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Motorsport in Belgien : Formel-2-Pilot stirbt nach heftigem Unfall

Bergungskräfte im Einsatz nach dem tödlichen Unfall in der Formel 2 Bild: EPA

Die Motorsportwelt trauert um einen Piloten. Der 22 Jahre alte Anthoine Hubert verunglückt bei einem schweren Unfall in der Formel 2 tödlich. Welche Auswirkungen das Unglück auf das Formel-1-Rennen hat, ist noch unklar.

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          Der französische Rennfahrer Anthoine Hubert ist beim Rennen der Formel 2 auf dem Circuit de Spa-Francorchamps am Samstagnachmittag tödlich verunglückt. Nach Angaben des Internationalen Automobilverbandes Fia starb Hubert knapp eineinhalb Stunden nach dem Unfall, um 18.35 Uhr in der Ambulanz an der Rennstrecke. Das teilte die Fia knapp zwei Stunden nach dem Unglück mit. Der amerikanische Rennfahrer Juan Manuel Correa erlitt bei der Kollision mit Hubert demnach Verletzungen, die im Universitätskrankenhaus in Lüttich versorgt werden. Er sei in einem stabilen Zustand.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Das Formel-2-Rennen, bei dem auch Mick Schumacher, der Sohn des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher am Start war, hatte um 17.00 Uhr begonnen und sollte eine Stunde dauern. Es wurde nach dem Unfall abgebrochen. Dieser ereignete sich in der zweiten Runde ausgangs der Radillon-Kurve unmittelbar vor dem Rechtsknick, der auf die Kemmelgerade führt. Hubert hatte die Kontrolle über sein Auto verloren, das in die Streckenbegrenzung flog. An dieser Stelle führte einst die Ausfahrt der Boxengasse zurück auf den Kurs.

          Huberts Wagen rotierte nach dem Einschlag zurück auf diesen außerhalb der Streckenbegrenzung liegenden asphaltierten Abschnitt, auf dem Correa mit hoher Geschwindigkeit heran gerast kam und Huberts Wagen mit voller Wucht traf, wie die Aufnahme eines Zuschauers zeigt, der das Geschehen von der gegenüberliegenden Tribüne aufnahm. Huberts Wagen vom Rennstall BWT Arden wurde zerrissen, Correas Auto vom Sauber Junior Team rutschte nach einem Überschlag auf dem Überrollbügel etliche Meter weiter. Die Aufnahmen der Fernsehübertragung zeigten, dass Correa, als das Wrack zum Stillstand gekommen war, seine Hände bewegte. Mehrere Rettungswagen waren in kurzer Zeit am Unfallort.

          Hubert wurde 22 Jahre alt. Er war Teil des Nachwuchsförderungsprogramms von Renault und hatte in dieser Saison Rennen in Monaco und Le Castellet gewonnen. Er verlor die Kontrolle über seinen Wagen, offenbar um Giuliano Alesi auszuweichen, der zuvor sein Auto beschädigt hatte. Die Fia teilte mit, Alesi sei in den Unfall verwickelt gewesen, aber nicht verletzt worden. Alesi hatte sein Auto selbständig abstellen können, wie die Fernsehbilder zeigten. Auf diesen war unmittelbar vor dem Unfall eine Rauchwolke ausgangs der Senke Eau Rouge zu sehen, auf die Radillon unmittelbar folgt. Offenbar hatte die Kettenreaktion hier ihren Ausgangspunkt. Eau Rouge ist eine der berühmtesten Kurven im Motorsport. Hier war der deutsche Formel-1-Pilot Stefan Bellof 1985 bei einem Sportwagenrennen mit dem Belgier Jacky Ickx kollidiert und tödlich verunglückt.

          In den vergangenen Jahren hatten Formel-1-Piloten allerdings davon gesprochen, dass die Passage, deren Ausgang im Fuß der Senke auf Grund der Steigung nicht einsehbar ist, an Risiko verloren hatte und mit Vollgas durchfahren werden konnte. Dafür hatte die aerodynamische Weiterentwicklung der Rennwagen gesorgt. Insbesondere auf Grund dieses durch das Mittelgebirgsprofil der Ardennen geprägten Streckenabschnitts gilt der Circuit als klassischer herausfordernder Hochgeschwindigkeitskurs, dessen Gefahren aber zuletzt nicht mehr wie in der Vergangenheit betont wurden.

          Noch am Mittag hatte die Social-Media-Abteilung der Nachwuchsserie ein Video des Streckenabschnitts Eau Rouge bei Twitter gepostet, beschriftet mit „The Speed, The Sound, The Corners Enjoy 46 Seconds of Motorsport Heaven“ (Die Geschwindigkeit, der Klang, die Kurven Genießt 46 Sekunden Motorsporthimmel; d. Red.) und mit Herzaugenemojis garniert. Der Beitrag stand auch Stunden nach dem Unfall online. Das für Sonntag angesetzte Formel-2-Rennen wurde abgesagt.

          Die Formel-1-Rennställe und zahlreiche Fahrer kondolierten Huberts Familie am Abend. Weltmeister Lewis Hamilton schrieb zudem bei Instagram: „Falls irgendjemand von Euch, der diesen Sport schaut und genießt, denkt, dass das, was wir machen, sicher ist, liegt er gründlich falsch. Alle Fahrer riskieren ihr Leben, wenn sie auf die Strecke fahren und die Leute müssen das ernst nehmen, weil es nicht ernst genug genommen wird. Nicht von den Fans und nicht von einigen, die in diesem Sport arbeiten. Für mich ist Anthoine ein Held, weil er dieses Risiko eingegangen ist, um seinem Traum nachzujagen. Ich bin sehr traurig, dass dies passiert ist. Lasst ihn uns hochhalten und uns an ihn erinnern. Ruhe in Frieden, Bruder.“

          Otmar Sznafauer, Temachef des Teams Racing Point, das wie Huberts Rennstall vom Unternehmen BWT gesponsert wird, teilte mit: „Es ist nahezu unmöglich, in solchen Momenten die richtigen Worte zu finden, aber wir sind von den tragischen Neuigkeiten aus der Formel 2 am Boden zerstört. Anthoine war ein wunderbarer Mensch und ein herausragendes Rennfahrertalent, der bereits großen Erfolg hatte.“

          Welche Auswirkungen das Unglück auf das für Sonntag geplante Formel-1-Rennen (15.10 im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky) hat, war zunächst noch unklar. Für den Großen Preis von Belgien hatten sich eine Stunde vor dem Unfall die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Sebastian Vettel in der ersten Startreihe qualifiziert. Bei zehntausenden niederländischen Fans, die wegen des Red-Bull-Piloten Max Verstappen in den Hohen Venn gereist sind, legte sich nach dem Unglück die zuvor ausgelassene Partystimmung.

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