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Sandro Cortese im Gespräch : „Wenn du keinen Respekt hast, tust du dir weh“

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Die Faust des Siegers: Im letzten Jahr wurde Sandro Cortese Weltmeister Bild: dapd

Sandro Cortese will bald mit den ganz Großen um die Wette fahren. Jetzt startet der Deutsche in der Moto2-Kategorie. Dazu braucht er mehr Kraft und mehr Kondition, um seine Maschine im Grenzbereich zu beherrschen.

          2012 - im achten Jahr nach seinem Einstieg in die Motorrad-WM - ist Sandro Cortese Weltmeister in der Moto3-Kategorie geworden. Der Dreiundzwanzigjährige hat noch nicht genug, steigt auf in die Moto2-Klasse und will bald mit den ganz Großen um die Wette fahren. Den Grundstein dafür möchte er beim Saisonauftakt an diesem Wochenende in Qatar legen.

          Wie furchtlos muss man sein, um auf zwei Rädern mit Tempo 290 über die Gerade zu schießen?

          Das klingt vielleicht verrückt, aber das hat nichts mit Wahnsinn oder so zu tun. Wir Rennfahrer sind auf hohe Geschwindigkeiten trainiert. Wir haben, seit wir kleine Kinder waren, mehr und mehr unsere Grenzen verschoben. Natürlich sind 290 Kilometer pro Stunde sehr schnell, aber es fühlt sich auf der Maschine nicht riskant an. Es ist nicht so, dass ich den Tunnelblick einschalte und nicht mehr weiß, was ich tue.

          Kennen Sie ein Gefühl wie Angst?

          Nicht auf dem Motorrad. Wer Angst hat, der darf sich gar nicht erst an den Start stellen. Ein Sturz ins Kiesbett ist bei uns ungefähr so wie ein Foul beim Fußball, es ist ziemlich normal. Doch darüber darfst du nicht permanent nachdenken, das macht dich langsam. Aber natürlich musst du Respekt haben - vor dem Sport, vor den Strecken und von den Gegner. Wenn du keinen Respekt hast, dann tust du dir weh.

          Welche Verletzungen haben Sie schon erlitten?

          Einen Handbruch, ein paar Prellungen - nichts Besonderes.

          Sie sind im vergangenen Jahr Weltmeister in der Moto3-Klasse geworden, zur Belohnung dürfen Sie nun in der Moto2-Klasse antreten. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

          Ich brauche von allem mehr. Mehr Kraft, mehr Kondition - sonst hätte ich keine Chance, das neue Motorrad im Grenzbereich zu beherrschen. Deshalb war das Training sehr intensiv. Seit dem letzten Dezember beschäftige ich mich mit kaum etwas anderem als meinem Körper und der neuen Maschine.

          Mehr Leistung, mehr Gewicht - müssen Sie das Rennfahren neu lernen?

          Ich muss mich umstellen, meinen Fahrstil anpassen. In der kleinen Klasse konnte man mit sehr viel Schwung fahren, in der größeren Klasse musst du sehr hart bremsen und sehr stark beschleunigen. Die Ideallinie ist eine ganz andere, ich lenke wesentlich spitzer in die Kurve ein, bleibe im Scheitelpunkt manchmal beinahe stehen, damit ich möglichst schnell wieder ordentlich Gas geben kann. Das war eine Umstellung für mich, inzwischen komme ich damit immer besser zurecht.

          Was braucht ein guter Rennfahrer?

          Talent allein reicht ganz sicher nicht, es hilft dir am Anfang. Aber es gibt so viele Talente, dass du hart an dir arbeiten musst, um dich durchzusetzen. Einfach nur auf das Motorrad setzen und im Kreis fahren - das reicht sicher nicht aus. Der ganze Körper muss bereit sein, das Maximale zu geben. Wir haben oft nur einen Bruchteil von einer Sekunde Zeit, um die richtige Entscheidung zu treffen, deshalb ist die Auge-Hand-Koordination so wichtig. Ich muss auf dem Motorrad etwas umsetzen, das ich gerade erst gesehen habe. Und du musst Opfer bringen wollen, du musst im Kopf bereit sein, um den Druck zu verkraften. Du darfst dich nie mit dem zufriedengeben, was ist. Du musst immer mehr wollen.

          „Wir Rennfahrer sind auf hohe Geschwindigkeiten trainiert“

          Sie galten lange als Talent, 2005 sind Sie in die WM eingestiegen, aber erst 2012 konnte Sie endlich den Titel gewinnen. Haben Sie dazwischen einmal an sich gezweifelt?

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