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„Ich bin überwältigt“ : Champion Schumacher

Das Glück des Rennfahrers: Mick Schumacher holt den Titel in der Formel 2 (Bild von 2019). Bild: dpa

Beim Finale bietet die Sprungbrettliga ein Drama wie inszeniert: Der 21 Jahre alte deutsche Rennfahrer Mick Schumacher sichert sich den Titel in der Formel 2. Anschließend ringt er um Worte.

          3 Min.

          Da kniete er neben seinem Rennwagen im Ziel. Die rechte Hand suchte nach Halt am Chassis. Die Linke führte Mick Schumacher durch den Visierschlitz seines Helms, um zu bedecken, was unter dem Kopfschutz nicht zu sehen war – die Augen und der Gefühlsausbruch im Moment des Triumphs nach einer harten Saison und einem harten, spannenden, nervenaufreibenden letzten Rennen der Formel 2 in diesem Jahr. „Ich bin überwältigt, es wird ein paar Tage dauern“, sagte der 21-Jährige Minuten später, „bis ich realisiert habe“, was im „Parc fermé“ signalisiert wurde mit dem Parkplatzschild: „Champion 2020“.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Weg dorthin hat Schumacher alles abverlangt. Auch am Sonntag schoss er im Sprintlauf nach vorne, fiel zurück, kam wieder vor, schien im großen Rennen um den Titel plötzlich alles zu verlieren und kam, obwohl 18., doch zu seinen Ehren. 34 Runden bot die Sprungbrettliga ein Drama wie inszeniert. Fast das gesamte Rennen über sauste die Mehrzahl der Piloten Auto an Auto über die Piste von Bahrein. Dem Sieger Daruvala saß ständig ein Gegner im Nacken. Am Anfang auch Schumacher nach dessen Blitzstart von Position drei. Gerne hätte er sein Tour in die Formel 1 zum Rennstall Haas mit einem großen Finale veredelt. Aber ein Verbremser in der Anfangsphase nahm ihm die Chance.

          Die Reifen litten dabei so sehr, dass er als Dritter fast die Hälfte des Rennens (17 Runden) lang den Druck seines offensiven Rivalen um den Titel, Callum Illot, zu spüren bekam. Der tauchte immer wieder formatfüllend in den zitternden Rückspiegeln auf. So ein Pneuschaden schüttelt und rüttelt das Auto, das einem Piloten das Sehen vergeht. Schumacher verteidigte sich so hart wie fair. Rauch stieg auf, als er mit den abgewetzten Pneus auf der sandigen Piste spät auf die Bremse trat, um den Briten hinter sich halten zu können. Das war die Folge des Fehlers in der ersten Runde: „Die Reifen blieben immer wieder stehen.“

          Würde er sein Auto in diesem heiklen Zweikampf auf Biegen und Brechen verlieren und damit den ersehnten Titel? An seinem Aufstieg in die Formel 1 zum Team Haas hätte das nichts geändert. „Da spürte ich keinen Druck mehr. Aber ich hatte eine Erwartung an mich. Ich wollte das Rennen gewinnen. Das Auto war schnell genug. Insofern bin ich schon enttäuscht.“ Aber Mick Schumacher blieb gelassen genug, das atemraubende Überholmanöver Illots unbeschadet zu überstehen: Millimeter trennten die Reifen der Rennwagen, wenn sie sich nicht sogar berührten. Der Rückfall führte zu einer Änderung der Strategie.

          15 Runden vor dem Ende bog der Sohn des Rekordweltmeisters von der Piste ab zum Reifenwechsel. Das ist eigentlich nicht nötig in diesem Sprintwettbewerb. Es war ein Risiko. „Ich hatte schon etwas Sorge.“ 45 Sekunden Rückstand auf den Führenden, Letzter, Illot auf Rang drei. Was, wenn die ersten beiden im Duell um den Sieg Forum und Fassung ihrer Boliden verlieren und der Brite als lachender Dritter Sieg und Meisterschaft entführt? Aber Illot ereilte ein ähnliches Problem wie Schumacher.

          Die Attacken rächten sich, die Reifenhaftung ließ rapide nach. Er wurde durchgereicht, fiel aus den Punkterennen heraus: Zehnter. Da schadete Rang 18 von Schumacher allenfalls dem Ego. „Ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung heute. Aber das werde ich schnell vergessen. Am Ende zählt das, was wir über die Saison geschaffen haben. Die Bindung zum Team (Prema/d. Red.), das gegenseitige Vertrauen war so wichtig. Nach Rückschlägen weiter hart zu arbeiten, wieder zurückzukommen.“

          Das Hauptrennen am Samstag zeigte exemplarisch, wie es Schumacher nach einem schwierigen Saisonstart schaffte, mit zwölf Ergebnissen unter den ersten dreien, davon zwei Siege, alle einzuholen und davonzufahren. Wegen eines Unfalls im Startplatzrennen hatte er nur Rang 18 belegt, Illot Platz neun. Der Meisterschaftskandidat kam als Fünfter ins Ziel, Schumacher als Sechster. Weil ihm die schnellste Runde (zwei Punkte Bonus) gelang, blieb der Vorsprung von 14 Punkten unangetastet: Nervenstark von einer schlechteren Startposition nach vorne zu fahren ist die große Stärke von Schumacher jr. Am Samstag überraschte er sich selbst: „Ich hatte nicht erwartet, so weit vor zu kommen.“

          In der Formel 1 sind solche Ritte durch das Feld nicht zu erwarten. Jedenfalls nicht in Schumachers neuem Dienstwagen Haas. Der zählt zu den langsamsten Autos im Feld. Zudem ist die Leistungsdichte geringer. „Er wird Gelegenheiten haben, sich auszuzeichnen“, sagte Ferraris Teamchef Mattia Binotto. Schumacher gehört der Fahrerakademie der Scuderia an: „Mick hat sich stark entwickelt“, fügte der Italiener hinzu und forderte ihn auf, so fortzufahren: „Schließlich ist das Ziel, dass er irgendwann Ferrari fährt.“

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