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MotoGP : Zukunft am Sachsenring ungewiss

Dunkle Wolken über dem Sachsenring – die Zukunft bleibt weiterhin ungewiss. Bild: dpa

Der Große Preis am Sachsenring war ein Sturzfestival – die MotoGP-Fahrer sind genervt. Der nächste Grand-Prix von Deutschland wird wohl auf einer anderen Rennstrecke ausgetragen werden.

          Das Aus kam für ihn schon am Sonntagmorgen im Warm-up vor dem Großen Preis von Deutschland. Starker Regen hatte den Sachsenring unter Wasser gesetzt, Stefan Bradl versuchte, sich langsam mit seiner rund 250 PS starken Aprilia an die schwierigen Bedingungen heranzutasten. In seiner dritten Runde aber verlor er in Kurve sieben die Kontrolle über sein Motorrad - und stürzte.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die erste Diagnose der Ärzte: Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen. Bradl selbst erinnerte sich nicht an den Sturz, fühlte sich vollkommen benommen, als er aufgestanden war, und musste von zwei Sanitätern gestützt werden. Für das Rennen der MotoGP am Nachmittag erhielt er folglich ein Startverbot. Schon im vergangenen Jahr hatte der Mann aus Zahling sein Heimrennen wegen eines Kahnbeinbruchs verpasst.

          Ein Sturzfestival am Sachsenring – Alex Rins landet im Kiesbett.

          Es war ein Sturzfestival, das die rund 90.000 Zuschauer zunächst sahen. In der Moto3-Klasse stürzten acht Piloten, in der Moto2-Kategorie kamen gar nur 14 von 27 Fahrern ins Ziel. Einer davon: Jonas Folger. Der 22 Jahre alte Deutsche zeigte eines seiner besten Rennen der vergangenen Wochen, kämpfte sich von Startplatz 13 nach vorne und lag in der letzten Kurve sogar in Führung. Erst auf der Zielgeraden musste sich Folger dann dem Franzosen und WM-Führenden Johann Zarco geschlagen geben.

          Beide trennten nach etwa einhundert Kilometern nur 59 Tausendstelsekunden. Ein Wimpernschlag. „Für einen Moment habe ich geglaubt, dass ich das Ding hier gewinne“, sagte Folger. Das Duell der beiden war womöglich ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr, in dem Folger und Zarco als Teamkollegen bei Yamaha-Tech 3 in der MotoGP an den Start gehen werden.

          Auf Touchfühlung: Jonas Folger beendet das Rennen in der Moto2-Klasse als Zweiter, wird aber empfangen wie ein Sieger.

          Dass auch seine künftigen Gegner Fehler machen, sah Folger am Nachmittag. Als das Rennen der MotoGP-Klasse gestartet wurde, war der Asphalt noch nass, allerdings trocknete der schmale Streifen auf der Ideallinie schnell ab und von der Halbzeit des Rennens an war der Kurs auf der Breite von mehreren Metern bereit für Trockenreifen. Als Erster erkannte dies der Spanier Marc Márquez, zu dem Zeitpunkt rund zehn Sekunden hinter der Spitze, bog ab in die Boxengasse und wechselte seine Honda.

          Fortan war er rund fünf Sekunden schneller als der Rest des Feldes, und als auch die Führenden rund um den Italiener Valentino Rossi merkten, dass auf Regenreifen nichts mehr zu holen war, da war Márquez längst auf und davon. „Ich habe in den ersten Runden sehr viel Risiko genommen, das hat sich am Ende ausgezahlt“, sagte Márquez, der das Rennen überlegen vor Cal Crutchlow (Honda) und Andrea Dovizioso (Ducati) gewann.

          Rossi wurde lediglich Achter, sein Yamaha-Teamkollege Jorge Lorenzo kam gar nur als Fünfzehnter ins Ziel. Márquez baute durch seinen siebten Erfolg am Sachsenring seine Führung in der Gesamtwertung aus. Nach neun von achtzehn Rennen kommt er auf 170 Punkte, Lorenzo folgt mit 122, Rossi mit 111. Eine Konstellation, die Spannung verspricht für die zweite Saisonhälfte.

          Finanzielle Probleme beim Sachsenring

          Hinter den Kulissen gibt es Ärger. Dabei wurde schon vor den Rennen am Sonntag bekannt, dass der Vermarkter Dorna den Vertrag mit dem ADAC als Lizenzinhaber um fünf Jahre verlängert hat. Ob der deutsche Motorrad-Grand-Prix damit allerdings weiterhin am Sachsenring ausgetragen wird, ist längst nicht sicher. „Wir und der ADAC werden in den nächsten Wochen bekanntgeben, auf welcher Strecke der Deutschland-GP stattfinden wird“, sagte Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta. Der Ausrichter des Grand Prix, die Sachsenring-Rennstrecken-Management GmbH (SRM), steckt in finanziellen Problemen. Der Sachsenring ist keine permanente Rennstrecke, Jahr für Jahr müssen deshalb mobile Tribünen aufgebaut werden.

          Zudem sind die Naturtribünen, der Zeltplatz Ankerberg und einige Parkflächen in Besitz von Privatpersonen, die mit dem Rennen ebenso etwas verdienen wollen. Allein dafür wird jeden Sommer mehr als eine halbe Million Euro fällig, hinzu kommt der Betrag an die Dorna – geschätzt drei Millionen Euro. Bis Mitte August will Hermann Tomczyk, der Motorsportpräsident des ADAC, nun Klarheit darüber, ob die SRM den Deutschland-Grand-Prix weiter ausrichten kann. Wenn nicht, könnte es zu einer Rückkehr des Motorrad-Zirkus an den Nürburgring kommen. Was die Fahrer vom Sachsenring halten, hatte Bradl schon am Freitag erzählt: „Es macht mir einfach keine Freude hier, und das geht allen MotoGP-Fahrern so. Der Sachsenring ist für uns einfach nur öde, ein Schmarrn.“

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