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Motorsport in Südamerika : Die Rallye Dakar schrumpft immer weiter

  • -Aktualisiert am

Spektakuläre Bilder liefert die Rallye Dakar immer – egal ob in Afrika oder Südamerika. Bild: Reuters

Die Rallye Dakar findet erstmals nur in einem Land statt. Das ist ein Negativrekord. Kann das gut gehen? Für die Zukunft wird nun eine Idee diskutiert, die dem Motorsport-Spektakel seinen alten Mythos zurückgibt.

          Die Rallye Dakar stand in ihrer 40-jährigen Geschichte schon mehrmals vor dem Aus. Aber sie überlebte sogar den durch Terrorgefahr in den Sahara-Staaten ausgelösten Umzug im Jahr 2009 von Afrika nach Südamerika. Entgegen anfänglicher Zweifel hat sich die nach Selbsteinschätzung „härteste Rallye der Welt“ auf der anderen Seite des Atlantiks, rund 7000 Kilometer von der namensgebenden Hauptstadt des Senegals entfernt, behauptet. Bis jetzt.

          Eigentlich wollte der französische Veranstalter ASO, der unter anderem auch das Radrennen Tour de France organisiert, die Rallye auf den ganzen südamerikanischen Kontinent ausweiten. Doch die 2019er Ausgabe, die an diesem Sonntag in der peruanischen Hauptstadt Lima beginnt, ist das genaue Gegenteil. Sie findet nur in einem einzigen Land statt, ein Negativrekord.

          Offenbar hat es ASO mit den finanziellen Forderungen übertrieben. Den bisherigen Gastgebern Argentinien, Chile, Bolivien und Paraguay waren die geforderten Antrittsgelder zu hoch. Die tatsächlichen Summen sind geheim, von mehreren Millionen Dollar ist die Rede. Viel Geld für Länder, deren Bevölkerung mit Naturkatastrophen und Armut zu kämpfen hat. Nur Peru spielt weiter mit. Von einstmals bis zu 10.000 Kilometern ist die Gesamtstrecke auf rund die Hälfte geschrumpft. Immerhin noch knapp 3000 Kilometer beträgt die Gesamtlänge der zehn Wertungsprüfungen, auf denen die sportliche Entscheidung fällt. „Die Strecke ist sicher weniger abwechslungsreich als in den vergangenen Jahren. Aber es wird sicher keine leichte Dakar“, sagt Dirk von Zitzewitz, deutscher Beifahrer des südafrikanischen Toyota-Piloten Giniel de Villiers und einer der Favoriten.

          Denn in Peru wird fast ausschließlich auf einem Untergrund gefahren, der in den Nachbarstaaten häufig Mangelware war – Sand. Die riesigen Dünen der Sahara haben den Mythos der Rallye Dakar begründet. Doch in Südamerika ging es zuletzt hauptsächlich durch das Buschland der Pampa oder über die Geröllpisten des Altiplano. Dort stellte die Höhe von mehr als 4000 Metern die größte Herausforderung dar, was mit Motorsport wenig zu tun hatte und für heftige Kritik seitens der von rasenden Kopfschmerzen geplagten Teilnehmer sorgte.

          Diese Gefahr besteht auf der aktuellen Route nicht, die sich nie weit von der Pazifikküste entfernt. Auch die Aussicht auf ausgiebige Dünenetappen hat die zuletzt sinkende Teilnehmerzahl gestoppt. 130 Autos, 138 Motorräder und 41 Renn-Lkw machen sich von Lima aus auf den Weg zum Ruhetag in Arequipa und zurück zum Ziel in der peruanischen Hauptstadt (17. Januar). Die Etappenorte sind auf Hin- und Rückweg weitgehend identisch. „Die Servicelogistik ist viel einfacher und dadurch billiger“, sieht der neunmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb auch Vorteile der neuen Streckenführung. Nach dem Rückzug des zuletzt dreimal siegreichen Peugeot-Werksteams vorübergehend ohne Cockpit jagt der Franzose jetzt als Privatfahrer seinen ersten Dakar-Sieg.

          Auch andere Zugeständnisse kommen den kleinen Teams entgegen. So müssen früh ausgefallene Teilnehmer nicht mehr sofort die Heimreise antreten, sondern können erstmals nach der Halbzeitpause in getrennter Wertung neu starten. Ein Volltreffer war die 2018 eingeführte Kategorie der sogenannten Side-by-Side-Fahrzeuge. Die Anzahl der rund 175 PS starken zweisitzigen Quads ist auf 30 gewachsen. Gegen die mehr als doppelt so starken werksunterstützten Mini aus dem deutschen Team X-Raid mit dem 13-maligen Sieger Stéphane Peterhansel und Titelverteidiger Carlos Sainz an der Spitze sowie den in Südafrika entwickelten Toyota haben sie zwar keine Siegchance. Dafür kostet ihr Einsatz auch nur einen Bruchteil.

          Veranstalter ASO will die Rückmeldungen der Teilnehmer abwarten, bevor er über eine Zukunft der Rallye Dakar in Südamerika entscheidet. Sogar eine Rückkehr nach Afrika wird diskutiert. Angelehnt an die früher von der Rallye Dakar genutzte Route, findet seit 2009, dem Jahr des Umzugs nach Südamerika, das „Africa Eco Race“ von Monte Carlo nach Dakar statt. Organisator ist der frühere Formel-1-Pilot und zweimalige Dakar-Sieger Jean-Louis Schlesser. Probleme mit Terroristen hatte er bisher keine.

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