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Die Zukunft der DTM : Lauter Herkulesaufgaben

  • -Aktualisiert am

Die DTM ist nicht immer ein Zuschauerrenner. Bild: dpa

Die Rennserie muss ihre Attraktivität in einem Markt, der härter wird, steigern. Die Chronologie eines angekündigten Todes ist inzwischen so endlos, dass sie mehr von den starken Lebensgeistern der DTM als von ihrer Herzschwäche erzählt.

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          Mercedes ist nicht sonderlich vermisst worden. Das ist ein interessantes Zeichen, wenn es um Motorsport geht. In der Formel 1 steuert die Tempofraktion auf den sechsten WM-Titel in Serie zu, Ferraris Aufschwung hin oder her. Die DTM, einst das Herrschaftsgebiet der Untertürkheimer, schloss ihre Saison am Sonntag mit einem Feuerwerk in Hockenheim, begleitet vom Auftritt japanischer Boliden aus dem Hause Toyota, Nissan und Honda. Die kreisten zwar um die Mercedes-Tribüne, aber der Stern ist längst kein Fixpunkt mehr. Ein Jahr nach dem Rückzug mit Krokodilstränchen hat sich diese im Kern deutsche Rennserie vom Ländle entfernt. Sie muss es, um überleben zu können.

          Daran wird auch die Steuerkunst der Fahrer, die Qualität der Rennen nichts ändern. Bis zum Ende des zweiten Drittels der Saison, bis BMW den Anschluss verlor und Audis Meisterpilot René Rast davonsauste, bot die DTM packende Zweikämpfe. Das reicht aber nicht, um im Rennen bleiben zu können, um die Attraktivität in einem zunehmend umkämpften Unterhaltungsmarkt zu steigern. Deshalb ist es ist erstaunlich, wie DTM-Boss Gerhard Berger unter diesen schwierigen Umständen den Motor am Laufen hält.

          Die Chronologie eines angekündigten Todes ist inzwischen so endlos, dass sie mehr von den starken Lebensgeistern der DTM als von ihrer Herzschwäche erzählt. Dem früheren Formel-1-Piloten ist es jedenfalls gelungen, „einige schwarze Wolken“ zu vertreiben. Berger steht für puren Rennsport. Er hat die Zuladung von Gewichten als Bestrafung der Sieger, jene groteske Gleichmacherei im Leistungssport, einkassiert und teils abstruse Teamorder-Spielchen von Konzernen wie selbstverständlich vor aller Welt angeprangert. Gleichzeitig könnte die Arbeit hinter den Kulissen auf eine rettende Internationalisierung der DTM hinauslaufen. Die Teilnahme der Japaner am Finale in Hockenheim spricht ein bisschen dafür. Einige schwarze Wolken, sagt Berger, seien verflogen. Aber manchmal reiche eine schwarze Wolke für Niederschlag aus.

          Denn selbst wenn er das Rennen um die Teilnahme der japanischen Automobil-Armada ohne Aufgabe der DTM-DNA gewinnt, wird Berger die nächste Herkulesaufgabe zu lösen haben. Die Debatte über die Folgen des Klimawandels hat den Motorsport zwar schon erreicht, wie der reihenweise Einstieg der Konzerne in die Formel E und die Umweltschutz-Missionen des Internationalen Automobil-Verbandes belegen. Aber von der Wucht der Diskussion ist die Szene wie der gesamte Spitzensport noch nicht vollständig erfasst worden.

          Das wird kommen, früher oder später. Und dann wird es nicht reichen, auf Spritexperimente hinzuweisen, die den CO2-Verbrauch um 30 Prozent reduzieren. Selbst die avisierte Umrüstung auf Hybrid-Antriebe 2021, in der Formel 1 seit 2014 im Programm, wird die wachsende Stimmung gegen den Motorsport nicht sonderlich bremsen. Obwohl diese Antriebsmodelle den bisweilen von Glycerinaggregaten aufgeladenen Batterien der Formel-E vorgezogen werden müssten, solange keine sauberen Lösungen einsetzbar sind. In diesem Fall gibt es für Berger nur einen Trost: Das Problem trifft alle.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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