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Motorrad-WM : Der alte Rossi ist zurück

Valentino Rossi machte aus einer Sportart am Rande des öffentlichen Interesses ein Spektakel Bild: dpa

Kein andere Motorradpilot hat mehr Fanclubs, niemand ist in jedem Teil der Erde so populär. Nun jagt die Nummer 46 wieder: Rekordweltmeister Valentino Rossi fährt bei Yamaha um den WM-Titel.

          Die Zweifel an ihm wurden immer größer. Auf einmal war seine Leichtigkeit verschwunden. Die Scherze von Valentino Rossi wurden immer seltener. Er lächelte nicht mehr so oft. Die anderen begannen über ihn zu spotten. Im vergangenen Jahr fuhr Rossi auf seiner Ducati zumeist nur noch im Mittelfeld der MotoGP-Klasse, aus dem Star der Szene wurde einer wie viele andere. 34 Jahre ist der Italiener inzwischen alt, neunmal wurde er Weltmeister, er machte aus einer Sportart am Rande des öffentlichen Interesses ein Spektakel - und schien auf einmal überholt.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zumindest auf der Strecke. Zu alt, zu langsam, das riefen ihm seine Kritiker hinterher. Doch einem wie Rossi genügten 118 Kilometer und ein zweiter Platz beim ersten Rennen des Jahres in Qatar, um wieder ein Kandidat für den Titel zu sein. Seine Rückkehr zu Yamaha scheint ihn nochmals beschleunigt zu haben: „Meine Leidenschaft für das Motorradfahren macht den Unterschied“, sagt er vor dem Grand Prix in Austin an diesem Wochenende, bei dem er von Platz acht ins Rennen geht. „Ich bin damit aufgewachsen, es ist mein Leben. Auch nach achtzehn Jahren hat meine Leidenschaft nicht nachgelassen.“

          Rossi ist ein Genie auf zwei Rädern. In seinem Heimatdorf Tavullia soll er sich schon als kleiner Junge mit seinem Mofa wilde Verfolgungsjagden mit den Carabinieri geliefert und gewonnen haben. Heute gehört ihm dort eine Pizzeria, vor einiger Zeit ließ er sich eine Sandbahn für Motorradrennen bauen. „Ich weiß, dass ich fotografiert und verfolgt werde, wenn ich in Rom oder Mailand bin.

          Doch in meiner kleinen Stadt habe ich meine Ruhe“, hat er vor kurzem gegenüber dem Magazin „Motor Cycle News“ erzählt. Doch er will diese Ruhe noch nicht dauerhaft genießen, er will weiter fahren, vielleicht sogar, bis er vierzig Jahre alt ist. „Leider bin ich sehr alt, das stimmt“, sagt Rossi. „Aber ich fühle mich sehr gut. Ich glaube, dass die mentale und körperliche Verfassung sehr wichtig sind. In diesen Punkten bin ich sehr gut in Form.“ Das will er noch einmal allen beweisen.

          „Es ist nicht notwendig, beste Freunde zu sein“

          Mit Spannung schaut die Branche vor allem auf das Duell mit seinem Teamkollegen bei Yamaha: Valentino Rossi gegen Jorge Lorenzo. Schon von 2008 bis 2010 waren die beiden für die Japaner unterwegs, doch als Rossi dann von seinem jungen Herausforderer besiegt wurde und sehen musste, wie der Spanier den WM-Titel gewann, ergriff er die Flucht und wechselte zu Ducati.

          Das Verhältnis der beiden war so zerrüttet, dass Rossi in der Garage Trennwände aufbauen ließ, damit er seinen Gegner nicht sehen musste und dieser nicht spionieren konnte. „Es ist nicht notwendig, beste Freunde zu sein, um gemeinsam in einem Team auszukommen“, hat Lorenzo schon vor der Saison gesagt.

          Viel Spaß in Doha: Beim Rennen vor zwei Wochen reichte es zum zweiten Platz

          Noch verbindet beide das gleiche Ziel, sie wollen Weltmeister werden - und deshalb müssen sie zusammenarbeiten. „Ich denke, sie sind seit dem letzten Mal erwachsener geworden“, sagt Yamaha-Teamdirektor Massimo Meragalli. Bisher tauschen Rossi und Lorenzo deshalb die Daten ihrer Yamaha M1 aus, sie wollen die Maschine gemeinsam entwickeln und dem starken Honda-Duo mit Daniel Pedrosa und Marc Marquez Paroli bieten.

          Noch Anfang des vergangenen Jahres wollte Rossi nicht ausschließen, dass er sich vom Rennsport zurückzieht. Er hatte den Spaß an der Raserei verloren. Rossi konnte die störrische Ducati nicht beschleunigen, dabei sollte er auf ihr zum Titel rasen. „Wenn ich in die Vergangenheit blicke, dann kann ich sagen, dass die Herausforderung bei Ducati die einzige war, die ich bisher verloren habe“, sagt er. „Aber ich wurde zu Valentino Rossi, weil ich mich schwierigen Herausforderungen immer gestellt habe.“

          „Er ist schnell und zieht viele Menschen zu den Rennen“

          Noch nie ist er mit der Startnummer „1“ in eine Saison gegangen, dabei wäre dies standesgemäß gewesen für einen Weltmeister. Rossi aber machte die knallgelbe „46“ zu seinem Markenzeichen. Kein andere Motorradpilot hat mehr Fanclubs, niemand ist in jedem Teil der Erde so populär. Dort, wo Rossi auftritt, stehen noch immer die meisten Fotografen, werden ihm noch immer die meisten Mikrofone entgegengestreckt. Auf einen wie ihn kann der Zweiradzirkus noch immer nicht verzichten. „Er ist schnell und zieht viele Menschen zu den Rennen“, sagt Yamaha-Teamdirektor Meragalli. „Dass Valentino wieder bei Yamaha ist, ist gut für ihn, für Yamaha und für die ganze Meisterschaft.“

          Rossi will seinen zehnten Titel gewinnen. Im Qualifying, auf einer schnellen Runde, kann er mit den Schnellsten noch nicht mithalten, wie der Samstag in Austin, der auf Startplatz acht endete, bewies. Aber im Rennen zeigt sich seine Cleverness. Lorenzo jedenfalls hat schon eine Ahnung davon, was auf ihn zukommen könnte: „Es wird schwierig werden, ihn zu schlagen“, sagt er. „Valentino wird versuchen, mir in den Arsch zu treten.“

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