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Chaos in der Formel E : „Es ging nur ums Überleben“

  • -Aktualisiert am

Fährt zum Sieg: Robin Frijns (links) gewinnt in der Formel E das Chaosrennen in Paris. Bild: AFP

Verkommt die Formel E zu einer vollelektrischen Crash-Tour? Nicht nur beim Rennen in der französischen Hauptstadt dominieren turbulente Szenen das Geschehen. Das liegt nur zum Teil an schlechtem Wetter.

          Besser hätte es Robin Frijns nicht treffen können. Am niederländischen Königstag errang der 27-Jährige in Paris seinen ersten Sieg in der vollelektrischen Formel E. Nach seiner Ehrenrunde um den Invalidendom, auf der er die niederländische Fahne über seinem Cockpit flattern ließ, sprach der Rennfahrer aus Maastricht, der auch in der DTM fährt, vom härtesten Rennen seiner Karriere. Dies lag zum einen an André Lotterer, der Frijns über die gesamte Distanz wie ein Schatten folgte. Das lag aber auch an den Wetterkapriolen.

          Mehrmals während des 45-minütigen Rennens regnete, stürmte und hagelte es heftig. Einmal rief die Rennleitung sogar „Full-Course-Yellow“ aus. Noch drei weitere Male galten Tempo 50 und Überholverbot, weil sich einer oder mehrere Rennwagen in den Streckenbarrieren verhakt hatten. „Als der Regen kam, ging es nur ums Überleben“, sagte Daniel Abt, der hinter Lotterer Dritter wurde. „Die Reifen waren eiskalt.“ Sieger Frijns beschrieb die Fahrt als Eiertanz. „Ich musste immer als Erster um die Kurven und probieren, wie schnell man fahren kann“, sagte er.

          Zu einem großen Teil waren aber auch die Piloten selbst verantwortlich für die zahlreichen Unterbrechungen, weil sie in dieser Saison viel aggressiver unterwegs sind als zuvor. Die fünf Wettfahrten vor dem Rennen in Paris hatten durch rote Flaggen gänzlich gestoppt werden müssen. Für die gesteigerte Aggressivität sind zum einen die deutlich stabileren Fahrzeuge der zweiten Generation verantwortlich. Leichte Rempler verkraften sie spurlos. Schuld ist aber auch ein Reglement, das nicht immer passende Strafen bereithält. In Hongkong hatte Sam Bird dem in Führung liegenden Lotterer den Reifen aufgeschlitzt. Dadurch verlor der Duisburger seinen greifbar nahen ersten Sieg. Der Brite Bird wurde trotz Bestrafung noch Sechster.

          „Wenn die Strafen härter wären, dann würde man sich manche Aktion vorher zweimal überlegen“, sagt Paris-Sieger Frijns. So wurde er in Sanya (China) Opfer von Sebastien Buemi. Der frühere Weltmeister torpedierte den vor ihm auf Platz sieben fahrenden Frijns, der dadurch auf Lucas di Grassi geschoben wurde. Während Frijns und di Grassi ihre Fahrzeuge abstellen mussten, konnte Buemi weiterfahren und kam als Sechster über die Ziellinie. Durch die folgende Bestrafung fiel er auf Platz acht zurück, genau die Plazierung, die er vor dem Unfall gehabt hatte. „Wo ist da die Strafe?“, fragte Dieter Gass. Auf Facebook legte der Audi-Motorsportchef nach: „Die Formel E muss aufpassen, dass sie nicht zu einem Demolition-Derby wird.“

          Als Folge der vielen Unterbrechungen verändert sich auch der Charakter der Rennen. Sollte es generell um eine möglichst effiziente Nutzung der vorhandenen Energie samt Rückgewinnung gehen, kann durch die Phasen, in denen die Batterien kaum entleert werden, fast von Anfang bis Ende Vollgas gefahren werden. „In diesem Bereich müssen wir etwas anpassen“, sagte ein Rennkommissar in Paris. Eine Möglichkeit wäre das Verlängern der Renndistanz von momentan 45 auf 50 Minuten. Daran verschwendete Frijns am Samstag keinen Gedanken. Er genoss den Tag, seinen Königstag.

          Reflektiert bei der Pressekonferenz: Paris-Sieger Robin Frijns

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