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Formel 1 in Monza : Im roten Rausch

Und das schmale Band aus Asphalt wird noch ein wenig schmaler: Ein Sieg mit Ferrari in Monza fehlt Sebastian Vettel noch Bild: Reuters

Mehr Antrittsgeld? Kann Monza nicht aufbringen. Die Formel 1 bleibt trotzdem. Weil beim Großen Preis von Italien Emotionen die beste Währung sind – immer noch.

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          Hinter den Mauern des Königlichen Parks von Monza liegt ein italienischer Mythos verborgen: das Autodromo Nazionale, ein Nationalheiligtum. Drei Schikanen, drei Kurven, und dazwischen geht es beinahe nur geradeaus. 79 Prozent der 5,793 Kilometer langen Strecke werden mit Vollgas gefahren, die Boliden beschleunigen so auf mehr als 360 Kilometer in der Stunde, das entspricht etwa 100 Metern pro Sekunde.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Umgebung außerhalb des Cockpits verschwimmt so zu einer unscharfen Blase, und das schmale Band aus Asphalt wird noch ein wenig schmaler. Nirgendwo sonst ist die Formel 1 so sehr auf Speed wie hier in der Lombardei, im Norden Italiens. Die Leitplanken, die Fensterscheiben im noblen Paddock Club, ja selbst die Menschen auf den Tribünen vibrieren ob der Geschwindigkeit auf der Strecke. Monza geht durch Mark und Bein - selbst bei jenen, die nicht im Cockpit sitzen.

          Schon früh am Morgen herrscht Ausnahmezustand an der Strecke. Die ersten Fans stehen an den Gattern, sie tragen das Rot von Ferrari, sie haben Fahnen, Transparente und Trompeten dabei, tief in ihren Herzen sind sie Tifosi. „Es würde ein Traum wahr, hier im roten Dress zu gewinnen“, sagt Sebastian Vettel vor dem Großen Preis von Italien an diesem Sonntag (Start: 14 Uhr): „Die Stimmung ist einzigartig, rund um die Strecke herrscht so großer Jubel, das ist unfassbar.“

          Faszination für Ferrari und die Formel 1

          2008 hat er hier schon einmal triumphiert, im unterlegenen Toro Rosso ließ er im Regen die versammelte Weltelite hinter sich. Um seine Aussichten nun zu verbessern, haben die Mechaniker pünktlich zum Heimrennen die finale Ausbaustufe der diesjährigen Antriebseinheit mit ein paar Pferdestärken mehr in die beiden Ferrari gebaut. „Aber ob es für ganz oben reicht? Boah! Wir müssen realistisch bleiben“, sagt Vettel.

          Im vergangenen Jahr wurde er Zweiter, die Momente während der Siegerehrung mit Tausenden Fans auf der Strecke bezeichnete er später als einige der bewegendsten in seiner Karriere. An keinem anderen Ort im Grand-Prix-Kalender ist die Faszination für Ferrari und die Formel 1 größer. „Diese Intensität gibt es nirgendwo anders“, sagte Michael Schumacher einmal: „In Monza atmet alles Ferrari und Formel 1.“

          Monzas lange Geschichte

          Als erster Deutscher hat er 1996 den Großen Preis von Italien gewonnen - und dann auch noch in einem Ferrari. 2006, unmittelbar nach seinem fünften Sieg in Monza, erklärt er seinen Rücktritt aus der Formel 1, kommt aber nicht von der Rennserie los und kehrt 2010 im Dienste von Mercedes zurück.

          Inmitten des Autodroms stehen noch die alten Steilkurven. Phil Hill, Stirling Moss und Wolfgang Graf Berghe von Trips sind in ihren Geschossen darübergejagt. Und ein paar hundert Meter weiter, in der curva parabolica, schoss Berghe von Trips dann 1961 in seinem Ferrari über die Streckenbegrenzung hinaus und riss fünfzehn Menschen mit in den Tod, sechzig Zuschauer wurden verletzt. Der Deutsche erlitt einen Genickbruch, zwei Streckenposten eilten herbei, legten ihn auf eine Trage und legten eine Decke über ihn.

          40 Fahrer und 35 Zuschauer und Streckenposten haben seit dem ersten Rennen in Monza in den zwanziger Jahren ihre Leben an der Strecke gelassen. 1970 starb dort auch der in Mainz geborene und in Österreich aufgewachsene Jochen Rindt. Postum gewann er die Weltmeisterschaft.

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