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Formel-E-Chef Reigle : „Es gibt genügend Raum neben der Formel 1“

  • -Aktualisiert am

Elektro in Berlin mal anders: Die Formel E auf dem Tempelhofer Feld in der Hauptstadt Bild: Picture-Alliance

Die Formel E rast in Berlin dem Saisonfinale entgegen. Im Interview spricht Geschäftsführer Jamie Reigle über die Zukunftschancen der Elektro-Rennklasse – und wo sie spannender als die Formel 1 ist.

          4 Min.

          Jamie Reigle ist seit September 2019 CEO der Formel E. Der 43 Jahre alte Kanadier studierte Wirtschaftswissenschaften in Dartmouth, nach mehreren Kurzjobs arbeitete er zehn Jahre bei Manchester United, zuletzt als Vorstandsmitglied und Finanzchef. 2017 wechselte er als Vizepräsident zum NFL-Klub Los Angeles Rams, war dort für Finanzen, Marketing und Strategie verantwortlich.

          Vier der sechs Rennen in neun Tagen des Formel-E-Finales in Berlin sind absolviert. Wie lautet Ihr Fazit?

          Zunächst wollten wir unsere Saison zu Ende bringen. Und dies mit der gebotenen Sicherheit für die Teams, für deren Mitglieder und für die Fahrer. Dazu haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Berliner Regierung ein Konzept erstellt. Das hat hervorragend geklappt. Wir haben 1400 Menschen getestet, hatten dabei nur zwei positive Tests. Diese zwei sind umgehend in Quarantäne gegangen. Es waren tolle Tage mit sehr abwechslungsreichen Rennen. Und mit António Félix da Costa haben wir bereits den Champion.

          In der ersten Hälfte der Saison gab es in jedem Rennen einen anderen Sieger. Danach hat da Costa dominiert. Ist er deshalb ein würdiger Champion?

          Absolut. Er ist ein toller Typ, ein hervorragender Botschafter der Formel E. Er hat drei Rennen hintereinander gewonnen, war mehrfach auf dem Podium. Das spricht für seine Klasse. Trotzdem ist das Besondere der Formel E, dass sie absolut nicht vorhersehbar ist. Besonders hat mich der Heimsieg von Max Günther für BMW gefreut.

          Die Formel E hat auf dem Tempelhofer Flugfeld unterhaltsame Rennen geboten. Glauben Sie, dass Sie dadurch einige der Motorsportfans, die ansonsten die Formel E ablehnen, begeistern konnten?

          Grundsätzlich wollen Sportfans einen spannenden Wettbewerb erleben mit nicht vorhersehbaren Ergebnissen. Sie wollen Teams erleben, die sie kennen, sie wollen Sportler und Athleten sehen, mit denen sie mitfiebern können, und sie wollen eine große, ruhmreiche Vergangenheit. Die Formel E hat fast all diese Dinge. Das Einzige, was uns fehlt, ist die Historie, die andere Serien im Motorsport haben. Wir sind neu. Die Formel E verbindet über Motorsport elektrische Fahrzeuge und den Klimawandel. Wir nutzen das Spektakel Rennen, um zu zeigen, wie sich die Technik weiterentwickelt.

          Jamie Reigle ist seit 2019 CEO der Formel E. Zuvor war er unter anderem für Manchester United und den NFL-Klub Los Angeles Rams tätig.
          Jamie Reigle ist seit 2019 CEO der Formel E. Zuvor war er unter anderem für Manchester United und den NFL-Klub Los Angeles Rams tätig. : Bild: Getty

          Die Leistung wird zur Saison 2022 gewaltig ansteigen.

          Mit dem Gen-3-Auto haben wir 350 kW Leistung (476 PS) im Qualifying und 300 kW (408 PS) im Rennmodus. Das ist eine signifikante Steigerung. Dies zeigt den Verbrauchern, in welch kurzer Zeit die Batteriekapazität angewachsen ist. Zusätzlich kann an der Frontachse Energie zurückgewonnen werden. Für die Rennen bietet das den Fahrern mehr strategische Möglichkeiten. Wie viel Energie können sie in einer Runde ins System einspeisen, wie effizient sind sie unterwegs? Diese Verbesserungen sind wirklich bedeutend.

          Bei dem Gen-1-Auto mussten die Fahrer noch das Fahrzeug wechseln.

          Stimmt. Schon der Schritt zum Gen-2-Auto war ein Sprung. Und im Gen-3-Auto wird auch die Batterie 100 Kilogramm (285 statt 385) leichter sein. Weil die Autos auch schmaler und kürzer werden, bedeutet dies für unsere Rennen auf den Straßenkursen mehr Überholmanöver.

          Genügt das, um die Motorsportfans zu überzeugen?

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