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Formel-1-Kommentar : Ferrari ist sehr schnell – und gebrechlich

  • -Aktualisiert am

Die Aussichten von Sebastian Vettel für die neue Saison sind vielversprechend. Bild: dpa

Die Formel 1 hat ihre Tests vor der neuen Saison beendet. Wer wird zum Start in Melbourne gewinnen? Die Antwort ist eindeutig. Und dennoch verspricht das Jahr 2019 einen harten Kampf um die Spitze.

          Wer wird das erste Formel-1-Rennen der Saison in zwei Wochen in Melbourne gewinnen? Ferrari. An dieser Prognose kann nicht vorbei, wer die nackten Resultate der am Freitag beendeten Testfahrten zur Hand nimmt: Sebastian Vettel war Schnellster über eine Runde, vom ersten Moment der zweiwöchigen Versuchsfahrten an. Am Ende machte er sich auch auf den Weg zur schnellsten Rennsimulation – ehe ihn ein Elektronik-Problem stoppte. Wie war das noch?

          „Finish first, first finish“, ruft die englische Motorsportgemeinde, wenn das Tempo stimmt, aber die Kiste die Distanz nicht schafft. Frei übersetzt: „Wenn du gewinnen willst, musst du erst mal ankommen.“ Das ist nicht so selbstverständlich für die Roten, wie es sein sollte. Am Mittwoch flog Vettel aus der Kurve in die Streckenbegrenzung, weil eine Felge gebrochen war. Mamma mia! Ferrari ist sehr schnell, aber gebrechlich. Das bedeutet: Ferrari geht an die Grenze, um die Vorherrschaft von Mercedes zu brechen.

          Teilweise scheint das gelungen. Das Weltmeisterteam um Lewis Hamilton musste alle Kräfte bündeln, um Vettel mit einer Demonstrationsrunde bis auf einen Wimpernschlag nahe zu kommen. Aber Leistungsschwankungen, die Aussagen von Fahrern und Teamchef deuten auf größere Tempo-Probleme hin: Der Mercedes ist vorerst zu langsam für die Spitze. Aber er läuft wie ein Uhrwerk. Er schaffte im Standfestigkeits-Wettbewerb knapp 900 Kilometer mehr als Ferrari. Auch das sagt etwas über das Konzept aus: Mercedes wirkt konservativer. Nun behaupten Ingenieure gerne, es sei leichter, einem schnellen Auto Haltbarkeit zu verleihen, als ein zuverlässiges zu beschleunigen. In der Formel-1-Geschichte ist auch das Gegenteil schon zu beobachten gewesen.

          Das wirtschaftliche Potential von Mercedes und die Entwicklungsgeschwindigkeit des Weltmeisters versprechen über die Saison einen harten Kampf um die Spitze, den Red Bull erweitert sieht. Ob die Leistungsunterschiede der Autos so marginal sind wie im Mittelfeld, lässt sich wegen der Geheimnistuerei um die volle Leistungsfähigkeit während der Tests erst beim Qualifying in Melbourne erkennen. Vettels neuer Teamkollege Charles Leclerc hat dagegen sein Talent schon gezeigt. Er brauchte beim Sprinttest über eine Runde nur eine Hundertstelsekunde mehr als der viermalige Weltmeister. Die interessanteste Spannung geht vom Menschen aus.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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