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Motorradpilot Stefan Bradl : Abgehängt und überrundet

Der Boden der Tatsachen: Bradl nach dem Crash in Indianapolis Bild: dpa

Stefan Bradl hat Marc Marquez die größte Niederlage seiner Karriere zugesetzt. Vor drei Jahren war das. Inzwischen verschiebt der Spanier die Grenzen des Motorradsports. Und Bradl kann dem Druck nicht standhalten.

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          Selbst seine Gegner verneigen sich vor ihm, obwohl Marc Márquez sie regelmäßig aussehen lässt wie blutige Anfänger. Dabei sind es die Besten der Besten, deshalb gehen sie in der MotoGP-Kategorie an den Start, in der Königsklasse des Motorradrennsports. Seit Saisonbeginn allerdings steht immer nur der Spanier ganz oben auf dem Podium: Zehn Rennen in Serie hat er gewonnen, an diesem Sonntag soll in Brünn der elfte Streich folgen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Márquez verschiebt die Grenzen seines Sports und wird schon jetzt verglichen mit den Größten der Szene wie den Italienern Valentino Rossi, Giacomo Agostini oder dem Australier Mick Doohan. Dabei ist Márquez erst 21 Jahre alt. Sein Trick? Der Mann ist süchtig, süchtig nach Erfolg. Und er ist gnadenlos. Zu sich selbst - und zu seinen Gegnern auf der Strecke.

          Der Boden der Tatsachen: Bradl nach dem Crash in Indianapolis

          Nicht einmal drei Jahre sind vergangenen, seit Márquez die größte Niederlage seiner Karriere erlebt hat. Zugefügt hat sie ihm ein Deutscher: Stefan Bradl, hierzulande das größte Zweiradtalent seit Jahrzehnten. 2011 setzte er sich sogar gegen den Spanier durch und wurde Weltmeister in der Moto2-Kategorie, im Jahr danach ist er aufgestiegen in die MotoGP-Klasse.

          Viele Hoffnungen waren damals mit dem Mann aus Zahling in Bayern verknüpft, er sollte seinen Sport in Deutschland wieder populärer machen. Aber das geht nur über Siege und Podiumsplätze. Diesem Druck hat Bradl nicht standhalten können. Mehr als ein zweiter Platz in 44 Rennen ist ihm nicht gelungen. Bradl wurde abgehängt und von Márquez längst überrundet.

          Freilich: Der Spanier rast mit einer Werksmaschine von Honda über die Kurse dieser Welt, Bradl sitzt lediglich bei einem Kundenteam der Japaner im Sattel. Rennfahrer sind abhängiger als jeder andere Sportler von ihrem Material, aber auch das kann nicht erklären, warum Bradl sein Talent zuletzt nicht ausgeschöpft hat. Die Quittung jedenfalls hat der Vierundzwanzigjährige bekommen: Nach drei Jahren ist Schluss beim LCR-Honda-Rennstall, Bradl musste einen Vertrag beim Forward-Yamaha-Team unterschreiben. So bleibt er immerhin im Spiel, aber der Wechsel kommt einer Rückversetzung gleich. Forward ist nach dem Yamaha-Werksteam und dem Yamaha Tech 3-Team nur die Nummer drei des Herstellers aus der Präfektur Shizuoka.

          Zuletzt in Indianapolis ist Bradl ausgeschieden - nachdem er mit einem Fahrer seiner zukünftigen Marke kollidiert war. Die Schuldfrage? Ungeklärt. Über eines aber kann dies nicht hinwegtäuschen: Bradl fährt längst um seine Zukunft im Zirkus der Zweiradartisten.

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