https://www.faz.net/-gu4-7863p

Motorrad-Weltmeisterschaft : Die drei Musketiere

1001 Traum vom Siegerpodest: Stefan Bradl möchte in der MotoGP-Klasse in die Weltspitze Bild: AP

Sandro Cortese, Stefan Bradl und Jonas Folger gehen zuversichtlich in die Motorrad-Weltmeisterschaft. Besser als die Deutschen sind derzeit nur die Spanier auf zwei Rädern unterwegs.

          3 Min.

          Sie wissen genau, dass es nur gemeinsam geht. „Neid darf bei uns keine Rolle spielen“, sagt Sandro Cortese. „Wir sind nur sehr wenige Deutsche, die in der Weltelite mitfahren, und nur zusammen können wir wieder mehr Aufmerksamkeit erzielen.“ Für den Motorradsport in der Republik. Lange wurden die Rennen hierzulande nur im Spartenkanal übertragen, viele Sponsoren haben sich zurückgezogen, noch immer bewegen sich die Zweiradartisten an der Grenze der Wahrnehmung. „Wir müssen anerkennen, dass andere Athleten mehr im Vordergrund stehen als wir“, sagt Cortese. „Aber jeder Erfolg hilft uns auf unserem Weg.“ Einer für alle - alle für einen?

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In den zurückliegenden Jahren waren die jungen Deutschen erfolgreicher als die meisten anderen Nationen: Cortese wurde im vergangenen Jahr Weltmeister, Stefan Bradl gewann 2011 den Titel, in Jonas Folger steht ein weiteres Talent vor dem Sprung - lediglich die Spanier beschleunigten zuletzt mit drei Erfolgen in den drei Motorradsport-Kategorien noch mehr. An diesem Wochenende geht das Duell der beiden Länder beim Saisonauftakt in Qatar in die nächste Runde.

          Zum Erfolg verdammt: Jonas Folger will auf ein passendes Motorrad umsteigen
          Zum Erfolg verdammt: Jonas Folger will auf ein passendes Motorrad umsteigen : Bild: dpa

          Aus dem Nichts an die Weltspitze - es ist ein wundersamer Aufstieg, den die Deutschen hinter sich haben. Der Name Dirk Raudies war viele Jahre gleichbedeutend mit einer Erinnerung und einer Mahnung zugleich. 1993 fuhr der Mann aus Biberach in der Klasse bis 125 Kubikzentimeter allen auf und davon, und jedes deutsche Talent musste sich danach an Raudies messen lassen. Die meisten sind daran gescheitert. Keine Titel, kaum Hoffnung auf bessere Zeiten - so war es Saison für Saison, bis Cortese und Bradl in die Spur gefunden haben. „Auch bei uns gibt es genügend richtig gute Jungs“, sagt Cortese. „Man muss sie nur finden und fördern.“ Doch Schräglagenkünstler haben es schwer im Schumacher- und-Vettel-Land. „In Spanien ist der Motorradsport eine ganz andere Nummer“, sagt Cortese. „Dort kommt diese Sportart direkt hinter dem Fußball.“

          Die spanischen Piloten sind Stars in ihrer Heimat, viele von ihnen Multi-Millionäre: Jorge Lorenzo, Weltmeister von 2012 und 2010 in der MotoGP-Kategorie, soll bei Yamaha mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen. Eine Summe, von der Bradl nur träumen kann. Den Respekt vor den großen Namen allerdings hat der Dreiundzwanzigjährige schon in der vergangenen Saison abgelegt, nun will er mehr erreichen in der Königsklasse des Motorradsports. „Wenn die anderen Jungs einen Fehler machen, müssen wir auf der Lauer sein“, sagt Bradl. „Wenn mal ein Podest herausspringt, ist der Traum in Erfüllung gegangen. Dann ist absolut das Saisonziel erfüllt.“ Doch die großen Vier der Branche haben sich im Winter neu sortiert: Superstar Valentino Rossi ist zu Yamaha zurückgekehrt und fährt dort wieder an der Seite von Lorenzo. Marc Marquez, Weltmeister in der Moto2-Kategorie, ersetzt Casey Stoner beim Honda-Werksteam und fährt dort künftig gemeinsam mit seinem Landsmann Dani Pedrosa. „Es ist sicher nicht leichter geworden für mich“, sagt Bradl. Experten und Gegner aber hat er schon in seiner Premierensaison von seinen Fähigkeiten überzeugt, am Ende wurde Bradl zum „Rookie of the year“ gewählt. Auf einmal ist er mehr als nur der Sohn von Helmut Bradl, dem WM-Zweiten von 1991 in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter.

          Der Aufstieg soll weiter gehen: Der Aufenthalt in der Moto2-Klasse soll für Sandro Cortese von begrenzter Dauer sein
          Der Aufstieg soll weiter gehen: Der Aufenthalt in der Moto2-Klasse soll für Sandro Cortese von begrenzter Dauer sein : Bild: dpa

          Der hiesige Motorrad-Markt gilt noch immer als einer der wichtigsten weltweit. Einmal im Jahr lockt der deutsche Grand Prix am Sachsenring rund 100000 Zuschauer an die Strecke, auch im restlichen Teil der Republik hat der Sport wieder ein Gesicht bekommen. Erstmals überhaupt gehen in diesem Jahr deutsche Piloten mit Erfolgsaussichten in allen drei Klassen an den Start. Cortese stieg auf in die Moto2-Kategorie, langjährige Sponsoren des Dreiundzwanzigjährigen schlossen sich zusammen und gründeten einen neuen Rennstall: das Intact-GP-Team. Mindestens zwei Jahre wollen Team und Fahrer zusammenarbeiten, doch für Cortese steht längst fest, wo er einmal fahren will: in der MotoGP. Auch Folger möchte diese Saison nutzen, um sich, möglichst mit Siegen, für höhere Aufgaben zu empfehlen. Mit 1,80 Meter ist der Neunzehnjährige eigentlich zu groß für die Moto3-Klasse, deshalb muss Folger weiter auf sich aufmerksam machen, um danach ebenfalls die Maschine wechseln zu können.

          Der eine wird den anderen beobachten und unterstützen, wo er kann. Cortese, Bradl und Folger - sie sind etwas wie die drei Musketiere des deutschen Motorradsports. Das allein wäre eine gute Geschichte. Doch die jungen Wilden wollen Pokale.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau telefoniert in einer Telefonzentrale für die Arzthotline 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

          Keine Impftermine möglich : Nette, aber hilflose Impfhotlines

          Die Impfstoffbeschaffung ist Bundessache, das Verabreichen aber die der Länder. In keinem von ihnen lässt sich ein Termin für eine Impfung vereinbaren. Die Länder halten den Bund für schuldig – und Pfizer.
          Das erste Interview nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden: Ministerpräsident Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

          Interview mit Armin Laschet : „Auch mit Friedrich Merz“

          Ein Gespräch mit dem neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet über die Einbindung des unterlegenen Konkurrenten, die Kanzlerkandidatur, den Kampf gegen Corona, sein Verhältnis zu Russland, die Seidenstraße – und über Twitter.
          2:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach: der nächste schwere Schlag für die Dortmunder.

          2:4 bei Mönchengladbach : Dortmund nun endgültig in der Krise

          Mönchengladbach zieht nach dem Sieg im wilden Borussen-Duell in der Tabelle an den Dortmundern vorbei. Der BVB kann seine Probleme in der Abwehr nicht abstellen und bangt nun um die Qualifikation zur Champions League.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.