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Rallye-Pilot Carlos Sainz : Der Tausendsassa lässt die Fetzen fliegen

Auf dem ersten Teilstück der Dakar wurde Sainz Fünfter Bild: REUTERS

Carlos Sainz ist auf allen Pisten zu Hause. Nun versucht er in einem Buggy, die Dakar-Rallye zu gewinnen. Zur Vorbereitung drehte er die Sauna auf 60 Grad - und setzte sich auf ein Ergometerfahrrad.

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          Die Wüste lässt ihn nicht mehr los. Eigentlich hat Carlos Sainz als Motorsportler ja schon alles erreicht, was für einen einzelnen Menschen in den verschiedenen Disziplinen dieser Sportart machbar ist. Zweimal, 1990 und 1992, war der 51 Jahre alte Madrilene Rallye-Weltmeister.

          Im knallbunten Rallyezirkus der WM war Sainz zuletzt am sensationellen Debüterfolg von Volkswagen beteiligt. Den Polo R, mit dem der Franzose Sébastien Ogier den Titel holte und mit dem VW die Herstellerwertung gewann, hat Sainz mit entwickelt. Mit Volkswagen hat der Spanier auch seinen bisher einzigen Dakar-Sieg errungen. 2010 steuerte er den ebenfalls von ihm mit entwickelten Race Touareg bei der südamerikanischen Ausgabe der wüsten Wettfahrt zum Sieg.

          Jetzt will es der „Matador“, wie sie Sainz in Spanien respektvoll nennen, noch einmal wissen: Seit Sonntag nimmt er bei der Dakar-Rallye in einem Buggy des Rennstalls SMG Platz. Nach der ersten Etappe liegt Sainz auf Platz fünf der Gesamtwertung mit einem Rückstand von gut vier Minuten auf den Führenden Carlos Sousa aus Portugal (siehe Kasten).

          Sainz' Wagen stammt aus der Werkstatt seines französischen Freundes Phillipe Gache. Dass das Auto mit dem Werbeaufdruck eines roten Bullen geschmückt wird, ist kein Zufall. Denn Sainz ist über VW als Berater sowohl in der Rallye-WM als auch bei seinen Dakar-Einsätzen eng mit dem österreichischen Limonaden- und Extremsportimperium Red Bull verbunden.

          Auch Sainz kann bei der Hatz durch Südamerika seine Spuren nicht verwischen

          Auch der zweite SMG Buggy, der von Ronan Chabot und Beifahrer Gilles Pillot bewegt wird, fährt unter diesem Zeichen. Und selbstverständlich hat Sainz auch diesen Wüstenrenner mit entwickelt. Schon im vergangenen Jahr war er konkurrenzfähig, als Chabot den Rennwagen auf Platz sieben der Dakar-Rallye fuhr.

          Dass er unter der Federführung von Sainz schlechter geworden sein könnte, darf man getrost ausschließen. Somit sind die aus Fréjus an der Côte d’Azur stammenden Autos eine ernste Konkurrenz für die große Armada der elf Minis, die der Treburer Rennstall X-raid ins Rennen schickt.

          Vorsicht, Wasser: Carlos Sainz lässt sich aber nicht aufhalten

          Sainz ist mit seinem Talent als Entwickler und seinem Können als Fahrer vielleicht der kompletteste Rallyesportler der Welt - eine Mischung aus Daniel Düsentrieb und Michel Vaillant im Rallyeauto. Sportlich war der Spanier schon immer. Mit 16 wurde er spanischer Jugendmeister im Squash. Für einen Spanier von Welt versteht es sich von selbst, dass er auch mit einem Fußball gut umgehen kann. So gut, dass der junge Carlos von Real Madrid schon mal ein Profiangebot bekam.

          Doch Geld und Karriere waren kein Maßstab für ihn. Denn Sainz’ Vater war nicht nur selbst aktiver Rallyefahrer, sondern auch überaus wohlhabend, verdiente sein Geld als Bauunternehmer und Honorarkonsul von Bolivien. Die Vorstellung, dass sein Sohn Jurist werden und ins Geschäft einsteigen könnte, zerstreute Sainz schon nach vier Semestern.

          Keine Scheu vor großen Namen: Sainz und Wladimir Putin (links)

          Im Buch, „Die großen Rallye-Stars 1993“ wird eine Äußerung kolportiert, die Sainz gegenüber seinen Eltern gemacht hat: „Wollt ihr einen unbekannten Rechtsanwalt oder einen berühmten Rallyefahrer?“ Also stieg Sainz nicht ins väterliche Geschäft, sondern ins Rallye-Auto ein. Und fuhr 1987 in Portugal bei seinem ersten WM-Einsatz in der ersten Prüfung Bestzeit. Sainz ist so etwas wie ein rasender spanischer Edelmann. Seiner Familie werden gute Kontakte ins Königshaus nachgesagt.

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