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Rallye-WM : Ein Ausstieg als Knalleffekt

  • -Aktualisiert am

Ausgeflogen: VW zieht sich zurück aus der Rallye-WM. Bild: dpa

Wegen der Dieselaffäre zieht sich VW aus der Rallye-WM zurück. Die Sparmaßnahmen in der „Luxusabteilung“ Motorsport hat hausintern vor allem Signalwirkung. Für die Serie ist es ein herber Verlust.

          Am vergangenen Sonntag stand Frank Welsch noch strahlend auf dem Podium der Rallye Großbritannien. Zusammen mit Sieger Sébastien Ogier und dem gesamten Team feierte der VW-Entwicklungsvorstand den Gewinn der Marken-Weltmeisterschaft. Drei Tage später traf man sich abermals, jetzt im Hauptquartier von Volkswagen Motorsport in Hannover. Dieses Mal hatte Welsch schlechte Nachrichten: VW steigt aus der Rallye-WM aus. Nach dem Saisonfinale in Australien (17. bis 20. November) ist Schluss - nach vier Hersteller-Titeln in Serie und vier gewonnenen Fahrermeisterschaften durch Ogier. Wie vor einer Woche die Kollegen von Audi, die künftig nicht mehr in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans um Siege kämpfen dürfen, zählen damit auch die Werks-Motorsportler von Volkswagen zu den Verlierern der Dieselaffäre.

          Dabei geht es auch um gewollte Sparmaßnahmen in der Luxusabteilung Motorsport. Aber die kolportierten siebzig Millionen Euro für eine Saison Rallye-WM (ohne Marketing) erscheinen angesichts der zur Bewältigung von „Diesel-gate“ notwendigen Milliarden als „Peanuts“. Was auch zählt, ist die Signalwirkung. Audi siegte in Le Mans (dank 300 Millionen Euro Budget) ausgerechnet mit Dieselmotoren. Und Volkswagen hatte sich mit dem Rallyesport genau jenes Betätigungsfeld ausgesucht, das von allen Motorsportdisziplinen das größte Imageproblem hat. Bei beiden Marken sollen parallel zur in diesem Bereich forcierten Serienentwicklung langfristig Rennserien mit Elektroautos in den Fokus rücken. Audi engagiert sich vorerst mit „kleinem Geld“ in der Formel E. Volkswagen war im vergangenen Jahr mit der Idee vorgeprescht, in der Rallycross-WM eine Stromer-Klasse einzuführen.

          Der vor einer Woche in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angedeutete Ausstieg von Volkswagen ist ein Schock für die gesamte Weltmeisterschaft. Der 2017er Polo, entwickelt nach einem komplett neuen Reglement, absolviert seit Monaten Tausende von Testkilometern und galt als Favorit auf einen weiteren Titel. Das bereits gestoppte Fahrerkarussell kommt noch einmal in Fahrt. Schließlich hat die Marke neben dem viermaligen Weltmeister Ogier mit Jari-Matti Latvala (WM-Zweiter 2014 und 2015) und Andreas Mikkelsen zwei weitere zu den Besten zählende Piloten unter Vertrag. Volkswagen unterstützte in den vergangenen vier Jahren außerdem einige Veranstalter finanziell. Auf dem gerade vorgestellten offiziellen Plakat der Rallye Monte Carlo, Mitte Januar Auftakt der Saison 2017, prangt formatfüllend ein Polo. Mit völlig neuen Ansätzen vor allem im Bereich von Social Media hatte die Marke darüber hinaus Tausende neuer Fans für den durch und durch konservativen Rallyesport begeistert.

          Viermal Weltmeister: Sebastien Ogier muss sich trotzdem ein neues Fahrzeug suchen.

          Welsch hat den rund 200 Angestellten von Volkswagen Motorsport immerhin versprochen, dass sie ihre Jobs behalten. Sie sollen sich unter anderem um die amerikanische Rallycross-Serie (GRC) kümmern, wo man mit Scott Speed den Champion 2016 stellt und zusätzlich die Herstellerwertung gewonnen hat. Außerdem soll der Kundensport in der internationalen Tourenwagen-Kategorie TCR ausgebaut werden, in der Volkswagen den Golf GTi für Privatfahrer anbietet.

          Schon 2018 wird dennoch wieder ein VW in der Rallye-WM auftauchen. Allerdings ebenfalls in privater Hand und in der Kategorie WRC2, der zweiten Liga der Weltmeisterschaft. Eine passende Variante des Polos sollen die für das erfolgreichste Rallyeauto des vergangenen Jahrzehnts verantwortlichen Ingenieure in den nächsten Monaten entwickeln. Konzerninternes Konfliktpotential ähnlich wie beim Le-Mans-Duell Audi gegen Porsche ist vorhanden. In der WRC2 heißt der Weltmeister 2016 Śkoda.

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