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MotoGP-Pilot Jorge Lorenzo : Der schnelle Schweiger

„Ich setze mir neue Ziele, die ich verwirklich will“: Jorge Lorenzo. Bild: AFP

Jorge Lorenzo soll Ducati zum Erfolg in der MotoGP führen. Sein Wechsel soll sich aber auch für ihn selbst auszahlen – vor allem dann, wenn er endlich aus dem Schatten des ewigen Rivalen tritt.

          Der Mann gilt als großer Schweiger, er erzählt zumeist nicht mehr, als er muss. In diesem Fall aber reichten ihm wenige Worte. „Ich hatte das Gefühl, ich brauche eine neue Herausforderung. Ich setze mir neue Ziele, die ich verwirklich will. Auf diese Weise möchte ich mein Niveau auf dem Maximum halten“, sagte Jorge Lorenzo vor dem Europaauftakt der Motorrad-Weltmeisterschaft in Jerez an diesem Sonntag, bei dem er von Platz zwei hinter Valentino Rossi startet. Dritter in der Qualifikation wurde der zweimalige Saisonsieger Marc Marquez aus Spanien. Stefan Bradl aus Zahling musste sich mit Startplatz 18 zufrieden geben.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lorenzo, Champion in der MotoGP-Klasse, kehrt Yamaha am Saisonende den Rücken und wechselt zu Ducati, wo er einen Zweijahresvertrag unterzeichnet hat. In dieser Zeit soll der Spanier dort rund zwanzig Millionen Euro verdienen. Aber das Geld war nicht der entscheidende Faktor für diesen Wechsel. Es war das Ego von Lorenzo, der endlich heraustreten will aus dem großen Schatten seines Teamkollegen Rossi.

          Seit neun Jahren steht Lorenzo bei Yamaha unter Vertrag, drei WM-Titel hat er gewonnen, den Nummer-eins-Status aber besaß er nie. Gegen die Popularität des italienischen Superstars hatte er keine Chance. Rossi wurde vom Team hofiert und wird von den Fans verehrt, wo immer der Zweiradzirkus gerade Station macht. Bei „Twitter“ kommt er auf 4,32 Millionen Follower, Lorenzo steht bei 1,36 Millionen.

          Schon als Rossi 2008 eine Trennwand durch die Yamaha-Box hat ziehen lassen, war das Verhältnis zwischen beiden vergiftet. Schon vor sechs Jahren sagte der Italiener: „Ihr müsst euch entscheiden – Lorenzo oder ich.“ Kurz danach wechselte Rossi zu Ducati, kehrte aber schnell wieder zurück. Als Yamaha vor dieser Saison bekanntgab, dass Rossi seinen Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert hat, stand für Lorenzo wohl endgültig fest, dass er wechseln muss, um einen Schritt voranzukommen. Die Marke Ducati soll ihm nun einen Schub verleihen.

          Spanier unter sich: Marc Marquez (rechts) und Jorge Lorenzo

          Vier Jahre sind vergangen, seit Audi den italienischen Motorradhersteller für rund 860 Millionen Euro übernommen hat. Die Erfolge auf der Rennstrecke haben sich seither noch nicht eingestellt. Nicht ein einziger Sieg gelang dem Team in diesem Zeitraum, den bis dato letzten WM-Titel gewann Casey Stoner im Jahr 2007. „Wir sind hier, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Lorenzo ist die richtige Person, um zu zeigen, ob wir das schaffen oder nicht“, sagt Luigi Dall’Ignas, Rennsportchef von Ducati, gegenüber dem britischen Fernsehsender „Sky“. Nicht einmal Rossi konnte Ducati auf die Sprünge helfen, die italienische Traumehe aus den Jahren 2011 und 2012 endete in einem Desaster. Es wäre die Ironie dieser Geschichte, wenn es nun ausgerechnet Lorenzo besser macht.

          Die Voraussetzungen sind so gut wie selten in der Vergangenheit. Die Ducati Desmosedici galt einmal als wilde Bestie, als kaum zu zähmendes Ungeheuer, weil die Piloten die ungemeine Kraft des Motors nicht in jeder Situation sensibel genug abrufen konnten. Stürze waren oftmals die Folge. Die Ducati-Ingenieure aber haben an diesem Problem gearbeitet: Die Leistung des Motors ist nach wie vor enorm, soll aber inzwischen viel besser zu kontrollieren sein. Lorenzo kann dies Wochenende für Wochenende beobachten, wenn Andrea Dovizioso oder Andrea Iannone auf einer der langen Geraden mit ihren feuerroten Maschinen an ihm vorbeiziehen. Nur in den Kurven ist das Verhalten der Ducati noch nicht richtig berechenbar.

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          Auch deshalb kommt nun Lorenzo. Seine Entscheidung könnte die gesamte Zweiradbranche beflügeln. Aus dem Markenzweikampf zwischen Yamaha und Honda soll er einen Dreikampf machen. Denn auch in diesem Jahr haben weder Dovizioso noch Iannone eine realistische Titelchance. Die Angelegenheit machen abermals Marc Márquez (66 Punkte), Lorenzo (45) und Rossi (43) unter sich aus. „Letztes Jahr begann in Jerez unsere Siegesserie. Hoffentlich können wir den Erfolg wiederholen“, sagt Lorenzo.

          Lorenzo ist 28, er hat noch einige Jahre, die er auf höchstem Niveau fahren kann. Für die Zeit danach aber könnte sein Wechsel zu Ducati ebenso ein Gewinn sein. Der Spanier gilt als Autonarr, fuhr bereits beim 12-Stunden-Rennen von Dubai, wurde zudem für das „Race of Champions“ im vergangenen Jahr eingeladen, ehe er doch noch absagen musste. Beendet er irgendwann seine Zweiradkarriere, wäre seine Motorsportlaufbahn noch nicht zwangsläufig beendet. Audi oder Lamborghini sind in verschiedenen Sportwagenserien aktiv. Und von einem dieser beiden Hersteller wird nun auch das kommende Dienstfahrzeug von Lorenzo kommen. „Privat fahre ich viel lieber Auto als Motorrad“, sagt er.

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