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DTM : Mit Aston Martin in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Der Vorsitzende der Internationalen Tourenwagen Rennen e.V. (ITR), Gerhard Berger aus Österreich, am Hockenheimring. Bild: dpa

Die britische Luxusmarke ersetzt Mercedes schon 2019 in der DTM. Das bedeutet für die Rennserie zunächst einen großen Vorteil. Und verbunden damit ist auch eine Hoffnung.

          Sportlich ist noch alles offen im Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) vor den beiden finalen Rennen an diesem Wochenende in Hockenheim. Die beiden Mercedes-Piloten Paul di Resta und Gary Paffett haben die besten Chancen, ihrem Arbeitgeber mit dem Fahrertitel einen perfekten Abschied aus der Rennserie zu bescheren. Lediglich René Rast kann seinen Titel verteidigen. Allerdings muss der Audi-Angestellte dann ein perfektes Wochenende hinlegen, denn er hat 30 Punkte Rückstand auf di Resta und 26 auf Paffett. Maximal 56 Punkte kann ein Fahrer holen.

          Geklärt ist schon vor dem Finale die Zukunft der Serie. „Wir können die Lücke schließen, die durch den Ausstieg von Mercedes zum Ende der Saison entstanden ist“, sagte DTM-Chef Gerhard Berger am Freitag bei einer Pressekonferenz im Motodrom. Und dies sogar besser als erwartet. Denn Aston Martin wird nicht erst im Jahr 2020 antreten, sondern bereits zum Saisonstart im kommenden Jahr. „Ich bin glücklich, dass wir diese Luxusmarke begrüßen dürfen“, sagte Berger. Hinter dem Aston-Martin-Engagement in der Tourenwagenserie steckt ein kompliziertes Konstrukt. Die nötige Lizenz von Aston Martin hält die AF Racing AG aus dem Schweizer Ort Niederwil bei St. Gallen. Offiziell in Erscheinung treten wird das R-Motorsport-Team. Die Fahrzeuge wiederum werden von HWA in Affalterbach vorbereitet. Diese Firma hat seit Jahrzehnten die Einsätze von Mercedes-Benz bestritten.

          „Mercedes hat uns in der ersten Phase sehr geholfen“, sagt Florian Kamelger. Er und sein Partner Andreas Baenziger sind die Eigentümer von AF Racing und führen das Team R-Motorsport. Aber eben nur am Anfang. Im Juli hatte AF Racing und die HWA AG ein Joint-Venture abgeschlossen, das den Einsatz in der DTM zum Inhalt hatte. Parallel zu HWA, das einen Anschlussauftrag für das auslaufende DTM-Geschäft suchte, war auch Gerhard Berger auf der Suche nach einem dritten Hersteller neben Audi und BMW. „Nachdem Mercedes seinen Ausstieg bekanntgegeben hatte, stellten sich Fragen: Wer kommt in die Serie? Wer ist Premium?“, sagt der DTM-Chef. Bei einem seiner Besuche bei einem Formel-1-Rennen sei ihm dann die Idee mit Aston Martin gekommen, die Partner des Red-Bull-Teams sind. „Ich habe Teamchef Christian Horner angesprochen, der hat mich an Kamelger und Baenziger verwiesen.“ Aktiv beteiligt war auch Helmut Marko. Der Red-Bull-Motorsportberater hat zum ersten Treffen zwischen Berger und den AF-Racing-Inhabern zu sich nach Graz eingeladen.

          Entscheidend für den positiven Fortgang der Verhandlungen waren zwei Prozesse, die der DTM-Promoter ITR schon seit Jahren betreibt: Kostenreduzierung und Internationalisierung. Schon Bergers Vorgänger Hans-Werner Aufrecht hatte eine Kooperation mit der Super-GT-Serie in Japan angestrebt. Die ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass auch die DTM-Renner im kommenden Jahr von Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotoren angetrieben werden, wie sie in Japan auch im Einsatz sind. „Wichtig war, dass wir nicht nur über diesen einen Markt reden, sondern mit denselben Autos auch nach Japan gehen können“, sagt Kamelger.

          Einen großen Vorteil hat für Berger der Einstieg von Aston Martin. Die DTM, die in den vergangenen Monaten mehr negative als positive Schlagzeilen geliefert hat, zeigt wieder Leben. Durch den Einstieg der britischen Luxusmarke, so hofft der DTM-Chef, werden andere Hersteller animiert. Denn die Lücke, die Mercedes mit seinen sechs Fahrzeugen hinterlässt, ist nicht komplett geschlossen. Mittelfristig will R-Motorsport vier Fahrzeuge einsetzen. Beim Saisonstart 2019 werden es höchstwahrscheinlich nur zwei Autos sein. Als Fahrer sind neben den beiden Aston-Martin-Werkspiloten auch die zwei Mercedes-Fahrer Paul di Resta und Lucas Auer im Gespräch.

          „Für die Mannschaft ist dies ein tolles Signal“, sagt HWA-Chef Fritz, „alle Mitarbeiter haben es verdient, dass sie in dieser Serie bleiben können.“ Doch seine Firma bringt nicht nur das Know-how der Belegschaft in die Partnerschaft mit ein, sondern auch noch den Motor. Dabei handelt es sich um eine eigenständige Konstruktion, die bereits auf dem Prüfstand läuft.

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