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DTM : Vollbremsung im Streit um Zusatzgewichte

  • -Aktualisiert am

Kein Ende im Streit um die Zusatzgewichte bei der DTM. Bild: dpa

In der DTM geht es rund – Beim Renn-Wochenende in Moskau verschärft sich der Streit um die Performance-Gewichte in den Autos. Dabei sind sich fast alle einig, wie die Zukunft aussehen soll.

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          Am Samstagabend kurz vor 23 Uhr sprach Hans-Joachim Stuck ein Machtwort. Dem Präsidenten des Deutschen Motorsport-Bundes (DMSB) war beim Auftritt der DTM in Moskau genug über die Performance-Gewichte diskutiert worden. „Wir müssen endlich im Sinne des Sports eine Lösung finden, die die Performance-Gewichte abschafft. Der Fan will Rennfahrer sehen, die von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas geben. Es ist unser gemeinsamer Job, dies zu ermöglichen“, sagte der ehemalige Rennfahrer.

          Dieser Vollbremsung war eine wochenlange Streiterei zwischen den beteiligten Parteien vorausgegangen. Vor allem die drei Hersteller Audi, BMW und Mercedes waren sich nicht einig, wie ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Zweimal waren die Regeln geändert worden. Vor Saisonbeginn wurde festgelegt, dass die Trainingsleistung zur Berechnung der Performance-Gewichte herangezogen werden, nach dem zweiten Rennen waren es dann die Rennergebnisse. Immer wieder jedoch fanden die Ingenieure Schlupflöcher, wie sie das Reglement austricksen konnten. Zuletzt gaben sie ihren Fahrern eine Rundenzeit vor, die diese möglichst exakt einhalten sollten.

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          Dabei sind sich fast alle einig, wie die Zukunft aussehen soll. „Wenn ich der DTM-Chef wäre, würde es keine Gewichte geben. Fertig!“, sagt Audi-Pilot Mattias Ekström. Auch Gerhard Berger als Chef des DTM-Vermarkters ITR ist gegen die Gewichte. Uneinigkeit herrscht bei den Herstellern. Allein in der vergangenen Woche haben die drei DTM-Sportchefs Dieter Gass (Audi), Jens Marquart (BMW) und Ulrich Fritz (Mercedes) dreimal miteinander über dieses Thema gesprochen.

          Immer mit demselben Ausgang: Audi und Mercedes waren für eine Abschaffung, BMW will weiter Ballast zu- oder ausladen. „Gewichte sind ein probates Mittel für ausgeglichene, spannende Rennen, ohne dass Unsummen für Entwicklung ausgegeben werden müssen“, argumentiert Marquardt. Dagegen kontert Berger: „Wenn ich meinen Job nicht richtig gemacht habe, dann lade ich den anderen Gewicht ein.“

          Schon seit Jahren generiert sich der M4 wie eine launische Diva. Und die BMW-Ingenieure wissen nicht warum. Zunächst konnte nur Marco Wittmann das Biest zähmen. So erfolgreich, dass er 2014 Champion wurde. Im vergangenen Jahr wurde den Münchner dann mit einer „Lex BMW“ geholfen, dass sie weniger Basisgewicht mitzuschleppen hatten und einen breiteren Heckflügel nutzen durften.

          Wieder beendete Wittmann die Saison als Bester. In diesem Jahr tun sich die BMW-Piloten schwer. In Moskau reichte es zweimal für Platz drei – am Samstag durch Wittmann beim Sieg von René Rast (Audi), am Sonntag durch Bruno Spengler beim Erfolg von Maro Engel (Mercedes).

          Hans-Joachim Stuck tritt auf die Notbremse

          Nachdem sich die Hersteller nicht auf eine Linie haben einigen können, hatte der DMSB vor den Rennen in Moskau einen Vorschlag gemacht. Um das Zielzeitfahren zu unterbinden, sollte nach dem Rennen ein Zufallsgenerator eine Zahl zwischen 15 und 30 ausspucken. Dementsprechend viele Rundenzeiten von den besten drei Piloten jedes Herstellers hätten dann als Basis zur Berechnung der Gewichte herangezogen werden sollen. Für Außenstehende ist das längst nicht mehr nachvollziehbar.

          Genau deshalb trat Hans-Joachim Stuck auf die Notbremse. Für ihn gibt es nur einen logischen Schluss: „Ich werde unmittelbar nach dem Rennen in Moskau die Verantwortlichen der Hersteller, der ITR und des DMSB zusammenrufen, um eine finale Lösung zu erarbeiten.“ Zustimmung erhält er von Ulrich Fritz. Für den Mercedes-Mann steht unmissverständlich fest: „Der nächste Schuss muss sitzen.“

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