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Pilot André Lotterer : Neues Kapitel im E-Porsche

  • -Aktualisiert am

André Lotterer hat in der Formel E noch eine kleine Chance auf den WM-Titel. Bild: EPA

André Lotterer hat am finalen Wochenende der Formel E noch eine kleine Chance auf den Weltmeister-Titel. Viel klarer aber ist seine persönliche Zukunft: Den Piloten zieht es zurück nach Zuffenhausen.

          Noch kann André Lotterer an diesem Wochenende in New York Weltmeister in der Formel E werden. Platz vier belegt er in der Gesamtwertung. Doch mit 44 Punkten Rückstand auf seinen Teamkollegen Jean-Eric Vergne ist dies eher eine theoretische Möglichkeit. Viel wahrscheinlicher wird sein, dass der Franzose aus dem DS-Techeetah-Team sich seinen Titel in der noch jungen Elektro-Serie sichern wird. Sein schärfster Konkurrent ist Audi-Pilot Lucas di Grassi. Der Brasilianer, vor zwei Jahren Titelträger, liegt bereits 32 Punkte zurück.

          In anderer Hinsicht hat Lotterer für Klarheit gesorgt. „Ich will unbedingt zu Porsche“, sagt der gebürtige Duisburger. Auch bei Audi hat man sich um eine Rückkehr bemüht. Allerdings hatte er seit 2017 einen Vertrag mit dem Zuffenhausener Sportwagenhersteller, der nach dem Rückzug von Porsche aus der Langstrecken-WM geruht hatte. Mit dem Einstieg in die Formel E wurde dieser angepasst. Bei der Entscheidung seines künftigen Arbeitgebers spielten für den 37-Jährigen neben dem technischen Potential der erfahrenen Rennsportabteilung auch die Möglichkeiten einer längerfristigen Zusammenarbeit über das Ende seiner Rennkarriere hinaus eine entscheidende Rolle.

          Noch aber ist Lotterer, der 2014 für ein Rennen in der Formel 1 gestartet ist, Rennfahrer. Dass der dreimalige Sieger des 24-Stunden-Rennens von Le Mans nach wie vor zu den schnellsten Piloten gehört, hat er in dieser Saison mehrmals bewiesen. Zwei zweite Plätze in Rom und Paris hat er in dieser Saison stehen, auf seinen ersten Erfolg in der Formel E wartet er aber noch. Beim Auftritt in Hongkong hatte er den Sieg als Spitzenreiter schon vor Augen. Doch dann schlitzte ihm wenige Meter vor der Ziellinie Konkurrent Sam Bird beim Überholversuch den Hinterreifen auf. Platz zwölf und null Punkte statt großer Trophäe. „Sagen wir es mal so: Der fehlende Sieg hält meine Motivation hoch“, sagt Lotterer.

          Im Laufe der Saison ist das chinesische Techeetah-Team auch dank der Werksunterstützung des französischen PSA-Konzerns immer stärker geworden, trotzdem sind auch Fehler unterlaufen. Wie beim Heimauftritt in Berlin. Da war Lotterer im Qualifying zu spät auf die Piste geschickt worden. Vom letzten Startplatz aus startete er jedoch eine fulminante Aufholjagd, die ihn bis auf Platz elf und damit in die Nähe der Punkteränge brachte. Doch die Batterien halten permanentem Vollgasfahren nicht stand, sie werden heiß. Zum eigenen Schutz schalten sie sich bei 72 Grad ab. Wieder null Punkte. Dies war auch das Ergebnis in Bern, obwohl er im Rennen Vierter geworden war. Doch im Durcheinander nach dem Startunfall wurde Lotterer von seinem Team trotz roter Ampel auf die Piste geschickt. Eine Zeitstrafe war die logische Folge, zwölf Punkte futsch.

          Aus, vorbei, vergessen. In New York möchte sich Lotterer noch einmal gut präsentieren. „Ich werde alles geben, um zu gewinnen und die Saison auf einem Höhepunkt zu beenden“, sagt er. Und um danach möglichst mit seinem Teamkollegen Jean-Eric Vergne dessen Titel ausgiebig feiern zu können. Denn die beiden Rennfahrer sind in den beiden gemeinsamen Jahren Freunde geworden. Schließlich waren sie nicht nur an den Rennwochenenden zusammen, sondern auch in der mehrtägigen Vorbereitung jedes Rennens im Simulator. Doch dazu bedurfte es auch eines Reifeprozesses. „Ich habe immer gedacht, meinen Teamkollegen zerstören zu müssen und Spielchen zu spielen“, sagt Vergne, „André schien ein netter Kerl zu sein, also habe ich beschlossen, ihn im Team willkommen zu heißen, so dass er sich wohl fühlt.“ Auch Lotterer hat immer mit sehr viel Respekt von der Zusammenarbeit mit Vergne gesprochen. Insofern hat es nicht verwundert, als der Franzose noch vor wenigen Tagen sagte: „Natürlich hätte ich André sehr gern weiterhin im Team.“ Schließlich hat der Erfolg dem Duo recht gegeben.

          Aus der gemeinsamen Zukunft wird nun nichts. Umso größer ist die Vorfreude bei Neel Jani, seinem künftigen Teamkollegen. „Für mich kann das nur gut sein, wenn ich einen Teamkollegen bekomme, der bereits Erfahrung mit dem Gen2-Auto der Formel E hat“, sagt der Schweizer, der schon erste Testfahrten im Porsche-Elektrorenner absolviert hat. Bei der Entwicklung wird er künftig von Lotterer und dessen vielen Formel-E-Kenntnissen und kleinen Geheimnissen unterstützt werden. Dessen Ziel ist klar: Nach seinem WM-Titel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft 2012 möchte er noch den in der Formel E gewinnen.

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