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Berühmte Namen im Sport : Schicksal Sohn

Gleicher Namenszug: Das Auto von Mick Schumacher Bild: Getty

Sie tragen eine Last schon am Beginn ihrer Karriere: Die Namen Beckenbauer, Beckham, Hill, Rosberg, Villeneuve waren für die Söhne im Sport ihrer Väter immer dabei. Nun begann der Wettkampf mit der Vergangenheit für Mick Schumacher.

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          M. Schumacher und daneben eine Flagge in den deutschen Farben – so steht es auf dem Chassis seines Rennwagens: Mick Schumacher. Eine Kombination, die die Phantasie beflügelt, die Hoffnungen und Erwartungen weckt. Und die Druck erzeugt. Seit Wochen schon erhält Sabine Kehm, die Managerin und Freundin der Familie, Interviewanfragen. Unter anderem aus Chile, aus Brasilien, den Vereinigten Staaten, Italien, Frankreich und Großbritannien. Jedes Mal wieder erteilt sie eine Absage. „Es gibt noch zu viele andere Dinge zu lernen“, erzählt sie. „Wir wollen uns erst mal nur auf den Sport konzentrieren.“ Doch der Name elektrisiert die Menschen. Der Junge mit den hellblonden Haaren ist kein normaler Sechzehnjähriger. Er ist der Sohn des Formel-1-Rekordweltmeisters Michael Schumacher.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Beinahe zweihundert Journalisten wurden an diesem Wochenende beim Saisonauftakt der ADAC Formel 4 in Oschersleben erwartet, die Veranstalter rechneten zudem mit mehr als 15.000 Zuschauern an den beiden Renntagen. Es ist der Schumi-Effekt – vor 24 Jahren hat er hierzulande einen Formel-1-Boom ausgelöst. „Medial ist der Mick für uns natürlich ein Glücksfall“, sagt ADAC-Sprecher Kay-Oliver Langendorff.

          Platz neun im ersten Rennen - bester „Rookie“

          Im ersten Rennen am Samstag fuhr der 16-Jährige auf Rang neun, nachdem er nur von Position 19 gestartet war. Schumacher war damit bester „Rookie“ im Klassement. „Ich bin natürlich glücklich darüber, dass ich aufholen konnte“, sagte er. „Nach dem Qualifying gestern und meiner Startposition bin ich damit echt zufrieden.“

          Ende der Normalität: Mick Betsch ist nun Mick Schumacher

          Der Sieg im ersten von drei Rennen des Wochenendes (die anderen beiden am Sonntag) ging an Marvin Dienst vor Ralf Aron aus Estland und dem Italiener Mattia Drudi. Insgesamt 42 Fahrer aus 13 Nationen treten gegeneinander an – aber über niemanden wurde in den vergangenen Wochen mehr berichtet. Sogar die „Bunte“ veröffentlichte einen Artikel über Mick Schumacher, darin schrieb Chefredakteurin Patricia Riekel Sätze wie diese: „Wird er wie sein Vater siegen? Und nach den Rennen in Interviews vor TV-Kameras etwas über ihn verraten? Ihn womöglich grüßen? Ich kann das Interesse nachvollziehen.“

          Die Normalität ist vorbei

          Mick Schumacher scheint sich nicht wohl zu fühlen in seiner Haut. Wohin soll er schauen, wenn er mit seinen Mechanikern diskutiert und dabei Dutzende Objektive auf ihn gerichtet sind, wenn jeder seiner Schritte und jeder seiner Blicke beobachtet und analysiert wird? Jahrelang tauchte er deshalb auf den Startlisten als Mick Betsch auf. Es war der Geburtsname seiner Mutter Corinna, der ihm so etwas wie Normalität schenken sollte. Diese Normalität ist vorbei.

          Ein Unfall hat das Leben der Familie Schumacher verändert. Am 29. Dezember 2013 stürzte Michael Schumacher beim Skifahren in Méribel in den französischen Alpen. Eineinhalb Stunden später wurde er mit dem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik von Grenoble eingeliefert, mehr als einhundert Tage lag er wegen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas im Koma. Im Juni 2014 wurde er nach Lausanne verlegt, seit September führt er seine Rehabilitation zu Hause am Genfer See fort. Einzelheiten zu seinem Gesundheitszustand gibt es seither nicht mehr, und doch bangen auch Menschen um den Sechsundvierzigjährigen, die sich nie für ihn als Rennfahrer interessiert haben. Genesungswünsche werden durch das Internet geschickt, selbst der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton twitterte über Schumacher, und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher mitteilen, wie „bestürzt“ sie sei. Mick Schumacher war beim Sturz dabei. Seine Geschichte lässt sich ohne die seines Vaters nicht erzählen.

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