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DTM am Nürburgring : Trüber Herbst bei BMW

  • -Aktualisiert am

„Schade für die DTM“: Die Meisterschaft scheint gelaufen für Marco Wittmann. Bild: Imago

Ein Fahrer in Moll: DTM-Titelverteidiger Marco Wittmann ist vor dem Saisonfinale arg abgehängt. Das liegt weniger am Können des Rennfahrers als am Abstand von BMW zu Audi. Kann es am Nürburgring nur besser werden?

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          Nach außen gibt Marco Wittmann den Kämpfer. Noch hat der BMW-Pilot die Chance, seinen dritten Titel in der DTM zu gewinnen. Vier Rennen stehen noch an, am Wochenende wird auf dem Nürburgring gefahren. Als Dritter hat der 29-jährige Fürther 67 Punkte Rückstand auf Tabellenführer René Rast. Auf dessen Audi-Markenkollegen Nico Müller fehlen ihm 47 Zähler. Diesen Rückstand aufzuholen wird schwer. Das weiß auch Wittmann. „Wir haben gesehen, dass sich die BMW generell schwertun gegen die Audi“, sagt er. Und seine Stimme klingt plötzlich arg moll.

          Ganz anders ist die Gemütslage im Lager der Ingolstädter. „Der Abstand zu BMW ist schon sehr groß“, frohlockt Rast, „da müsste einiges passieren, dass Marco Wittmann noch nach vorne kommt.“ Der 32 Jahre alte Rennfahrer aus Minden ist der große Favorit. Nach 2017, als er in seiner Debüt-Saison gleich triumphierte, wäre es sein zweiter Titel. „Man darf BMW und Marco Wittmann nie unterschätzen“, meint Audi-Motorsportdirektor Dieter Gass, „sie werden alles daransetzen, die Titelentscheidung auf das Finale zu vertagen.“ Das wird Anfang Oktober auf dem Hockenheimring ausgefahren. Aber bei Audi herrscht eitel Sonnenschein seit dem vergangenen Renn-Wochenende. In der Lausitz sicherten sich die Ingolstädter den Hersteller-Titel. Das hat noch keine beteiligte Firma so früh geschafft. Es zeigt das Kräfteverhältnis in dieser Saison: „Unser RS5 ist in diesem Jahr das Maß der Dinge“, sagt Gass.

          Wittmanns BMW M4 beim zweiten Rennen in Hockenheim

          BMW hat den Anschluss verloren. Mit Ausnahme von Marco Wittmann. Das hat Tradition. In sieben Jahren DTM war der Fürther fünfmal bester BMW-Pilot. „BMW setzt auf nur einen Fahrer – Marco Wittmann“, sagt ein ehemaliger BMW-Ingenieur. Die Schwierigkeiten seien hausgemacht. Als Wittmann Ende 2012 erstmals einen Tourenwagen testete, war er sofort durch sein enormes Tempo aufgefallen. In der Folge wurde er bei der Weiterentwicklung bevorzugt eingesetzt. Wittmann gab den Ingenieuren seine Empfindungen weiter, sodass sie das Fahrzeug entsprechend ausrichteten. Doch dessen Fahrstil, so die Erkenntnis des Experten, sei mit dem seiner Kollegen nicht vergleichbar. Entsprechend können die nur punktuell das Potential des Autos abrufen. Am ehesten ist dies in dieser Saison noch Philipp Eng gelungen, dem Vierten im Zwischenklassement.

          „Die Audi-Dominanz ist schade für die DTM“, klagte Wittmann, immerhin viermaliger Saisonsieger, nach dem letzten Rennen. Fünf Audis standen vorne. „Sollen wir uns dafür entschuldigen, dass wir so stark sind und deswegen im Rennen langsamer fahren?“, fragt ein Audi-Sprecher. Im Laufe der Saison ist der Abstand zwischen Audi und BMW noch größer geworden. Vor allem beim Qualifying: Je nach Strecke beträgt die Differenz drei bis fünf Zehntelsekunden.

          Wittmann und Kollegen stecken in einem Dilemma. Er fühle sich eigentlich wohl in seinem Arbeitsgerät, zumindest was dessen Balance anbelangt. Und er ist sich bei den Trainingsfahrten auch immer sicher, dass er schnell sei. Doch am Ende lehrt ihn die Uhr etwas anderes. Dieser Frust wird noch verstärkt, weil dem Rennwagen auch auf den Geraden Geschwindigkeit fehlt. Wittmann wird in der Eifel um seine letzte Meisterschafts-Chance kämpfen. Doch in Gedanken ist er bereits bei der Saison 2020. Bis dahin müsste BMW ordentlich nachrüsten. Doch dies lässt das Reglement nicht zu. Schon im Herbst trübe Aussichten für das kommende Frühjahr.

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