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Rallye Dakar : Schnappen nach Luft

  • -Aktualisiert am

„Je härter, desto besser“: Rekordsieger Stéphane Peterhansel würde es gerne anspruchsvoller haben. Bild: dpa

Die Rallye Dakar fährt dieses Jahr erstmals in Paraguay. Nicht nur die Strecke, auch eine bislang unbekannte Bedingung stellt dort Pilot und Material vor neue Herausforderungen.

          Achtundzwanzig Teilnahmen, zwölf Siege, jeweils die Hälfte auf dem Motorrad und im Auto - Stéphane Peterhansel weiß, wovon er redet. „Nach einer leichten Rallye Dakar kam bisher immer eine richtig schwere“, sagte der Franzose vor dem Start an diesem Montag in Asunción, der Hauptstadt von Paraguay.

          Die Rallye Dakar des vergangenen Jahres war eine leichte. Für viele Fahrer, die beispielsweise mit der Silkway-Rallye von Moskau nach Peking längst alternative Möglichkeiten wahrnehmen, offenbar zu leicht. Zwar treten die Werksteams von Peugeot, Toyota und Mini auch dieses Mal in voller Mannschaftsstärke an. Doch jenseits dieses guten Dutzends Vollprofis haben die Teilnehmerzahlen einen Tiefstand erreicht. Nur 73 Autos - plus weitere rund 250 Motorräder, Quads und Renn-Lkw - haben sich angemeldet für die 9000-Kilometer-Tour von Paraguay über Bolivien nach Argentinien, wo der Tross am 14. Januar am Ziel in Buenos Aires eintreffen soll. 2008, bei der wegen Terrorgefahr abgesagten letzten Afrika-Ausgabe, und ein Jahr später, bei der Premiere in der neuen Heimat Südamerika, hatte sich noch doppelt so viele auf den beschwerlichen, teils gefährlichen Weg gemacht.

          „In Afrika war die Rallye Dakar eine Herausforderung, ein Abenteuer. In Südamerika ist sie ein Sprintrennen“, sagte Rekordsieger Peterhansel. In manchen Jahren ging die Rallye über 20 Tage und mehr als 6000 Kilometer Wertungsprüfung. 2017 stehen nur rund 4000 Wertungs-Kilometer über zwölf Etappen auf dem Programm. Zu wenig für den finanziellen Aufwand von mindestens 100.000 Euro. Die Schuld für diese Reduzierung liegt nicht allein beim Veranstalter ASO, der unter anderem auch den Radklassiker Tour de France organisiert. Zwar machen sich die Franzosen mit hohen Forderungen nach finanzieller und logistischer Unterstützung nicht nur Freunde in der Region. So haben sich Chile und Peru, die mit ihren riesigen Wüstengebieten der Sahara durchaus Paroli bieten können, als Gastgeber inzwischen verabschiedet. Doch beide Länder kämpfen außerdem im Zeitraum der Rallye regelmäßig mit Überschwemmungen und anderen Wetterkatastrophen. Hilfskräfte wurden woanders dringender gebraucht als am Rande der Strecke.

          Geringer Schwierigkeitsgrad, aber es geht hoch hinaus

          Geblieben ist von der Südamerika-Premiere vor acht Jahren nur Argentinien. Dort gibt es aber wenig Wüsten-Regionen. Bei seiner Suche nach Alternativen musste der Veranstalter Kompromisse eingehen. 2017 wird erstmals in Paraguay gestartet. Dem Land sind die weltweite Werbung und der Umsatz mit der rund 3000 Personen starken Rallye-Karawane das - geheime - Antrittsgeld wert. Der sportliche Wert hält sich in Grenzen. Die Auftaktprüfung ist nur 45 Kilometer lang, das erste Biwak liegt bereits in Argentinien.

          Im Norden des Landes und im benachbarten Bolivien sind die Strecken nicht so anspruchsvoll wie früher in Chile und Peru. Dafür kommt hier eine neue Komponente hinzu - die große Höhe. Sechs Wertungsprüfungen liegen oberhalb von 3000 Metern, an manchen Stellen werden mehr als 4500 Meter erreicht. In der dünnen Luft Höchstleistungen zu vollbringen, bringt auch durchtrainierte Sportler an ihre Grenzen. Der zweifache Sieger Nasser Al-Attiyah aus Qatar stand im vergangenen Januar wegen starker Kopfschmerzen kurz vor der Aufgabe.

          Schon gestartet: Ein paar Autos, wie der Mini des Brasilianers Sylvio Barros, ist in Asunción schon auf die Strecke gegangen.

          Die meisten Profis schliefen in den Wochen vor dem Start in einem druckregulierten Zelt, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Auch die Autos schnappen im Altiplano nach Luft. Vorjahressieger Peugeot und die im hessischen Ort Trebur gebauten Mini sind aufgrund ihrer Turbodiesel-Triebwerke gegenüber den von Saugbenzinern angetriebenen Toyota im Vorteil. Das Team um Al-Attiyah und Giniel de Villiers aus Südafrika mit seinem deutschen Beifahrer Dirk von Zitzewitz gilt deswegen als Außenseiter. Nach Al-Attiyahs Wechsel zu Toyota ist der frühere Rallye-WM-Pilot Mikko Hirvonen aus Finnland die neue Nummer eins bei Mini. Ebenfalls erst kurz in der Mannschaft ist Yazeed Al-Rajhi aus Saudi-Arabien, dem der Deutsche Timo Gottschalk den Weg weist.

          Favorit aber ist Peugeot. Neben Peterhansel steuern zwei ehemalige Rallye-Weltmeister den im Gegensatz zur Allrad-Konkurrenz nur über die Hinterräder angetriebenen 3008DKR. Der Spanier Carlos Sainz und Sébastien Loeb aus Frankreich waren 2016 meist schneller als ihr Teamkollege, verloren durch Unfälle aber alle Siegchancen. Peterhansel weiß, dass Tagessiege keine Erfolgsgarantie sind. „Je härter die Rallye“, sagt der Rekordsieger, „desto besser für mich.“

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