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Motorrad-WM : Der Mann vom anderen Stern

  • Aktualisiert am

Schwärmer nennen den jungen Spanier eine Naturgewalt Bild: dpa

Fünftes Rennen, fünfte Pole-Position nach vier Siegen: Weltmeister Marc Marquéz ist durch seine Erfolge zum Gesicht des Motorradsports aufgestiegen - und das mit gerade mal 21 Jahren.

          Eine Ameise? Marc Márquez hat sie sich auf seinen Helm zeichnen lassen und zum Symbol seiner offiziellen Fan-Kollektion gemacht. „Ich bin der Meinung, dass sie gut zu mir passt“, sagt der Spanier, 1,68 Meter groß, 58 Kilogramm schwer. „Die Ameise ist im Vergleich zu ihrer Körpergröße eines der stärksten Tiere der Welt.“ Und Márquez ist derzeit der Dominator in der MotoGP-Weltmeisterschaft: vier Rennen, vier Pole-Positions, vier Siege. Auch am Samstag verblüffte er die versammelte Weltelite und sicherte sich mit sieben Zehntelsekunden Vorsprung Startplatz eins in Le Mans.

          „Ich bin sehr zufrieden mit dem Beginn dieser Saison“, sagt er. Mit gerade einmal 21 Jahren steigt er auf zum Gesicht des Motorradsports, Fernsehsender überall auf der Welt wollen ihn interviewen, Sponsoren mit ihm werben, schon jetzt wird sein Jahreseinkommen auf rund zehn Millionen Euro pro Jahr geschätzt. „Ich bin noch so jung“, sagt Márquez. „Ich denke nicht an das Geld, ich schaue nur auf das Potential meines Motorrads und das Potential meines Teams.“ In dieser Woche hat er seinen Vertrag bei Honda deshalb vorzeitig um zwei Jahre bis 2016 verlängert.

          Er jagt Valentino Rossis Rekorde

          100 Rennen ist Márquez bisher in allen drei WM-Kategorien gefahren, in jeder davon hat er den Titel gewonnen, insgesamt stand er 36 Mal ganz oben auf dem Podium. Auch beim Großen Preis von Frankreich am Sonntag in Le Mans (Start: 14 Uhr) gilt er als großer Favorit. Sollte Márquez noch einmal gewinnen, hätte er einen weiteren Rekord von Superstar Valentino Rossi (Yamaha) eingestellt.

          Dem Italiener waren 2008 zum bisher letzten Mal in der Geschichte der Königsklasse des Motorradsports fünf Erfolge in Serie gelungen. „Wenn ich Marc einen Rat geben darf, dann sage ich: Vier Siege sind genug“, sagte Rossi am Donnerstag. Schulter an Schulter saßen beide dort bei der offiziellen Pressekonferenz - der Mann, der die Szene mehr als ein Jahrzehnt geprägt hat, und der Bursche, der genau dies noch vorhat.

          Kaum einer kennt Márquez so gut wie sein Teamchef Santi Hernandez. Seit mehr als drei Jahren arbeiten die beiden zusammen, und trotzdem sagt der Spanier dem Magazin „Red Bulletin“: „Ein Fahrer wie Marc überrascht einen immer wieder. Gerade wenn wir glauben, dass er nun das Maximum aus dem Motorrad herausholt, findet er die zwei extra Zehntel, um an jemandem vorbeizuziehen, wenn du es am wenigsten erwartest.“

          Wunderkind, Alien, Außerirdischer

          Ohne Helm und Lederkombi ist Márquez ein freundlicher junger Mann, doch auf der Rennstrecke ist kaum ein anderer so gnadenlos unterwegs wie er. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen. In der Vorbereitung auf diese Saison war bei einem Sturz sein Wadenbein gebrochen, Márquez musste auf zwei Tests verzichten, bei denen er seine 250-PS-Maschine hätte weiterentwickeln und abstimmen können - und dennoch hat derzeit niemand eine Chance gegen ihn. Manche nennen ihn „ein Wunderkind“, andere sagen „Alien“ zu ihm, der „Außeriridische“, oder sehen in Márquez einen „Mann vom anderen Stern“.

          In Spanien ist Marquez neben Formel-1-Star Fernando Alonso und dem Tennisspieler Rafael Nadal längst eine ganz große Nummer. „Nach meinem Titel ist dort alles explodiert“, sagt er. „Die Leute erkennen dich nun auf der Straße, du fühlst dich geschätzt, und diese Zuneigung macht mich noch selbstbewusster.“ Im März dieses Jahres wurde Márquez in Kuala Lumpur mit dem Laureus-Award für den „Durchbruch des Jahres“ ausgezeichnet. Schon jetzt ist er dort, wo er immer sein wollte.

          Ein Brief an die Königin?

          Mit drei Jahren bekam er von seinen Eltern zu Weihnachten das erste Mini-Motorrad geschenkt - eines, das von einer Batterie angetrieben und mit Stützrädern aufrecht gehalten wurde. Doch schon kurz danach soll Márquez seinem Vater gesagt haben: „Papa, bitte schreib den Königen, dass wir ein richtiges Motorrad brauchen. Eines, das mit Benzin fährt, und mit dem man Sprünge machen kann.“ Erst fuhr er Motocross, mit acht Jahren saß er bei einem Rennen erstmals auf einer Maschine mit 50 Kubikzentimetern. „Der Rest ist Geschichte“, sagt sein Vater Julian Márquez, der einst als Baggerfahrer sein Geld verdient hat. Inzwischen fährt auch sein zweiter Sohn in der WM mit - der 18 Jahre alte Alex Márquez ist derzeit Fünfter in der Gesamtwertung der Moto3-Klasse. Zusammen sind sie das schnellste Brüderpaar auf zwei Rädern.

          Im Licht der Scheinwerfer aber steht weiter der Ältere der beiden. „Ich weiß, dass irgendwann ein Rennen kommen wird, bei dem wieder ein anderer schneller und stärker sein wird als ich“, sagt Marc Márquez. „Dann muss ich clever sein und erkennen, dass der zweite Platz auch ein guter Platz ist.“ In diesem Jahr kam so etwas bisher allerdings noch nicht vor in seiner Welt.

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