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Rallye Dakar : Malysz ist der Adler in den Anden

Sand statt Schnee: Adam Malysz wirbelt in Südamerika Staub auf Bild: dpa

Der frühere Skisprung-Star Adam Malysz kämpft bei der Rallye Dakar um Anerkennung als Motorsportler. Inzwischen hat sich der polnische Quereinsteiger einen Namen gemacht.

          3 Min.

          Der Wind fegt über das Biwak von Calama, einer kleinen chilenischen Stadt zwischen der Pazifikküste und dem Kamm der Anden. Der Sturm treibt den staubfeinen Wüstensand in Schwaden über das karge Gelände, auf dem das Biwak der Dakar-Rallye untergebracht ist. Der Staub in der Luft ist so dicht, dass man die Orientierung verlieren kann. Adam Malysz behält sie. Locker steht er neben seinem Geländewagen, einem Toyota Hilux des Teams Overdrive, mit dem er derzeit bei der Dakar-Rallye startet, und gibt eifrig Interviews. Der Sturm heult um ihn herum, aber der einstige Skisprungstar bleibt auch in der tosenden Hitze cool, so wie ihm das bei minus 20 Grad Celsius auf dem Bakken geglückt ist.

          Die Prüfungen laufen gut für den kleinen, dünnen Mann aus der polnischen Stadt Wisla, der fast verschwindet, wenn er sich im Schalensitz seines Rennwagens niederlässt. Der 36 Jahre alte Pole ist inzwischen Neunter der Gesamtwertung. Das Ziel, unter diese ersten zehn zu kommen, wenn die Rallye an diesem Samstag in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso endet, scheint inzwischen zum Greifen nah.

          Der Quereinsteiger von der Schanze

          Dabei hatte Malysz zu kämpfen zu Beginn der Woche. Auf den nahe gelegenen Andenpässen geht vor allem den benzingetriebenen Autos wie dem Hilux, der von einem mächtigen 4,6-Liter-Achtzylindermotor angetrieben wird, schneller die Luft aus als den Dieseln, die die Konkurrenz von X-raid in ihren das Feld anführenden Mini all4racing benutzt (Die Reise kam mit Unterstützung der Firma X-raid zustande.)

          In den atemraubenden Höhen zwischen 4000 und 5000 Metern über dem Meeresspiegel kommen die Dieselmotoren besser mit der sauerstoffarmen Luft zurecht als die Benziner. Die wüste Hatz geht durch eine Traumlandschaft, in der Lamas und Alpacaherden auftauchen. Durch die flachen Hochgebirgsseen stolzieren Flamingos vor der grandiosen Kulisse der chilenischen Anden. Malysz hat andere Dinge im Blick: „Wir haben Probleme mit dem Auto, das keine guten Bremsen hat. Und außerdem ist die Scheibenwaschanlage kaputt.“

          In Rallyekreisen hat sich der Quereinsteiger von der Schanze inzwischen einen Namen gemacht, aber gilt auch bei seiner dritten Dakar-Rallye und trotz des beachtlichen 15. Platzes, den er im vergangenen Jahr belegte, als Anfänger. Die Kritik lässt ihn zwar nicht kalt. Aber Malysz bleibt gelassen. Er weiß, worauf er sich eingelassen hat.

          Der viermalige Skisprung-Weltmeister ist zwar ein gefragter Mann, wird bei der Dakar sehr gerne von Fernsehteams interviewt, kann sich aber davon noch nichts kaufen. Ganz im Gegenteil: Der Pole bringt Geld mit, das Auto hat er selbst gekauft, 300.000 Euro aus eigener Tasche in das Projekt gesteckt.

          Den Rest des zirka eine halbe Million Euro umfassenden Budgets bezahlen der österreichische Limonadenkonzern Red Bull, mit dem Malysz schon lange verbunden ist, und ein polnischer Mineralölkonzern. Dieser hat auch schon seinen Etatbeitrag für kommende Dakar-Taten zugesagt. „Den Rest muss ich abwarten“, sagt Malysz. Die Rolle als Paydriver, der Geld zahlt statt verdient, nimmt er schulterzuckend hin. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich Rallyes fahren will. Und das mache ich jetzt auch.“

          Ebenso vom Schnee in den Sand: Luc Alphand

          Er nimmt dafür viel in Kauf. Statt im Hotel schläft er im Biwak im Zelt. Die Bedingungen dort sind anstrengend. Stets dröhnen irgendwo Motoren, der muffige Geruch von Dieselabgasen zieht herüber. Und die Natur stellt ihn auch nachts vor Herausforderungen. Eine Nacht im Zelt ist bei Sandsturm kein Vergnügen. Aber die Faszination der Wüste hat ihn im Griff. „Ich habe Motorsport schon immer gemocht“, sagt er.

          Der polnische Star und Publikumsliebling hat sich eingelebt im Mikrokosmos Dakar, der so viel von den Menschen fordert, dass nur wenige in ihm gut leben können. Malysz kann. Nur gut davon leben zu können, bei einem Topteam unterzukommen, das muss er noch irgendwie arrangieren. Luc Alphand hatte es einst geschafft. Der Gesamtweltcupsieger der alpinen Skiläufer von 1997 gewann neun Jahre später die Dakar.

          Malysz blinzelt in den Sandsturm, als wehe ein laues Lüftchen. Direkt nebenan haben die Dakar-Branchenführer von X-raid ihr imposantes Quartier aufgeschlagen. Mächtige schwarze Trucks haben sich zu einer Art Wagenburg formiert, stemmen sich trutzig in den Sturm und scheinen allen Widrigkeiten zu trotzen.

          Dort arbeiten die hochbezahlten Stars der Branche wie Stéphane Peterhansel oder Nani Roma, die um den Gesamtsieg kämpfen. Der kleine, drahtige Mann, den sie einst den „Adler von Wisla“ nannten, wirkt immer noch ein wenig verloren. Aber Malysz ist ein Kämpfer. Und irgendwann, so hofft er, werden auch die großen Rennställe von ihm reden. Und ihn vielleicht verpflichten.

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