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Freudentränen nach DTM-Sieg : „Was zur Hölle?!“

  • -Aktualisiert am

Sieg am Samstag, Titel am Sonntag: René Rast gewinnt die DTM. Bild: Juergen Tap/Hoch Zwei/ITR/DTM/dpa

René Rast hat sich bereits vorzeitig seinen zweiten Titel im Deutschen Tourenwagen-Masters gesichert. Und das, obwohl der Audi-Pilot im zweiten Rennen gar nicht auf dem ersten Platz gelandet ist.

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          Feiern so Meister? René Rast stieg aus seinem Arbeitsgerät aus und ging gemessenen Schrittes zur Waage. Bei allen Abläufen wirkte der 32-Jährige sehr geschäftig. Dabei war der Audi-Pilot gerade DTM-Champion des Jahres 2019 geworden. „Eigentlich müsste ich heute der glücklichste Rennfahrer sein“, sagte er ganz trocken. Dann fügte er an: „Mit dem Rennen bin ich nicht zufrieden.“ Dritter war er geworden, hinter seinen Markenkollegen Jamie Green und Robin Frijns. Das hat gereicht. Weil Nico Müller, sein letzter Konkurrent um den Titel, als Sechster nicht genügend Punkte holte. Selbst wenn Rast beim Finale in Hockenheim keine Punkte mehr holen und Müller voll punkten sollte, stünde es ex aequo. Für Rast sprechen seine sechs Siege.

          Kurios war schon der Funkverkehr, nachdem René Rast über die Ziellinie gefahren war. Renningenieur Florian Rinkes sagte: „Wir haben’s geschafft.“ Verblüffte Rückfrage aus dem Cockpit: „Wirklich?“ Dann mischte sich Arno Zensen, Chef von Rasts Team Rosberg, ein: „Hey Champion, gut gemacht!“ Wieder die Rückfrage: „Sind wir Champion?“ Darauf Rinkes trocken: „Ich kann’s bestätigen.“ Erst dann kam ein erster Jubelschrei.

          Schon nach dem morgendlichen Qualifying, das Green mit einer Tausendstelsekunde Vorsprung vor Rast gewonnen hatte, war klar, dass der Meister aus dem Audi-Lager kommen würde. Darauf ließ Motorsportchef Dieter Gass freies Fahren zu. Und die acht Audi-Piloten boten ein sehr unterhaltsames Rennen. Lediglich Rast hatte dabei nicht immer seinen Spaß. Nachdem er den Start gewonnen hatte, kam Green nach dessen Reifenwechsel vor Rast auf die Piste zurück. „Was für eine Sch..., was für eine Sch...“, erregte er sich. „Was zur Hölle?!“, rief er in den Boxenfunk. Als ihn dann auch noch Frijns sieben Runden vor dem Rennende überholte, war die Meisterschaft wieder offen.  Erst als Müller wegen nachlassender Haftung seiner Reifen Positionen verlor, hatte Rast seinen zweiten Titel nach 2017 sicher. „Gratulation an René, er hat das sehr stark gemacht“, sagte BMW-Motorsportchef Jens Marquardt anerkennend. Nach Rückschlägen habe sich der Konkurrenz-Fahrer nicht entmutigen lassen, sondern sofort wieder angegriffen. „Das zeichnet einen Champion aus“, sagte Marquardt.

          Beim ersten Rennen fährt René Rast als Erster über die Ziellinie, anschließend sichert er sich den Gesamtsieg.

          „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an die DTM denke“, sagt Rast. Und er gilt als Perfektionist. Als sein Team Rosberg vor zwei Wochen Freunde und Mitarbeiter zum Sommerfest eingeladen hatte, verzog sich der Pilot mit seinem Ingenieur und einem Mechaniker in ein Büro. Dort diskutierten sie, welche Linie die beste sei, wenn er zum Reifenwechsel vor seiner Garage anhalten muss. Immer wieder simulierte er mit einem Papier eine andere Anfahrt. „Wenn ich zu spitz komme, ist die Gefahr am größten, dass ich einen von euch verletze“, erläuterte er. Für die optimale Anfahrt müsste er unter der Luftlanze der Nachbarbox durchfahren. Das ist nicht erlaubt. Also diskutierten sie bis lange in die Nacht Fahrtwege und Winkel.

          Auch in seinem Haus in Bregenz hat er sich ganz auf die DTM eingerichtet. Im Keller hat er einen Simulator stehen, in dem er an manchen Tagen bis zu acht Stunden sitzt und die Piste des nächsten Rennens auswendig lernt.

          Obwohl Audi am Nürburgring beim Sonntag-Rennen die sieben besten Plätze belegt hat, war es alles andere als ein langweiliges Rennen. Obwohl in der Vergangenheit immer wieder erklärt worden war, dass Überholen nicht möglich sei, tauschten die Piloten munter die Positionen. Natürlich mit der nötigen Vorsicht. „Wir wollten kein übermäßiges Risiko eingehen“, sagte Green. Und Frijns ergänzte: „Das Letzte, was wir wollten, war, dass wir uns berühren und umdrehen.“ So wie dies Rast und Müller im Startgetümmel auf dem Stadtkurs Norisring passiert war. Doch auf der klassischen Rennstrecke Nürburgring klappte es problemlos. Die peinliche Rolle der einander behindernden Markenkollegen übernahmen die BMW-Piloten Sheldon van der Linde und Timo Glock. Der Südafrikaner schob den ehemaligen Formel-1-Fahrer in der ersten Kurve an, so dass dieser sich drehte. Entsprechend sauer war hinterher ihr Chef Marquardt.

          Als am Abend in der Audi-Hospitality die spontane Meisterfeier langsam Fahrt aufnahm, war der Meister schon auf der Heimfahrt. Schließlich stehen Anfang Oktober noch die beiden finalen Rennen an. Im Motodrom wird es zum ersten Aufeinandertreffen mit Fahrzeugen von Honda, Lexus und Nissan aus der Super-GT-Meisterschaft kommen. Mit am Start ist dabei der frühere Formel-1-Weltmeister Jenson Button. Und dem würde René Rast gerne zeigen, wer der Champion ist.

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