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Motorrad-Rennsport : Altmeister Rossi bekommt einfach nicht genug

Auf ein Neues: Valentino Rossi bleibt der MotoGP noch erhalten. Bild: EPA

Kritiker prophezeiten ihm immer wieder das Ende als Motorradrennfahrer – doch Valentino Rossi ist noch immer dabei, seit 1996 schon. Nun verlängert er mit 39 Jahren nochmal sein Vertrag. Was treibt ihn an?

          Sicher, die Falten in seinem Gesicht sind ein bisschen tiefer geworden, seine Knochen brachen und wuchsen wieder zusammen, Kritiker prophezeiten ihm immer wieder das Ende als Motorradrennfahrer – doch Valentino Rossi ist noch immer dabei. 1996 hat er sein erstes Rennen in der Motorrad-Weltmeisterschaft gewonnen. Bill Clinton war damals amerikanischer Präsident, Helmut Kohl Bundeskanzler, Karol Wojtyla Papst und Jürgen Klinsmann spielte noch beim FC Bayern München. Die Welt hat sich verändert, Valentino Rossi aber zieht noch immer Kreise mit seinem Motorrad. „Du darfst nie wütend werden, wenn sie dir sagen, du bist zu alt“, hat er einmal erzählt. Vor ein paar Wochen ist der Italiener 39 Jahre alt geworden. An diesem Sonntag (Start 17.00 Uhr) geht er in Qatar in seine 23. WM-Saison. Eine weitere wird folgen. Am Donnerstagnachmittag gab Rossi bekannt, dass er einen neuen Zweijahresvertrag bei Yamaha unterschrieben hat. Dass er seine Karriere dann wirklich Ende 2019 beenden wird, sagte er nicht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Favoriten auf den Titel in diesem Jahr sind andere: Weltmeister Marc Márquez (Honda), Andrea Dovizioso (Ducati), vielleicht Jorge Lorenzo (Ducati) – und doch dreht sich der MotoGP-Zirkus noch immer um Rossi. Er ist nach wie vor einer der Besten im Feld, das hat er immer wieder bewiesen. „Als ich meinen letzten Vertrag im März 2016 unterschrieben habe, war mir unklar, ob es mein letzter in der MotoGP als Fahrer sein würde. In den vergangenen zwei Jahren kam ich aber zu dem Schluss, dass ich weiterhin Rennen fahren will, denn dabei fühle ich mich nach wie vor gut“, hieß es nun in einer Pressemitteilung von Yamaha. Rossi bekommt einfach nicht genug.

          Aber warum? Was treibt ihn an? Geld kann es kaum sein. Rossi zählt zu den vermögendsten Sportlern überhaupt. Mehr als eine halbe Milliarde Euro soll er während seiner Karriere an Gehältern und Sponsorengeldern eingenommen haben. Auch die Marketing-Maschine mit seinem „VR46“-Imperium läuft auf Hochtouren. Ist es also doch das Ego, das selbst nach 365 Grands Prix, 115 Siegen und insgesamt 227 Plazierungen auf dem Podium noch immer nicht gestillt ist? Einen Teil der Antwort darauf hat Rossi in seiner Autobiographie gegeben, dort heißt es: „Überleg mal, was wäre, wenn ich niemals Motorradrennen gefahren wäre. Überleg einfach, wie es wäre, wenn ich es nie versucht hätte.“ Der Motorradsport wäre ein anderer, der weltweite Hype nicht im entferntesten so groß. Rossi ist längst eine eigene Marke, eine, die zumindest für seine Anhänger größer ist als der Sport selbst.

          13,3 Millionen Menschen folgen ihm allein auf Facebook, 5,5 Millionen sind es bei Twitter, 4,8 Millionen bei Instagram – auf allen drei Plattformen hat er damit zusammen rund mehr als drei Millionen Fans mehr als die MotoGP-Serie. Rossi ist noch immer der Motor der Zweiradbewegung, auch bei der Eroberung neuer Märkte. In diesem Jahr macht die Weltmeisterschaft erstmals in Thailand Station. Die deutschen Fahrer spielen bei alledem nur eine Nebenrolle oder werden – auch das scheint möglich – zu Statisten: Jonas Folger, einer der Fahrer im Satellitenteam von Yamaha, muss auf diese MotoGP-Saison wegen einer Erkrankung am Gilbert-Syndrom verzichten. Die Transport- und Stoffwechselstörung verursacht wiederkehrende Schwächeanfälle. Marcel Schrötter geht in der Moto2-Kategorie an den Start, Philipp Öttl in der Moto3-Klasse. Eurosport überträgt die Rennen, allerdings sind alle Rennen nur über das Bezugsangebot des Senders zu sehen.

          Bleibt Rossi. Seinen Fans macht er damit ganz gewiss ein Geschenk, ebenso der Dorna, dem Vermarkter der MotoGP. Für einen aber ist es ein herber Schlag: Marc Márquez, gerade einmal 25 Jahre alt und doch schon mit sechs Weltmeister-Titeln in allen Klassen dekoriert. Die MotoGP ist sein neues Reich – aber was bedeutet das schon, wenn der alte Meister die Bühne nicht verlassen mag?

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