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Rennserie Formel E : Helden gesucht

  • -Aktualisiert am

Willkommen in der Formel E: Fast die Hälfte des Fahrerfeldes hat noch Chancen auf den Titel. Bild: dpa

Kuriosum Formel E: Kein Fahrer, der sich in dieser Saison an die Tabellenspitze gesetzt hat, konnte im nächsten Rennen punkten. Auch deshalb muss die Rennserie an ihrem Reglement feilen.

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          Für die Formel 1 wäre es ein undenkbares Szenario, dass sich Lewis Hamilton vor den zwei letzten Rennen der Saison als Führender der Gesamtwertung Gedanken macht, mit welchen Platzierungen er seinen nächsten Weltmeistertitel erringen kann. Selbstverständlich würde der Mercedes-Pilot alles daran setzen, die beiden Wettfahrten zu gewinnen oder zumindest so weit vorne wie möglich über die Ziellinie zu gehen.

          Ganz anders stellt sich die Situation für seinen Kollegen Nyck de Vries dar. Der Niederländer führt vor dem finalen Wochenende die Tabelle in der Formel E an und überlegt ernsthaft, wie er die beiden Rennen auf dem Vorfeld des Tempelhofer Flughafens taktisch bestreiten soll. „Wenn ich am Samstag auf Platz sieben zurückfalle, ist das die optimale Situation“, verrät er seine Gedankenspiele, „wenn ich unter den besten sechs steckenbleibe, könnte ich darunter leiden.“ Verstanden? Nein. Willkommen in der Formel E.

          Weil nicht alle 24 Piloten gleichzeitig auf den engen Stadtkursen im Kampf um die beste Startposition Platz finden, werden sie in vier Gruppen nacheinander auf die Strecke geschickt. Seit drei Jahren müssen die in der Tabelle bestplatzierten Fahrer als erste auf die Piste. Weil der Belag dann wegen des geringeren Gummiabriebs über wenig Grip verfügt, sind diese Piloten benachteiligt und belegen regelmäßig hintere Startplätze. Deshalb kam es zu einem Kuriosum: Kein Fahrer, der sich an die Tabellenspitze gesetzt hat, konnte im nächsten Rennen punkten.

          Dies führt vor dem Saisonfinale zu der kuriosen Situation, dass noch das halbe Fahrerfeld ernsthafte Chancen auf den Titel hat, weil sich keine Spitzenfahrer herausschälten. „Mit zwei starken Rennen ist noch sehr viel möglich“, sagt Pascal Wehrlein. Der Porsche-Pilot, der auch in der kommenden Saison gemeinsam mit André Lotterer ein Duo bilden wird, liegt als Elfter nur 24 Punkte hinter Spitzenreiter de Vries (95 Punkte). Der dreimalige DTM-Meister René Rast (Audi) gehört auf Platz zehn mit 72 Zählern ebenfalls noch zu den Meisterschaftskandidaten. Ein Fahrer kann im besten Fall in einem Rennen 30 Punkte gewinnen – 25 für den Sieg, drei für die Poleposition und jeweils einen für die schnellste Runde in der Gruppenphase des Qualifyings und im Rennen.

          „Grundsätzlich eine gute Idee“

          „Die Formel E wurde entsprechend ausgelegt, dass mehr Fahrer gewinnen können, was grundsätzlich eine gute Idee ist“, erklärt Serienchef Jamie Reigle, „aber dieses Jahr war der Nachteil für die Fahrer der ersten Gruppe aufgrund der Streckenbedingungen zu groß.“ Gemeinsam mit dem Automobilweltverband FIA will er einen Weg finden, dass die Formel E weiter unvorhersehbar bleibe, aber dass Leistung nicht zu sehr bestraft werde. „Die Regeln müssen so ausgelegt sein, dass der beste Fahrer im besten Team gewinnt“, verspricht der 44-jährige Kanadier Besserungen. Denn nur so können Helden wie Lewis Hamilton und Max Verstappen kreiert werden, die das Publikum fesseln.

          Auch die Regeln bezüglich der Safety-Car-Phase, die es in jedem Rennen durchschnittlich zwischen zehn und 15 Minuten gibt, versteht kein Zuschauer. Besonders ärgerlich sind dann Situationen wie bei einem Rennen in Rom, als nach einer Safety-Car-Phase, in der Überholverbot herrscht, gerade noch eine Minute Renndauer anstand.

          Jamie Reigle, der vor seinem Formel-E-Engagement zehn Jahre Vorstandsmitglied beim Premier-League-Club Manchester United war, vergleicht den Einsatz des Führungsfahrzeuges mit einer Verletzungsunterbrechung beim Fußball. Auch diese Zeit wird hinten drangehängt. So soll es künftig auch in der Formel E sein. „Anstatt die Energie nach einem Safety-Car zu reduzieren, werden wir das Rennen um diese Zeit verlängern“, verspricht der Manager.

          Während diese Änderungen im Regelwerk noch Zukunftsmusik sind, sind die angekündigten Ausstiege von Audi und BMW zum Ende der Saison Realität. Beide entwickeln Fahrzeuge nach den neuen LMDh-Regeln, mit denen sie an Langstreckenrennen wie den 24 Stunden von Le Mans oder Daytona teilnehmen können. Audi geht zusätzlich zur Dakar-Rallye in die Wüste. Noch ist das zu verschmerzen. Sieben Hersteller bleiben an Bord.

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