https://www.faz.net/-gu4-7yp0v

Nick Heidfeld im Gespräch : „Mein Rennwagen klingt beinahe wie ein Kampfjet“

  • Aktualisiert am

Sieht in dem Rennsport mit Elektroantrieb die Zukunft: Formel-E Fahrer Nick Heidfeld Bild: Picture-Alliance

Surren statt Gebrüll, Formel E statt Formel 1: Nick Heidfeld fährt jetzt im Elektroauto um die Wette. Im FAZ.NET-Interview spricht er über die neue Rennserie und verrät, wie man an der Playstation zum Rennfahrer werden kann.

          4 Min.

          Herr Heidfeld, brauchen Sie eigentlich eine Bedienungsanleitung, wenn Sie sich in einen neuen Rennwagen setzen?

          Ja, die bekommt man als Fahrer immer. Ohne geht es nicht, denn die Lenkräder und Cockpits wurden in den vergangenen Jahren immer komplexer und komplizierter. Wenn dir dein Renningenieur über Funk sagt, dass ein Sensor ein Problem anzeigt, dann musst du wissen, was du wie verstellen kannst. Aber ich brauche schon ein paar Tage und einige Runden, bis ich mich auskenne, bis ich das Auto zu meinem Auto gemacht habe.

          Seit dieser Saison fahren Sie in der Formel E, außerdem sind Sie im Langstreckensport unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans aktiv, davor waren Sie elf Jahre Teil der Formel 1. Was ist so faszinierend am Motorsport?

          Es geht darum, das Fahrzeug am Limit zu kontrollieren – genau das ist in jeder Serie die Herausforderung. Das musst du schaffen, auch wenn du dich Rad an Rad mit deinen Gegnern misst. Der Nervenkitzel ist unglaublich, ihn will ich immer wieder erleben. Und dann geht es um die Weiterentwicklung des Autos, es geht darum, gemeinsam mit einem Team nach Lösungen zu suchen, die dich schneller werden lassen. Eines ist klar: Je mehr Geld vorhanden ist, desto einfacher ist das.

          Das Gebrüll der Motoren und der Geruch von Benzin spielen also keine Rolle?

          Beides war für mich lange ausgesprochen wichtig. Wenn ich mich an meine Kart-Zeit als kleiner Junge erinnere, dann rieche ich beinahe noch den Zweitakter. Wenn ich an die Zeit in der Formel 1 denke, dann höre ich noch immer diese Motoren, die bis zu 20.000 Umdrehungen geleistet haben, die so laut kreischten, dass sie Gänsehaut verursacht haben. Dieser Sound ist wichtig für die Formel 1, er gehört zur DNA dieser Serie. Es ist schade, dass die Boliden nicht mehr so klingen wie früher. Ein Tourenwagen ist heute lauter.

          Aber die Formel E ist noch leiser.

          Ja, aber der Sound ist cool, er gefällt mir. Mein Rennwagen klingt beinahe wie ein Kampfjet, ein leiser Kampfjet. Es ist eine Art Surren, und das verändert sich im Klang, je nachdem, wie schnell man ist. Das macht schon ein bisschen Krach, ist aber nicht so laut, dass man seine Kinder nicht mit an die Strecke bringen sollte. Wenn ich im Auto sitze, vermisse ich überhaupt keinen Sound.

          Wie fährt sich so ein elektrischer Rennwagen?

          So ein Rennwagen wiegt knapp 900 Kilogramm, im Qualifying haben wir 300 PS, im Rennen etwa 180 PS. Die Beschleunigung, die Fliehkräfte in den Kurven, die Bremswirkung – nichts davon ist mit der Formel 1 zu vergleichen.

          Wie lange brauchen Sie von 0 auf Tempo 100?

          Das weiß ich, ehrlich gesagt, gar nicht.

          Fühlt es sich denn schnell an?

          Es fühlt sich relativ schnell an. Wenn du weißt, welche Kräfte in der Formel 1 wirken, wie du da in den Sitz gedrückt wirst, dann haut dich das zumindest nicht um. Auf der anderen Seite haben wir mit dem Elektromotor sofort ein hohes Drehmoment zur Verfügung. Du trittst auf das Gas, und die Leistung ist sofort da. Aber wir stehen in der Formel E erst am Anfang, die Technologie wird sich weiterentwickeln.

          Kommen Sie überhaupt an Ihre Grenzen?

          Das hier ist kein Kinderspiel. Wir fahren auf Stadtkursen auf der ganzen Welt, jeder davon ist eng und damit schwierig. Außerdem haben wir ein sehr starkes Fahrerfeld, hier sind ganz bestimmt keine Pfeifen unterwegs. Im Schnitt sind wir Fahrer sicher nicht schlechter als die Formel 1. Natürlich stehen dort viele Topleute unter Vertrag, aber manch einer darf auch nur deshalb mitfahren, weil er genug Geld mitbringt. So etwas gibt es bei uns nicht. In der Formel E sind die Leute da, weil sie gut Auto fahren können. Wir sind in Einheits-Rennwagen unterwegs, umso wichtiger ist es, dass du ein gutes Team hast.

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

          Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

          Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.
          Der einstige Wohnsitz des Verdächtigen in Südportugal.

          Mordfall „Maddie“ : Belastende Details gegen Beschuldigten

          Immer mehr Einzelheiten werden über den Deutschen bekannt, der nach Ansicht der Ermittler vor rund 13 Jahren die kleine Madeleine McCann getötet haben könnte. Das Strafregister des Deutschen soll rund 17 Einträge aufweisen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.