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Probleme im Motorsport : Die höchst ungewisse Zukunft der DTM

  • -Aktualisiert am

Trübe Aussichten: Audi steigt aus der DTM aus. Bild: dpa

Die Sorgen des Deutschen Tourenwagen-Masters sind immens. Durch die Corona-Krise ist der Rennkalender noch komplett unklar. Dazu kommt das Fehlen der Zuschauer. Das ist aber längst nicht alles.

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          Es gibt Ideen, die sind einleuchtend und überzeugend. Doch wenn sie zum falschen Zeitpunkt geboren werden, können sie scheitern. So wie das mit großer Wahrscheinlichkeit dem Class-One-Reglement passieren wird. Damit sollte das Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) attraktiver und internationaler gemacht werden. Der Start liegt etwa zehn Jahre zurück, als der damalige DTM-Chef Hans-Werner Aufrecht Kontakt mit der Super-GT-Meisterschaft in Japan und der amerikanischen Nascar-Serie aufnahm.

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          Seine Vision: Durch ein identisches Reglement wird den Autoherstellern die Möglichkeit eröffnet, in drei Rennserien an den Start gehen zu können. Während die Amerikaner schnell das Interesse verloren, übernahm Gerhard Berger, der im Mai 2017 Aufrecht an der DTM-Spitze ablöste, gerne die Vorarbeit seines Vorgängers. Deshalb erhielten die DTM-Renner im vergangenen Jahr moderne Vierzylinder-Turbomotoren, wie sie in Japan schon lange verwendet wurden.

          Damit war die Basis für ein erstes sportliches Zusammentreffen im Herbst des vergangenen Jahres gelegt. Beim DTM-Finale in Hockenheim fuhren drei Rennwagen von Honda, Lexus und Nissan aus der Super-GT, und wenige Wochen später wurde ein Extrarennen in Fuji mit dem Titel „Dream Race“ ausgetragen. Doch was Lust auf mehr machen sollte, war wahrscheinlich der Schlusspunkt. Denn in der DTM ist nichts mehr, wie es bei Bergers Amtsübernahme war. Mercedes hat sich zum Ende der Saison 2018 aus der Tourenwagen-Serie verabschiedet, das Schweizer Privatteam R-Motorsport nahm seine vier Aston Martin nach nur einer Saison wieder aus dem Rennen. Und Ende April verkündete Audi seinen Ausstieg zum Saisonende 2020. Die Begründung von Audi und Mercedes: Konzentration auf die Formel E als Herausforderung der Zukunft. Lediglich BMW steht nun noch als Teilnehmer bereit.

          Ob in diesem Jahr überhaupt gefahren werden kann, ist offen. Für Anfang Juni sind Testfahrten auf dem Nürburgring terminiert. An der Überarbeitung des Kalenders wird mit Hochdruck gearbeitet. Die Realisierung gestaltet sich schwierig. Die Rennen im Ausland sind momentan nicht planbar, Berger konzentriert sich auf die deutschen Rennstrecken. Doch schon hinter dem ersten Event Mitte Juli auf dem Nürnberger Norisring steht ein großes Fragezeichen.

          Wie geht es 2021 mit der DTM weiter?

          Der Stadtkurs muss aufgebaut werden, noch zögern alle Beteiligten mit dem Okay. Nach dem Aus der Moto-GP für Motorräder hat das Berger-Team auch beim Sachsenring, sonst keine DTM-Rennstrecke, angefragt. Und bekam eine Absage. „Wir mussten die Anfrage leider negativ beantworten, weil wir voll ausgelastet sind“, sagte Sachsenring-Geschäftsführer Ruben Zeltner. Nach Formel-1-Vorbild wird über zwei Veranstaltungen an aufeinanderfolgenden Wochenenden am Lausitzring und am Nürburgring intensiv nachgedacht – Ausgang offen.

          Im Gegensatz zur Formel 1 ist die DTM allerdings auf Zuschauer angewiesen. Denn während sich die Königsklasse hauptsächlich über die TV-Vermarktung finanziert, sind es bei der DTM die Fans, die an die Strecke pilgern. Bis zum 31. August sind Veranstaltungen mit Zuschauern verboten – so lange gibt es keine Einnahmen aus Ticketverkäufen.

          Noch viel schwieriger zu beantworten ist allerdings die Frage, wie es von 2021 an mit der DTM weitergeht. Berger hat immer wieder betont, dass die DTM eine starke Marke sei, die erhalten werden müsse. Doch mit welchen Autos? Werden Privatteams die Audi RS5 einsetzen? „Bislang gab es keine Anfrage an uns. Geplant ist es aktuell nicht“, sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass in einem Interview mit dem Portal „Motorsport-Total.com“. Dazu ist der Einsatz der Prototypen mit etwa vier Millionen Euro pro Auto und Jahr auch sehr teuer.

          Während Berger sich zu seinen Gedankenspielen auf Nachfrage nicht äußern will, sickerte aus der DTM-Zentrale in Stuttgart nach draußen, dass er den Einsatz der günstigeren GT3-Rennwagen favorisiere. Dann müsste sich der frühere Formel-1-Grand-Prix-Sieger allerdings von einem seiner Grundsätze verabschieden. Als eine seiner ersten Aktionen hat er 2017 die Plazierungsgewichte abgeschafft.

          Doch bei den GT3-Autos ist die „Balance of Performance“ obligatorisch, um die prinzipbedingten Unterschiede eines BMW M6 mit Frontmotor, eines Mittelmotor-Audi-R8 oder eines Porsche Carrera mit Heckmotor auszugleichen. Im Gegensatz zum ADAC-GT-Masters, bei dem sich seit mehr als zehn Jahren zwei Piloten ein GT3-Rennauto teilen, würde in der DTM nach bewährtem Muster sicherlich pro Fahrzeug nur ein Fahrer zum Einsatz kommen. Wer kann sich das leisten? Gefragt ist deshalb mehr denn je eine überzeugende Idee.

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