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Rallye Dakar : Der Wüstenkönig und sein Widersacher

  • -Aktualisiert am

Auf und davon: Sebastian Loeb fährt über Stock und Stein Bild: dpa

Titelverteidiger Nasser Al Attiyah ist verblüfft über die Leistung des Dakar-Neulings Sébastien Loeb. Der Rallye-Weltmeister baut am Donnerstag seine Führung im Zwischenklassement zwar aus – hat aber vielleicht noch ein entscheidendes Handicap.

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          Das hatte sich Nasser Al Attiyah anders vorgestellt. „Das Tempo der Peugeots überrascht mich wirklich“, musste der 45 Jahre alte Vorjahressieger aus Qatar nach den ersten Etappen der Rallye Dakar zugeben. Die französischen Werkswagen hatten die Wertungsprüfungen in der argentinischen Pampa entgegen aller Vorhersagen klar dominiert. Nicht nur Stéphane Peterhansel, der 50 Jahre alte, elfmalige Dakar-Sieger, sowie der 53 Jahre alte zweimalige Rallye-Weltmeister Carlos Sainz aus Spanien bestimmten das Tempo. Sogar Dakar-Neuling Sébastien Loeb, neunmaliger Rallye-Weltmeister, glänzte mit Tagessiegen.

          Am Donnerstag baute Loeb mit seinem inzwischen dritten Etappensieg die Gesamtführung aus. Auf der um sieben Kilometer verkürzten Spezial-Etappe über immer noch mehr als 300 Kilometer war Loeb 22 Sekunden schneller als Sainz. Dakar-Rekordgewinner Peterhansel lag drei Minuten zurück. Al Attiyahs Plan, gleich zu Anfang einen Vorsprung herauszufahren, scheiterte auf der ganzen Linie.

          Den als Favoriten gehandelten Mini, mit Werksunterstützung entwickelt und eingesetzt vom hessischen Team X-Raid, blieb vorerst nur die ungewohnte Verfolgerrolle. Mannschaftskapitän Al Attiyah gab dabei noch die beste Figur ab. Teamkollege Nani Roma (43, Spanien), ebenfalls ein ehemaliger Dakar-Gewinner, blieb schon auf der zweiten Wertungsprüfung fast eine Stunde in einem Schlammloch stecken und hat längst keine Siegchance mehr. Auch die in den Vorjahren zumindest zu Tagessiegen fähigen Toyota spielten bislang keine Rolle.

          Peugeots Lieblingsetappen kommen erst noch

          Noch 2015, als Peugeot nach längerer Pause zur Rallye Dakar zurückkehrte, waren Mini (Plätze eins, drei, vier, fünf und neun) und Toyota (Plätze zwei, sechs und sieben) haushoch überlegen. Mit Platz elf für Stéphane Peterhansel als bestem Ergebnis blieb Peugeot weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Das französische Werksteam, von 1987 bis 1990 viermal in Folge Sieger, reagierte und baute den 2008DKR genannten Wüstenrenner komplett um. Mit Erfolg. Inzwischen sind die nur über die Hinterräder angetriebenen Buggys sogar auf solchen Pisten die Schnellsten, wo die Allrad-Boliden von Mini und Toyota in der Vergangenheit klare Vorteile hatten.

          Das sah bei der Rallye Marokko im Oktober 2015 noch anders als, die alle großen Teams als Vorbereitung auf die Rallye Dakar bestritten. In der Sahara hatte Nasser Al Attiyah vor drei Toyota-Piloten gewonnen. „Die Peugeots sind zwar schneller als bei der Rallye Dakar 2015“, lautete damals seine Analyse. „Aber noch haben wir sie im Griff.“ Gut möglich, dass die Franzosen damals nicht alle Karten auf den Tisch gelegt hatten.

          Der Wüstenkönig in der Verfolgung: Nasser Al Attiyah
          Der Wüstenkönig in der Verfolgung: Nasser Al Attiyah : Bild: AP

          Und jene Wertungsprüfungen, die den französischen Wüstenflitzern besonders liegen dürften, kommen bei der Rallye Dakar erst noch. Rund um den Ruhetag am Sonntag im argentinischen Salta stehen längere Offroad-Abschnitte auf dem Programm. Für diese Bedingungen sind die 2008DKR konstruiert. Sie sind reglementsbedingt rund 700 Kilogramm leichter als die Mini und haben deutlich größere Reifen, deren Luftdruck außerdem während der Fahrt vom Cockpit aus reguliert werden kann. In der offenen Wüste sind außerdem erfahrene Navigatoren gefragt. Dann kommt die große Bewährungsprobe für den 41 Jahre alten Franzosen Loeb und seinen ebenfalls zum ersten Mal bei der Rallye Dakar antretenden Beifahrer Daniel Elena. „Das muss ich ausnutzen“, hat sich Al-Attiyah vorgenommen. „Wenn ich dort nicht näher an die Spitze herankomme, wird es sehr, sehr schwer.“ Bei Loebs Teamkollegen Peterhansel und Sainz braucht Al Attiyah allerdings nicht auf Schwächen bei der Navigation zu hoffen. Jean-Paul Cottret (52, Frankreich) lotste Peterhansel fünf Mal auf Platz eins, Lucas Cruz (41, Spanien) hat einen Dakar-Sieg auf dem Konto.

          Gut möglich, dass 2016 für Al Attiyah nicht so erfolgreich verläuft wie 2015. In der vergangenen Saison gewann der Wüstensohn nicht nur zum zweiten Mal die Rallye Dakar. Er holte sich außerdem den Gesamtweltcup für Offroad-Rallyes, siegte zum neunten Mal in der Rallye-Meisterschaft des Mittleren Ostens und wurde Champion in der zweiten Liga der Rallye-Weltmeisterschaft. „Jedes zweite Wochenende sind wir irgendwo auf der Welt eine Rallye gefahren“, beschreibt sein französischer Beifahrer Mathieu Baumel.

          Dieses Jahr hat der 39 Jahre alte Baumel ein bisschen mehr Freizeit. Sein Pilot hängt direkt nach der Zieldurchfahrt der Dakar am Samstag nächster Woche den Helm vorübergehend an den Nagel und steigt in die finale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ein. Dort will Al Attiyah mindestens das gleiche Ergebnis erreichen wie 2012 in London – die Bronzemedaille im Tontaubenschießen. „Die Goldmedaille wäre die Erfüllung eines Kindheitstraums“, sagt der 45-Jährige, der bereits zum sechsten Mal um olympisches Edelmetall kämpft. Mit seiner Rolle als Wanderer zwischen zwei scheinbar grundverschiedenen Welten kommt Al Attiyah erstaunlich gut zurecht. „Rallyesport und Schießen erfordern höchste Konzentration und extreme Reaktionsschnelligkeit. In beiden Disziplinen muss man außerdem mit Stress umgehen können. Ich kann mich auf dem Schießstand wunderbar vom Cockpit erholen und umgekehrt.“

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