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DTM : Ein Geschenk für BMW

  • -Aktualisiert am

Nicht immer läuft es so rund: Rene Rast vom Audi Sport Team Rosberg führt das Feld an. Bild: dpa

Marco Wittmann gewinnt in Brands Hatch – dank Audi. Im Rennstall gibt es größere Differenzen.

          Da stand sie nun, die Fernsehreporterin Andrea Kaiser, zwischen René Rast und Nico Müller. Souverän führen die beiden Audi-Piloten die DTM-Tabelle an. Eigentlich müsste alles gut sein. Doch Kaiser wagte sich zu fragen: „Ist es besser, wenn ich zwischen euch stehe?“ Von ihren Nachbarn erntete sie ein gequältes Lächeln. „Wir sind Profis, wir können das zur Seite schieben“, sagte Rast trotzig.

          Vor dem DTM-Gastspiel in Brands Hatch hatte Timo Scheider, ehemaliger Audi-Werksfahrer und als TV-Experte noch nah dran an seinen früheren Kollegen, ein wenig aus dem Innenleben berichtet. „Vor allem bei Audi ist ordentlich Feuer unter dem Dach, dort gibt es sehr, sehr große Spannungen unter den Fahrern“, schrieb der zweimalige Meister zuerst ganz allgemein in einer Kolumne. Dann wurde er konkret: „Zwischen Tabellenführer René Rast und dem Gesamtzweiten Nico Müller hat es nicht nur auf der Strecke geknallt. Da können die beiden in die Kamera grinsen, wie sie wollen.“

          Mehrere Zusammenstöße

          Begonnen hatte es am Norisring, als sich die Autos der beiden Konkurrenten berührten und Rast sich drehte. In einer ersten Stellungnahme hatte sich der 27-jährige Müller dafür entschuldigt, dass er Rast nicht genügend Platz gelassen habe. Nachdem er sich den Crash im Fernsehen angeschaut hatte, korrigierte er seine Sichtweise. „Wir haben uns beide getäuscht“, sagte der Schweizer. Und Rast erklärte: „Beim Meeting nach dem Rennen haben wir genau analysiert, was falsch gelaufen ist.“

          Beim Rennen in Assen haben sie sich wieder auf der Strecke getroffen. Müller hatte nach seinem späten Reifenwechsel die Pneus noch nicht richtig auf Temperatur gebracht, als Rast von hinten nahte. Doch kampflos wollte der Schweizer den Meister des Jahres 2017 nicht vorbeilassen. Worauf Rast mit seiner rechten Hand eine eindeutige Bewegung machte. Per Onboard-Aufnahme war dies deutlich sichtbar. „Ich habe hallo gesagt“, versuchte er später zu erklären, „Nico hatte kalte Reifen, ich hatte zu dem Zeitpunkt bessere Reifen und habe gehofft, dass ich schneller vorbeikomme. Ich habe aber hinter ihm zu viel Zeit verloren. Deshalb habe ich gewunken.“

          Rast und Müller haben auch das zweite Rennen in Brands Hatch bestimmt. Dafür hat die Audi-Strategieabteilung gesorgt. Beide durften ihre Markenkollegen, die besser gestartet waren, ohne Gegenwehr überholen. Rast führte vor Müller. Der Schweizer zeigte immer wieder, dass er der Schnellere ist. Doch er traute sich nicht anzugreifen. Er benutzte weder seinen Klappflügel, mit dem er auf der Geraden etwa zehn Kilometer pro Stunde schneller fahren könnte, noch den Knopf für die kurzzeitige Zusatzleistung. „Ein Überholversuch wäre Harakiri gewesen“, versuchte er seine Zurückhaltung zu erklären.

          Wenn zwei sich streiten? Kann Marco Wittmann von diesem internen Duell profitieren? Nur bedingt. Zwar siegte er am Samstag, aber am Sonntag erhielten die Meisterschaftsambitionen des BMW-Piloten einen Dämpfer. Nur von Platz zwölf gestartet versuchte seine Crew mit einer Zweistoppstrategie einen Vorteil zu erzielen. Ohne Erfolg. Wesentlich hilfreicher ist da Konkurrent Audi. In Assen war der souverän in Führung gelegene Müller zu dessen Verwunderung gegen die Absprachen sechs Runden vor Rennende an die Box zum Reifenwechsel geholt worden. In der Folge wurde er von Wittmann überholt, der den Vorteil warmer Reifen nutzen konnte. Beim betroffenen Team Abt hieß es nur: „Kein Kommentar.“ Pilot Müller sagte: „Ich habe mich gewundert, aber darauf vertraut, dass meine Jungs wissen, was sie tun.“ Was er nicht wusste, war, dass Motorsportchef Dieter Gass die Order zum früheren Reifenwechsel gegeben hatte. Dies hat er auch gegenüber der F.A.Z.an diesem Wochenende bestätigt. Damit hatte er Wittmann und BMW den Sieg geschenkt.

          Durch diese Aktion, die für mächtig Wirbel bei Audi bis in die Vorstandsebene sorgte, hat man den schärfsten Konkurrenten ins Meisterschaftsspiel gebracht. Und genau deshalb müssen immer wieder strategische Eingriffe erfolgen, statt den Zuschauern freien und fairen Sport zu bieten. Die DTM bleibt weiter spannend. Allerdings weniger durch packende Zweikämpfe auf der Piste, mehr durch kuriose Anweisungen von den Kommandoständen. Und Andrea Kaiser wird noch das eine oder andere Mal als Friedensengel auftreten müssen.

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