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Sandro Cortese im Gespräch : „Motorradfahren auf der Landstraße ist mir zu gefährlich“

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„Ich stapele immer noch tief“: Sandro Cortese steht kurz vor dem Gewinn des WM-Titels Bild: dpa

Am Sonntag in Malaysia braucht Sandro Cortese nur noch einen vierten Platz zum WM-Titelgewinn. Im F.A.Z.-Interview spricht der Grand-Prix-Pilot über die Anfänge mit dem Pocket-Bike, über Gewichtsfragen und die Allgäu-Power.

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          Ist man als Motorrad-Rennfahrer eigentlich Angestellter?

          Ja, ich bin Angestellter des KTM-Werksteams.

          Aber hoffentlich nicht nur mit einem Angestelltengehalt, auch mit Erfolgsbeteiligung?

          Ich werde in diesem Jahr sogar allein erfolgsbezogen bezahlt. Was für mich in dieser Saison eine sehr gute Wahl war.

          Das kann man so sehen. Sie stehen kurz vor dem Gewinn des WM-Titels, was in den letzten zwanzig Jahren nur zwei anderen Deutschen gelang, Dirk Raudies 1993 und Stefan Bradl 2011. Nachdem am Freitag Ihr schärfster Verfolger Maverick Vinales im Streit mit seinem Team die Saison vorzeitig beendet hat, brauchen Sie in Malaysia an diesem Sonntag nur noch einen vierten Platz - oder in einem der beiden folgenden Rennen.

          Ich stapele immer noch tief. Es kann so schnell gehen, dass etwas schiefgeht. Aber wenn es nicht hier klappt, dann eben in Australien oder Spanien.

          Sie fahren schon Ihre achte WM-Saison. Ist man mit 22 Jahren ein alter Hase im Motorradsport?

          Die meisten sind zwischen 16 und 25, ich bin also mittendrin. Aber ich bin schon sehr, sehr früh in die WM eingestiegen, mit 15 Jahren. Heute ist das üblich, damals noch nicht.

          Wenn man Ihre vielen Jugendpokale und Kinderhelme im Büro ihres Vaters sieht, in seinem Metallbaubetrieb in Berkheim, dann könnte man meinen, Sie hätten Motorradfahren vor dem Laufen gelernt.

          Ach, das sind doch nur die alten Trophäen, Kinderkram. Die von der WM stehen bei mir zu Hause, gleich nebenan, in meiner Wohnung hinter der anderen Halle des Betriebes. Mein Papa hat mir halt schon mit zweieinhalb Jahren eine kleine Motocross-Maschine geschenkt, das war der erste Schritt. Dann Pocket-Bike mit acht, deutsche Meisterschaft mit 13. Ich habe nie eine Förderung von außen gehabt. Und habe deshalb lange gebraucht, um aus den eigenen Fehlern zu lernen. Aber es war gut so. Mir nützt es jetzt, was ich in all den Jahren gelernt habe.

          Nur in zwei von bisher vierzehn Saisonrennen haben Sie einen Podestplatz verpasst. Woher kommt die Beständigkeit?

          Bei uns in der kleinen Klasse ist der Pulk der Fahrer extrem dicht. Das ist sehr stressig. Man hat zehn, zwölf Fahrer im Nacken und muss zugleich immer nach vorn schauen, ob man irgendwo überholen kann. Erst über die Jahre wird man gelassener. Das ist meine Stärke in diesem Jahr: Dass ich genau dosieren kann, wann ich angreife und wann ich besser dahinter bleibe.

          „Wenn es nicht hier klappt, dann eben in Australien oder Spanien“

          Nur nicht am letzten Sonntag in Japan, als Sie in der letzten Runde durch den Sturz des Konkurrenten Luis Salom plötzlich schon die Chance auf den vorzeitigen Titelgewinn bekamen. Bei einer Attacke auf die Spitze kollidierten Sie mit ihrem Teamkollegen Danny Kent und fielen vom zweiten auf den sechsten Platz zurück.

          Bei dem Sturz ist Gott sei Dank nichts passiert. Diesen Sonntag werde ich versuchen, ruhig zu bleiben.

          Muss man als Motorrad-Rennfahrer ein Tüftler sein? Ein fahrender Ingenieur wie in der Formel 1?

          Tüftler ist der falsche Ausdruck. Aber man braucht technisches Wissen. Wenn man fährt und spürt, es stimmt etwas nicht, etwa mit der Stoßdämpfung, muss man dem Techniker in der Box genaue Aussagen machen können. Und das schnell, das Qualifying dauert nur vierzig Minuten. Es reicht nicht, wenn man nur sagen kann: fühlt sich komisch an.

          Welche Rolle spielt die Physis?

          Eine sehr wichtige. Unsere Rennen gehen über 100 Kilometer, 45 Minuten, jede Runde am Limit. Deshalb mache ich bis zu sechsmal in der Woche Konditionstraining. Drei bis vier Stunden am Tag, mit eigenem Trainer: Radfahren, Laufen, Schwimmen, Kraftausdauer, Koordination, Gleichgewichtsübungen. In der kleinen Klasse macht man noch wenig Krafttraining, weil man extrem leicht sein muss.

          Cortese muss noch nicht einmal gewinnen, ein vierter Platz würde schon reichen

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