https://www.faz.net/-gu4-a0ni5

Eskalation in Nascar-Serie : Strick in der Garage

  • -Aktualisiert am

„Das macht mich unglaublich traurig“: Bubba Wallace Bild: AFP

Der einzige schwarze Rennfahrer der Nascar-Serie kämpft gegen altes Südstaatendenken. Nun wird in der Garage von Bubba Wallace ein Galgenstrick gefunden. Nicht nur der Fahrer verurteilt den Vorfall scharf.

          4 Min.

          Er hat in seiner kurzen Zeit im Scheinwerferlicht schon mit vielen Schwierigkeiten gekämpft. Manchmal erstaunlich erfolgreich. So wie Anfang 2018, als er in der Vorbereitung auf seinen ersten Start bei den Daytona 500, dem prestigeträchtigsten Rennen seiner Zunft, in einem achtteiligen Dokumentarfilmserie ausgiebig über sein Leben reflektierte. Das Projekt, mit dem sich Facebook als Plattform für reizvolle Geschichten aus der Welt des Sports empfehlen wollte, machte neugierig auf mehr vom einzigen Afro-Amerikaner in einer der weißesten Sportarten der Vereinigten Staaten, dem Rennsport der Nascar-Serie.

          Und tatsächlich: Darrel Wallace jr., Spitzname „Bubba“, lieferte. Er spulte die 800 Kilometer im Hochgeschwindigkeits-Oval im Nordosten von Florida in seinem hochgezüchteten Chevrolet Camaro in knapp dreieinhalb Stunden herunter und landete mit dem Bruchteil einer Sekunde Rückstand auf dem zweiten Platz.

          Allerdings besaß Wallace damals keine Vorstellung davon, dass ihm noch eine Menge Schwierigkeiten bevorstehen würden. Und das galt nicht nur für die Jagd nach Erfolgen auf den zahllosen Rennstrecken der Nascar-Serie: „Ich war in der Saison mehrfach immer wieder deprimiert, habe alles getan, was ich konnte. Aber das war trotzdem nicht genug.“ Auch im Privatleben lief es nicht rund.

          Das oktanhaltige Gemisch aus eigenen Erwartungen und denen seines Umfelds schien er bis kurzem allmählich in den Griff zu bekommen. Die Saisonbilanz im letzten Jahr mit dem 28. Platz in der Rangliste war zwar bescheiden ausgefallen, aber als neulich nach einer monatelangen Covid-19-Pause im kleinen Oval von Martinsville – vor leeren Rängen – erstmals wieder um Punkte gefahren wurde, kam er als Elfter ins Ziel. „Mann, unser Auto war so gut“, schwärmte der 26-Jährige von der Feinabstimmung, die seine Crew hinbekommen hatte.

          So wie Wallace sticht auch dieser Wagen heraus: Er fährt neuerdings auf seiner Haube nicht etwa den Namen eines großen Sponsors spazieren, sondern das Symbolbild zweier ineinander verschränkter schwarzer und weißer Hände und der Aufschrift „Black Lives Matter“, mit dem er sich den zahlreichen landesweiten Protestaktionen gegen Polizeibrutalität gegen Schwarze anschließt.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Wallace selbst war im Laufe der letzten Wochen zu einem überraschend wirkungsvollen Katalysator der Bewegung geworden. Er hatte öffentlich die Verantwortlichen der Nascar-Serie, die ihre Wurzeln in den Südstaaten hat, aufgefordert, die alte Fahne zu verbieten, die für viele Anhänger der Rennserie zu einem populären Identifikationssymbol geworden ist: die „Rebellenflagge“ mit dem weiß umrahmten blauen Kreuz mit dreizehn weißen Sternen auf rotem Grund, mit der sich die Sklavenhalter 1861 von der Staatengemeinschaft lossagten und in den Bürgerkrieg zogen. Das Management nahm die Forderung auf und sprach einen offiziellen Bann aus. Die Fahne sei „nicht vereinbar mit unserer Verpflichtung, ein einladendes und sozial-integratives Milieu“ für alle zu schaffen: für Fans, Fahrer „und unsere Branche“.

          Weitere Themen

          Rad-Monument im Ausnahmezustand

          Mailand–Sanremo : Rad-Monument im Ausnahmezustand

          Mitten im Sommer eröffnet Mailand–Sanremo die Saison der Klassiker. Doch nicht nur der Termin ist ungewöhnlich, sondern auch die Bedingungen. Die üblichen Volksfeste am Straßenrand fallen aus.

          Topmeldungen

          Wiederaufbau in Beirut : Wer will schon das libanesische Monopoly-Geld?

          Die Bewohner Beiruts müssen nach der Explosionskatastrophe einen Wiederaufbau unter extremen Bedingungen bewerkstelligen. Manche hoffen, der innere und äußere Druck werden die korrupte politische Klasse zu Reformen bewegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.