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Motorradstar Valentino Rossi : Wie in besten Zeiten

Gruß vom Meister: Valentino Rossi fährt wie in besten Zeiten Bild: Reuters

Trotz teilweise widriger Streckenverhältnisse steht Valentino Rossi kurz vor seinem zehnten WM-Titel. Geht es nach dem Italiener, ist seine Geschichte danach lange nicht zu Ende.

          Seine Maschine rutschte auf dem feuchten Asphalt, die Gegner drängelten von rechts und links, Valentino Rossi aber behielt die Ruhe und blieb auf seiner Linie. „Das Rennen war sehr schwierig heute. Vor allem mental war es am Ende eine Herausforderung“, sagte der 36 Jahre alte Italiener am Sonntag nach seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Japan in Motegi. Er lächelte. Rossi wusste genau, dass dies ein womöglich entscheidender Schritt auf dem Weg zu seinem zehnten Weltmeister-Titel war.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jorge Lorenzo, sein Yamaha-Teamkollege und schärfster Rivale, wurde beim Sieg von Daniel Pedrosa (Honda) lediglich Dritter. Drei Rennen vor dem Saisonende hat Rossi seinen Vorsprung in der Gesamtwertung der MotoGP-Kategorie auf Lorenzo dadurch auf achtzehn Punkte ausgebaut. „Das ist eine gute Situation“, sagte Rossi. „Aber man darf nur von Rennen zu Rennen denken.“

          Es war Rossi-Wetter

          Als die Zuschauer in Japan den Regen sahen, die schwierigen Streckenverhältnisse, da wussten sie, dass es Rossi-Wetter war. Der Mann liebt die Herausforderung, kein anderer hat so viel Gefühl für das rund 265 PS starke Motorrad unter seinem Hintern. Dann aber war es Lorenzo, der zunächst das Tempo bestimmte und bis auf drei Sekunden davonfuhr. Rossi wurde sogar von Pedrosa überholt, konnte dem Spanier aber folgen. „Wir waren schneller als alle anderen Fahrer. Dann hat sich das Rennen gedreht, denn der Asphalt trocknete. Mir wurde klar, dass es ein sehr langes Rennen werden wird“, sagte Rossi. Schließlich griff Pedrosa an und überholte Lorenzo, Rossi zog wenig später ebenfalls vorbei. Lorenzo gab sich danach trotzig und sagte: „Jetzt gibt es nur noch ein Ziel. Ich will die letzten drei Rennen alle gewinnen.“

          Vier der bisherigen fünfzehn Rennen hat Rossi gewonnen, ebenso beeindruckend aber ist seine Konstanz: Jedes Mal erreichte er das Ziel. Lorenzo stand zwar sechs Mal ganz oben auf dem Podium, stürzte allerdings in Misano und hatte vor allem zu Saisonbeginn mit großen Problemen zu kämpfen. Das Duell der beiden Teamkollegen wird die kommenden Wochen prägen. Pedrosa spielt im Titelkampf keine Rolle mehr, Weltmeister Marc Marquez kämpft in diesem Jahr mehr mit sich selbst und seiner Honda-Maschine und liegt als Dritter aussichtslos zurück in der Gesamtwertung. Der WM-Kampf ist zu einem Zweikampf geworden: Rossi gegen Lorenzo, zwei der größten Rivalen des Motorradsports.

          In ihren ersten Jahren als Teamkollegen ließ Rossi eine Trennwand durch die Yamaha-Box ziehen. Er wollte Lorenzo nicht sehen. „Das war ein Fehler“, sagte Rossi inzwischen. Mittlerweile redet er wieder mit Lorenzo, spricht dem Spanier sogar seinen Respekt aus. Beide wussten, dass sie 2013, bei der Rückkehr von Rossi zu Yamaha, zu einer Schicksalsgemeinschaft wurden, zu einem Zweckbündnis, das sich gegen die Übermacht von Honda und Marquez wehren musste. Den technischen Rückstand haben sie verringert, den Lohn für diesen Aufwand aber wird nur einer der beiden in Empfang nehmen können.

          Sechs Jahre sind vergangen, seit Rossi seinen bisher letzten Titel in der MotoGP gewonnen hat. 2011 wechselte er zu Ducati, wollte die italienische Marke an die Weltspitze führen - und scheiterte. Viele sahen damit auch die Ära Rossi als beendet an. Doch der Meister auf zwei Rädern belehrt seine Kritiker abermals eines Besseren. „Wenn ich in diesem Jahr wirklich Weltmeister werde, dann wäre das der wichtigste Erfolg in meiner Laufbahn“, sagte Rossi. Und obendrein wäre es eine ganz wunderbare Geschichte.

          Und sie wäre noch nicht zu Ende. „Ich möchte weitermachen, bis ich vierzig Jahre alt bin“, sagte er kürzlich. Also bis zur Saison 2019. Sein Vertrag bei Yamaha allerdings endet schon nach der kommenden Saison. Die Verantwortlichen des japanischen Motorradherstellers haben zuletzt mehrmals signalisiert, dass sie den Kontrakt gern verlängern würden. Rossi aber zögert noch. Er weiß, dass er alle Trümpfe in der Hand hält, dass sein Marktwert von Rennen zu Rennen größer wird.

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