turbodiesel leistet 350 PS. Weil Peugeot auf Allradantrieb verzichtet, dürfen die Reifen größer, die Federwege länger und das gesamte Auto rund 700 Kilogramm leichter sein als die Mini und Toyota.

          „Damit haben wir Vorteile abseits von Pisten und in der Wüste“, erläutert Loeb. Allerdings bietet die Strecke nach den Absagen von Chile und Peru, wo aufgrund des Wetterphänomens El Niño im Januar verheerende Überschwemmungen erwartet werden, nur noch zum geringen Teil derartige Offroad-Bedingungen. Auf den kurvenreichen Schotterpfaden in der argentinischen Pampa und den bolivianischen Anden sind die vergleichsweise schwerfälligen Peugeot-Buggys konstruktiv im Nachteil gegenüber den wendigeren Allradlern, die beispielsweise von Vorjahressieger Nasser Al-Attiyah (45, Qatar, Mini) oder dem Südafrikaner Giniel de Villiers (43, Toyota) und seinem deutschen Beifahrer Dirk von Zitzewitz (47, Karlsdorf/Ostholstein) gefahren werden.

          Es geht von Buenos Aires nach Rosario – aber nicht ganz auf dem direkten Weg.
          Es geht von Buenos Aires nach Rosario – aber nicht ganz auf dem direkten Weg. : Bild: Picture Alliance

          An den Sieg bei der Dakar-Premiere denkt Loeb auch deswegen nicht eine Sekunde. „Für mich geht es nur darum zu lernen“, sagt der ehemalige Leistungsturner. Dazu passt auch, dass er sich seinen früheren Beifahrer Elena reaktiviert hat. Ein durchaus ungewöhnlicher Schritt. Dakar-Neulinge heuern normalerweise Co-Piloten mit großer Wüsten-Erfahrung an. „Ich bin mehr als ein Jahrzehnt lang mit Daniel gefahren. Diese Geschichte setzen wir nun fort“, begründet Loeb.

          Schon beim Testeinsatz in Marokko musste das erfolgsgewohnte Duo feststellen, dass auch die Routine aus neun gemeinsamen Weltmeistertiteln kein Erfolgsgarant ist – Elena fand die Kontrollpunkte, die auch bei der Rallye Dakar von den Teilnehmern ohne die Hilfe von Satellitennavigation angefahren werden müssen, gelegentlich erst nach mehreren Versuchen. „Meine größte Angst ist“, gab der um die Hüften leicht füllige Monegasse hinterher zu, „dass Séb das Tempo der Spitzenfahrer mitgehen kann, aber wir durch Navigationsfehler Stunden verlieren“. Denn eins hat Dakar-Rookie Loeb schon mal klargestellt: „Ich fahre nicht mit, um auf Platz 60 ins Ziel zu kommen.“

          Loeb wird mit seinem Beifahrer Daniel Elenaduring (links) auf große Fahrt gehen.
          Loeb wird mit seinem Beifahrer Daniel Elenaduring (links) auf große Fahrt gehen. : Bild: AFP

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