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Formel-1-Quali in Monaco : Ferrari und ein selbstinszeniertes Drama

  • -Aktualisiert am

Für Sebastian Vettels Teamkollegen Charles Leclerc (Bild) endete die Qualifikation frühzeitig. Bild: EPA

Die Mercedes bestätigen beim Startplatzrennen in Monaco ihre Dominanz in der Formel 1. Ferrari sorgt für einen Raunen – und mit einem schweren Fehler für Ärger bei Sebastian Vettels Teamkollegen Charles Leclerc.

          Lewis Hamilton sprang auf das Cockpit seines Silberpfeils, ballte die Faust und brüllte seine Freude heraus. Schnellster des Tages beim wichtigsten Startplatzrennen der Formel-1-Saison. Das war dem Briten nach drei Niederlagen gegen seinen Teamkollegen Valtteri Bottas eine besondere Würdigung wert: „Diese Pole-Position bedeutet mir so viel, ich musste so viel mehr geben, das war mein stärkster Wunsch. Ich widme sie Niki.“ Der fünfmalige Weltmeister erinnerte am Ende einer „schweren Woche für uns“ an den Aufsichtsratchef des Teams, Niki Lauda, der am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben ist: „Er war mein Komplize“, sagte Hamilton, „wenn er nicht gewesen wäre, würde ich vielleicht einmaliger und nicht fünfmaliger Weltmeister sein.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Lauda trug wesentlich zu Hamiltons Verpflichtung durch Mercedes bei. Dem Österreicher hätte das Ergebnis vom Samstag gefallen. Hamilton hat die besten Aussichten, den Großen Preis von Monaco am Sonntag (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei RTL und Sky) zu gewinnen; und sein Team die Chance, dem fünften Doppelerfolg im sechsten Saisonrennen einen sechsten folgen zu lassen. Bottas belegte, enttäuscht, Rang zwei mit nicht mal einer Zehntelsekunden Rückstand vor Max Verstappen im Red Bull. Damit bestätigte sich die Vorhersage, Ferrari würde auf dem engen, etwa 3,3 Kilometer langen Kurs nur die dritte Kraft sein können. Fast 0,8 Sekunden brauchte Sebastian Vettel auf seiner schnellsten Runde länger als Hamilton,  0,3 Sekunden mehr als Verstappen. „Ich habe alles probiert“, sagte Vettel achselzuckend und halb entschuldigend nach einem leichten Leitplanken-Kontakt ausgangs der Tabac-Kuve: „Mehr war nicht drin.“

          Vielleicht aus seiner Sicht und den Umständen entsprechend. Aber Ferrari erlebte am Samstag ein selbstinszeniertes Drama. Schon im ersten Durchgang hatte der Hesse mächtig kämpfen müssen. Sein Unfall am Samstagvormittag in der ersten Kurve (St. Devote) schon nach sieben Runden zwang ihn, den großen Teil der Trainingsstunde tatenlos zu beobachten, wie sich die Kollegen Runde um Runde auf das Startplatzrennen vorbereiteten. Ein gravierender Nachteil, weil die Annäherung an das physikalische Limit, die Gewöhnung an die Nähe zu den Leitplanken nur mit Praxis zu erfahren ist, peu á peu.

          Und so kam der Heppenheimer nicht in die Gänge zu Beginn des Startplatzrennens, brach seinen zweiten Versuch ab und hatte nur einen einzigen. Vettel auf dem Weg ins Abseits? Ein Nervenspiel. Denn ein Zwischenfall, ein kleiner Verbremser, „Gelbe Flaggen“ wegen des Missgeschicks eines vorausfahrenden Piloten hätte ihn den Regeln entsprechend gebremst, ans Ende der Startaufstellung zurückgeworfen. Aber Vettel raste durch die Straßenschluchten und gar zur Bestzeit. Das Raunen im Pressesaal galt wohl seiner Punktlandung, auch auf nicht ausreichend angewärmten Reifen diesen Sprung geschafft zu haben. Aber es vermischte sich mit der Erkenntnis, dass der eine Ferrari-Pilot mit seiner kühnen Tour auf den letzten Drücker den anderen aus dem Rennen geworfen hatte.

          Leclerc fiel von Rang 15 auf Platz 16 zurück und musste fortan wie vier andere Konkurrenten aus den hinteren Reihen zuschauen. Was er in den Minuten zuvor auch schon getan hatte.  Weil Ferraris Strategen offenbar dachten, die Rundenzeit des Monegasse reiche aus für den Einzug in die zweite Runde. „Ich weiß auch nicht, was da los war. Es gab den Plan, noch einmal rauszufahren. Ich verlange Erklärungen.“ Vettel reichte sie nach: „Die Strecke hat sich sehr schnell entwickelt, das hat auch anderen Teams überrascht.“ Teamchef Mattia Binotto bedauerte die Fehlkalkulation, verteidigte aber die Strategie. Es sei darum gegangen, einen Reifensatz für die nächste Runde zu sparen.

          Dem 21 Jahre alten Leclerc aber wäre es kaum schwer gefallen, Vettel in die zweite Runde zu folgen, weil dessen Zeit doch für die erstbeste Position reichte. Das Dritte Training hatte er als Schnellster beendet. Kopfschüttelnd verließ Leclerc die Box. Von den hinteren Startplätzen lässt sich zwar ein Menge Spektakel im Rennen aufführen. Aber wenn der Grand Prix ohne Zwischenfälle abläuft, wird es Leclerc schwer haben, an Nico Hülkenberg im Renault vorbei zukommen. Der Rheinländer wurde Elfter.

          Das Spektakel kaschierte ein bisschen ein größeres Problem von Ferrari, das über den Grand Prix in Monaco hinaus wirkt. Die Scuderia kommt mit der neuen Reifengeneration nicht zurecht, findet nicht das richtige „Temperatur-Fenster“, um das angebliche Potential des Boliden ausspielen zu können. Andere Rennställe klagen bereits mehr oder weniger öffentlich, weil die Reifen ihrer Vorderräder erst ausreichend Haftung entwickeln, wenn die Hinterräder schon überhitzen. Diese neue „Charaktereigenschaft“ der Pirelli-Pneus soll Mercedes offenbar entgegen kommen. Das hängt auch mit der Konstruktion des Autos zusammen, wie es die Reifen belastet. „Ich habe keine Haftung auf der Vorderachse gefühlt“, schilderte Vettel sein Dilemma, „ich wusste nicht, wie viel Grip ich habe.“ So ein Misstrauen kostet in Monaco viel Zeit. Und wenn es weiter anhält, Ferrari die WM.

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