https://www.faz.net/-gu4-9grea

Sophia Flörsch : Die Kämpferin in der Machowelt des Motorsports

  • Aktualisiert am

Sophia Flörsch träumt von einem Cockpit in der Formel 1. Bild: Picture-Alliance

Nach dem Horror-Unfall in der Formel 3 wird die erst 17 Jahre alte Sophia Flörsch in Macau elf Stunden operiert. Wer ist diese junge Frau, die so selbstbewusst ihr großes Ziel verfolgt?

          Elf Stunden lang musste Sophia Flörsch nach ihrem Horror-Unfall an der Wirbelsäule operiert werden, dann konnte ihr Vater erleichtert Entwarnung geben. Der Eingriff in Macau sei laut der behandelnden Ärzte „positiv verlaufen“, sagte Alexander Flörsch bei motorsport-magazin.com: „Sophia wird jetzt auf der Intensivstation überwacht und dort auch die Nacht von Montag auf Dienstag verbringen.“

          Die gute Nachricht: Das Rückenmark der Rennfahrerin sei nicht beschädigt worden. Allerdings ist bei Sophia nach Auskunft ihres Vaters der siebte Halswirbel gebrochen. Bei der Operation hätten die Ärzte „bewusst langsam“ gearbeitet, „um Risiken zu vermeiden“. Nun wird Flörsch nach dem schlimmen Crash beim Weltfinale der Formel 3 weiter darum kämpfen, wieder ganz gesund zu werden.

          Formel 1: Termine, Rennen, Ergebnisse, Startzeiten der Saison 2019

          Kämpfen musste Flörsch schon immer, nachdem sie mit fünf Jahren erstmals in einem Kart gesessen hatte – um den Respekt ihrer männlichen Kollegen und gegen all die Vorurteile in der Machowelt des Motorsports. Das starre Denken in den aus ihrer Sicht veralteten Rollenbildern gefällt der Münchnerin, die von einer Karriere in der Formel 1 träumt, überhaupt nicht. „Frauen laufen Triathlon, Frauen besteigen den Mount Everest, Frauen bringen Kinder auf die Welt – warum sollen wir nicht auf dem gleichen Niveau fahren können wie Männer?“, sagte sie zuletzt in einem Interview mit Spiegel online: „Ich will keine Quotenfrau sein, sondern um Siege kämpfen. Dafür arbeite ich, das ist mein Anspruch.“

          Flörsch, Tochter eines Rennfahrers, hat bis zu diesem verhängnisvollen Sonntag einen auf den ersten Blick unauffälligen Aufstieg durch die Nachwuchsserien hingelegt. Nachdem sie dem Kart entwachsen war, ging es in die Formel 4. In dieser Klasse schaffte es der Fan von Weltmeister Lewis Hamilton und Ski-Star Lindsey Vonn 2017 als erste Frau auf das Podium, in diesem Jahr folgte dann in der Mitte der Saison der Aufstieg in die Formel 3. Weil Flörsch erst einmal das Abitur machen wollte.

          So unauffällig ihre bisherigen Ergebnisse waren, so sehr stach Flörsch aber trotzdem bei ihren Stationen heraus. Weil sie eben allzu oft das einzige Mädchen, die einzige junge Frau war, die mit der männlichen Konkurrenz um die Wette fuhr. Doch für Flörsch war immer klar, dass sie alles werden konnte. Schließlich ist Angela Merkel Bundeskanzlerin, seit sie zum ersten Mal im Kart saß. „Frauen können alles schaffen“, sagt sie.

          Flörsch will ein Vorbild sein, das sie selbst nie hatte. „Man bekommt immer wieder gespiegelt, dass der eigene Traum falsch ist. Man bekommt Blicke und Fragezeichen, die man als Junge nicht im Ansatz kennt“, schrieb sie in einem Beitrag für das Karrierenetzwerk Xing einmal. Sie habe sich lange Zeit nicht richtig wohl gefühlt. Erst wenn ich „meinen Rennanzug anziehe und meine langen blonden Haare im Helm verschwinden lasse, ich in meinem Cockpit zu einer Rennmaschine werde“ und die Grenzen zwischen männlich und weiblich verschwimmen, „erst dann bin ich in meinem Element“. Auf der Rennstrecke „zählt kein Vorurteil, da zählt nur Leistung“.

          Am 1. Dezember wird Flörsch 18 Jahre alt. Sie will in die Formel 1, sieht sich aber auch als ganz normalen Teenager. „Ich schminke mich und gehe auch gerne shoppen“, sagt sie – und träumt davon, nach Bora Bora zu reisen und einen Bungee Jump zu machen. Nun aber steht erstmal die Genesung nach dem schlimmen Unfall an. Dafür wird Sophia Flörsch alle Kraft benötigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.