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500 Meilen von Indianapolis : Mutprobe im Oval des Wahnsinns

33 Rennwagen und bis zu 400.000 Zuschauer: Die Indy 500 sind eines der größten Rennen. Bild: ddp Images

Die Indy 500 gelten als gefährlichstes Rennen der Welt. Bei Tempo 400 ist noch lange nicht Schluss. In diesem Jahr ist der Hype um das gefährliche Spektakel noch größer als sonst.

          Schon der Name des Stadtteils in Indianapolis sagt so vieles über das, worum es hier geht: Speedway. Um Geschwindigkeit also. Um die Gefahr. Um Adrenalin. Um eine Mutprobe im Oval des Wahnsinns. Noch immer gelten die 500 Meilen von Indianapolis als das gefährlichste Rennen der Welt. 68 Menschen haben dort schon ihr Leben gelassen. Weil es einfach keinen Platz gibt für Fehler. Es geht direkt an der Betonmauer entlang, die Spitzengeschwindigkeiten liegen jenseits von 350 Kilometern in der Stunde. Die vier Steilkurven haben eine Neigung von neun Grad. Die Piloten fahren gegen den Uhrzeigersinn, 200 Runden lang. Dabei müssen sie Fliehkräfte von 4 g aushalten – das entspricht in etwa den Beschleunigungskräften beim Start eines Spaceshuttles.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In diesem Jahr ist der Hype um die Indy 500 noch ein wenig größer als sonst. Denn an diesem Sonntag (18.19 Uhr MESZ) geht auch Fernando Alonso ins Rennen, der Spanier verzichtet dafür sogar auf einen Start beim Formel-1-Klassiker in Monaco (14.00 Uhr / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET). Schon die ersten Trainingsrunden von Alonso verfolgten mehr als zwei Millionen Menschen überall auf der Welt via Livestream. In dieser Woche berichten mehr spanische Motorsportjournalisten aus Indianapolis als aus Monte Carlo. „Ich will vor allem Erfahrungen sammeln und als Rennfahrer kompletter werden“, sagt der Fünfunddreißigjährige. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

          Alonso ist bewusst, dass er in dieser Saison mit McLaren in der Formel 1 kaum noch glänzen kann, zu schwach ist der Honda-Motor im Heck. Dafür kann er in Indianapolis seinen persönlichen Ruhm noch einmal steigern. Denn in der Geschichte des Motorsports ist es bisher nur fünf Fahrern gelungen, neben der Weltmeisterschaft in der Formel 1 auch die Indy 500 zu gewinnen: Jim Clark, Graham Hill, Emerson Fittipaldi, Mario Andretti und Jacques Villeneuve. Das Triple, zu dem noch die 24 Stunden von Le Mans zählen, gelang lediglich Hill.

          Dabei sind es Rennsportwelten, welche die Formel 1 von den 500 Meilen von Indianapolis trennen. Das weiß auch Alonso und sagt: „Ich habe den größten Respekt für die Fahrer, die dort teilnehmen, und für den Speed, den sie fahren. Die Geschwindigkeit auf einem Superspeedway ist etwas völlig anderes als das, was ich bisher kenne.“ Und es ist eng, verdammt eng. Zum Teil fahren drei Rennwagen nebeneinander jenseits von Tempo 350, wechseln ihre Linien, immer auf der Suche nach dem besten Windschatten, um sich so nach vorne ziehen zu lassen.

          Gefragter Mann aus der Formel 1: Fernando Alonso gibt ein Gastspiel. Bilderstrecke

          Und es ist wild. Im Verlauf eines Rennes kommt es insgesamt zu rund 1000 Boxenstopps. Reifen wechseln, Benzin nachfüllen – nur diejenigen, die das richtige Timing und das nötige Glück besitzen, haben am Ende eine Chance auf den Sieg. Doch die Belastungen fordern ihren Tribut. Wer die 500 Meilen zu Ende bringt, gelangt ans Limit seiner körperlichen Belastungsfähigkeit. Immer linksherum fahren, immer Vollgas, immer so konzentriert sein, dass man blitzschnell reagieren kann, wenn vor einem etwas passiert – die Indy 500 sind in vielerlei Hinsicht eine Grenzerfahrung.

          Seit 1911 werden Rennen auf dem Indianapolis Motor Speedway ausgetragen, es ist damit weltweit einer der traditionsreichsten Orte für Motorsportveranstaltungen. Erst riskierten nur die Männer Kopf und Kragen, bis 1971 durften Frauen nicht einmal die Boxengasse betreten, seit 1977 sind sie bei den Rennen dabei. In den ersten beiden Jahrzehnten war noch die komplette Strecke mit rund 3,2 Millionen Ziegelsteinen gepflastert, was ihr den Spitznamen „Brickyard“ einbrachte.

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