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BMW-Proviant vernichtet : Das Fressen und die Moral

Ob die BMW-Crew in Russland nun ohne Essen auskommen muss? Bild: dpa

Drei Tonnen Essen, die ein Caterer für das BMW-Team zum DTM-Rennen nach Russland bringen sollte, werden vernichtet. Weil Wladimir Putin es so will. Was für eine Verachtung gegenüber dem Leben.

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          Drei Tonnen. 3000 Kilo Essen, jedenfalls annähernd, sollte ein Caterer für BMW zum sechsten DTM-Wochenende des Jahres liefern. Jetzt werden 3000 Kilo Essen vernichtet werden, bestätigt BMW gegenüber FAZ.NET, von den Zollbeamten der nordwestrussischen Oblast Pskow (Pleskau). Weil Wladimir Putin es so will.

          Die kulinarische Versorgung von Fahrern, Mechanikern, Ingenieuren, Gästen ist logistisches Alltagsgeschäft bei den Rennen der Tourenwagenserie. Es sei denn, es geht um das Rennen auf dem Moscow Raceway in Wolokolamsk, achtzig Kilometer nördlich der russischen Hauptstadt. Seit 2013 treten Audi, BMW und Mercedes mit ihrer Rennserie in Russland an, zum Wohle der Absatzzahlen in der Russischen Föderation. Schon im vergangenen Jahr gab es etliche kritische Stimmen: Ein Gastspiel in Putins Reich, der soeben die Krim annektiert hatte, während in der Ostukraine der Krieg tobt, während der Westen Russland sanktioniert? Die DTM fuhr, am 13. Juli. Die Automobilverkäufer drängten auf business as usual. Vier Tage später wurde Flug MH17 vom Himmel geschossen.

          Verbrannt, gehäckselt, gewalzt

          Dieses Jahr steht das Rennen nicht nur unter dem Eindruck der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine, sondern auch unter dem der jüngst begonnenen Umsetzung der russischen Gegensanktionen. Der Importstopp westlicher Lebensmittel wurde von Putin im Juli um das Dekret ergänzt, dass Bannware zu zerstören sei. Nach Auskunft von BMW sah sich der Caterer, im Russland-Geschäft erfahren, gut vorbereitet. Und doch werden auch die drei Tonnen, die BMW nach Wolokolamsk geordert hatte, verbrannt, gehäckselt, gewalzt und verscharrt werden, wegen „schwerer Verletzung der Hygienevorschriften“. Was für eine irrwitzige Verschwendung, welch eine Verachtung gegenüber dem Leben, der Natur, die in diesem Irrwitz zum Ausdruck kommt.

          Immerhin aber dürfte nun auch dem letzten Realitätsverweigerer in Marketingabteilungen und Funktionärsetagen klar sein, dass weder Autorennen noch sonstige Sportveranstaltungen auf einer Insel der Apolitischen stattfinden. Dass, wer Autos verkaufen möchte oder deren Absatz in Putins Reich ankurbeln möchte, dies nur nach dessen Regeln tun kann – selbst wenn diese noch die grundsätzlichsten Anstandsgefühle verletzen. Man darf gespannt sein, wie sich die Brecht-Experten der Formel 1 auf ihr zweites Rennen in Sotschi in diesem Oktober vorbereiten. Erst kommt das Fressen, dann die Moral, gibt es ein passenderes Motto für den Rennzirkus? Aber auch für diese Teams wird gelten: Wer mit Wladimir Putin Sport treiben will, muss auf beides verzichten.

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