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Motorrad-Rennfahrer Rossi : Das Original lebt noch

So stark wie schon lange nicht mehr: Rossi spielt in der MotoGP-Saison eine große Rolle Bild: Reuters

Erfahrung, Taktik und Intelligenz: Wenn es drauf ankommt, fährt Valentino Rossi wie zu seinen besten Zeiten. Zum Großen Preis von Frankreich an diesem Sonntag reist der MotoGP-Fahrer als WM-Führender an – und will seinen Nachfolger auf Abstand halten.

          Der Mann ist inzwischen 36 Jahre alt, hat in seiner Karriere als Motorrad-Rennfahrer 315 Grand Prix bestritten, 110 Siege erkämpft und neun Mal die Weltmeisterschaft gewonnen – genug allerdings hat Valentino Rossi noch nicht. Im Gegenteil: Der Italiener zeigt sich in dieser MotoGP-Saison so stark wie schon lange nicht mehr.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wenn man daheim sein will und kein Risiko eingehen will, dann ist es vorbei. Ich liebe mein Leben, die Reisen und die Arbeit mit meinem Yamaha-Team“, sagt Rossi. „Der Geschmack des Sieges ist immer etwas Besonderes. Mir bereitet es Freude, für dieses Gefühl zu arbeiten.“ Zum Großen Preis von Frankreich an diesem Sonntag in Le Mans (13.45 Uhr) reist Rossi als WM-Führender an.

          Márquez stürzt, Rossi siegt

          Dabei hatten sich beinahe alle Experten schon vor der Saison festgelegt, dass der neue Champion aller Voraussicht nach wieder der alte sein wird: Marc Márquez. Doch der Spanier spürt inzwischen, dass der Widerstand auf dem Weg zum Titel so groß wie selten zuvor ist. Dafür steht vor allem eine Szene beim Rennen in Argentinien Mitte April: Márquez führte schon mit fünf Sekunden Vorsprung, doch Rossi hatte sich vor dem Start für die härtere der beiden Reifenmischungen entschieden und holte in der Schlussphase des Rennens Zehntelsekunde um Zehntelsekunde auf. Als er im Windschatten von Márquez auftauchte, attackierte Rossi und zog vorbei. Kurz danach berührte er mit dem Hinterrad seiner Yamaha das Vorderrad des Spaniers – Márquez stürzte, Rossi siegte.

          „Ich habe physisch und mental kein Problem, mit dem Motorrad ans Limit zu gehen“

          Seither ist nichts mehr, wie es war. Zwar betonen beide, dass es sich um einen normalen Rennunfall handele, dass solche Dinge eben passieren, wenn zwei wilde Männer auf PS-starken Maschinen gegeneinander kämpfen. Rossi aber hat ein Zeichen gesetzt, er probt noch einmal den Aufstand gegen seinen 22 Jahre alten Rivalen. Es könnte seine letzte Chance sein. „Ich fühle mich in Form. Ich habe physisch und mental kein Problem, mit dem Motorrad ans Limit zu gehen“, sagt Rossi.

          Zumindest nicht im Rennen. Samstags im Qualifying, dann, wenn es um die eine schnelle Runde im Rennen um die besten Startplätze geht, sind andere stärker. Aber sonntags, wenn es auch auf Erfahrung, Taktik und Intelligenz ankommt, fährt Rossi derzeit wie zu seinen besten Zeiten. „Unsere Maschine läuft ziemlich gut – vor allem am Sonntagnachmittag“, sagt Rossi. Der Italiener hat nie aufgegeben, sich nicht von den Enttäuschungen bei Ducati (2011 und 2012) unterkriegen lassen und nicht resigniert, als es danach mit seiner Rückkehr zu Yamaha abermals Probleme gab. „Ich habe viel an mir gearbeitet, meinen Fahrstil umgestellt, ich wusste, dass ich mich anpassen musste“, sagt er. Ende 2013 trennte er sich sogar von seinem langjährigen Cheftechniker Jeremy Burgess.

          Die Änderungen jedenfalls erzielen ihre gewünschte Wirkung. Beinahe schon unterwürfig äußerte sich zuletzt Márquez in einem Interview mit dem britischen „Guardian“, in dem er sagte: „Valentino ist Valentino, und es ist schwer, ihn zu besiegen. Ich habe immer gesagt, dass er mein Idol ist und meine Referenz. Also lerne ich immer auch von ihm.“ Márquez wurde immer wieder als der neue Rossi bezeichnet, nun stellt sich die Frage, wer besser ist. Das Original oder sein Nachfolger?

          Gefragte Signatur: „Valentino ist Valentino“

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