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Dragster : Feuer frei mit 15.000 PS

  • -Aktualisiert am

Beim Start verwandelt sich jeder noch so brave Dragster in ein Monster Bild: Hockenheimring

Von null auf 480 in weniger als sechs Sekunden: Gerd Habermann ist der einzige deutsche Dragster-Profi. Seine Eigenbauten werden von mächtigen V8-Motoren angetrieben – oder von Turbinen aus Kampfjets.

          Hockenheim. Boxengasse. Gerd Habermann Racing. Zwei klassische Dragster stehen rechts, Radstand um die neun Meter, ein futuristisches Motorrad daneben und ein unscheinbarer BMW E 30. In der Mitte ein bunter Funny Car mit hochgeklappter Karosserie. Habermann hat ihn mit einer Turbine ausgerüstet, die normalerweise amerikanische Kampfjets antreibt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Das Pratt&Whitney-Triebwerk J60 verbraucht 120 Liter Kerosin, was nicht übertrieben erscheint bei einer Leistung von 15.000 PS und einer Beschleunigung von 5,9 Sekunden von null auf 480, allerdings sind diese 120 Liter nicht auf hundert Kilometer gerechnet, sondern auf die Distanz eines Dragsterrennens: auf 402 Meter und 33 Zentimeter.

          Nach der Kirche ging es los

          Habermann, 53 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Hanau, aus Erlensee. Dort gab es früher einen amerikanischen Fliegerhorst, und als Habermann durfte, mit 15, ist er, sooft es ging, mit dem Mofa dorthin gefahren. Damals, in den Siebzigern, gab es noch keine McDonald’s, aber Cola und Burger, die gab es schon, bei den Amis auf dem Fliegerhorst. Und es gab Dragsterrennen über die klassische Viertelmeile. Sonntagmorgens um neun wurde das Tor aufgemacht, vor zehn durfte kein Motor laufen, nach der Kirche ging es los. Viele GIs hatten Autos von Amerika mitgebracht, die paar Deutschen, die am Start waren, haben es mit Straßenautos versucht.

          So auch Habermann. Mit 18 fuhr er auf dem Militärflugplatz sein erstes Duell, mit einem Manta, den er frisiert hatte. Zwei Jahre ging das so, alle zwei, drei Wochen gab er Gas auf dem Fliegerhorst, was für ein Spaß! Ab und zu hat er gewonnen. Auch Engländer waren am Start, Schweden, und eines Tages verkaufte einer einen echten Dragster, so ein langes Ding, und Habermann griff zu. Die Schweden sind damals mit Volvo-Motoren gefahren, die Engländer mit Mini-Triebwerken, alles Vierzylinder, Kleinkram. Später hat sich Habermann einen gebrauchten großen Dragster geleistet und ihn mit einem V8-Kompressor aufgebaut. Dann ging die Post ab. Habermann startete bei Rennen in ganz Europa. 1985 fuhren die Dragster zum ersten Mal in Hockenheim, damals war er schon dabei, und heute, dreißig Jahre später, ist er es immer noch.

          Und immer gut festhalten Bilderstrecke

          Mit dem unscheinbaren BMW, der in Habermanns Box auf seinen Einsatz wartet, startet er in der Straßenklasse. Das Reglement sieht vor, dass die 400-Meter-Renner in dieser Klasse alles haben müssen, was auch ein normales Auto hat, Licht, Blinker, Hupe, Scheibenwischer, alles muss funktionieren. Im Prinzip müsste der Wagen durch den TÜV kommen, was die Sicherheitsstandards betrifft. Wenn der Prüfer allerdings die Motorhaube aufklappt, wird es eher nichts mit der Plakette.

          Dort findet er einen Chevrolet-V8-Motor mit 7,4 Liter Hubraum und 1000 PS, und wenn die nicht reichen, bringt die Lachgaseinspritzung, die Habermann eingebaut hat, noch mal 400 PS. Auch das Motorrad daneben ist für die tägliche Fahrt zur Arbeit eher ungeeignet. Sein Gewicht von 290 Kilogramm plus Habermann obendrauf als Fahrer wird von einer Hubschrauberturbine angetrieben, die 3500 PS leistet. Von null auf 350 braucht man damit knapp sieben Sekunden, man sollte sich dabei ordentlich festhalten.

          Habermann ist seit zehn Jahren Dragster-Profi. Der einzige in Deutschland. Angefangen hat er als Stahlbauschlosser. Dass er heute Dragster baut und mit Jetturbinen, Getrieben und Nachbrennern hantiert, als wäre das die einfachste Sache der Welt, erstaunt, dafür hat er nie eine Ausbildung gemacht. Nach ein paar Jahren als Stahlbauschlosser auf Montage hat er daheim in Erlensee eine Hinterhofwerkstatt samt Abschleppdienst aufgemacht. Und seit er vor zehn Jahren Dragster-Profi wurde, fährt er im Sommer mit einem seiner beiden Trucks von Rennen zu Rennen.

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