https://www.faz.net/-gu4-af0gd

DTM auf dem Nürburgring : Wilder Crashkurs in der Eifel

  • -Aktualisiert am

Nicht zu schlagen: Alexander Albon bei seinem Sieg in der Eifel Bild: Picture-Alliance

Beim Sieg von Alex Albon am Sonntag im Ferrari kommen nur 14 von 23 Fahrern ins Ziel. Das Wetter spielte dabei keine entscheidende Rolle. Trotzdem fühlten sich manche Fahrer wie „in der Hölle“.

          2 Min.

          Der dreimalige Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart hat den Nürburgring als „Grüne Hölle“ bezeichnet. Das war Ende der 1960er Jahre. Zwar wird mittlerweile fast ausschließlich beim 24-Stunden-Rennen die mehr als 20 Kilometer lange Berg-und Tal-Runde gefahren, der Respekt aber selbst vor dem vergleichsweise kurzen Grand-Prix-Kurs in der Eifel ist bei den Fahrern der heutigen Generation geblieben.

          Schon allein wegen des unvorhersehbaren Wetters. Bis auf einen kleinen Schauer vor dem Qualifying am Sonntag hatte dies beim Auftritt der DTM keine entscheidende Rolle gespielt. Wie „in der Hölle“ fühlten sich einige Piloten trotzdem. Beleg dafür sind drei Einsätze des Safetycars. Einige Fahrer hatten sich zu wild aufgeführt.

          Ein Opfer der zunehmenden Aggressivität war Kelvin van der Linde. Am Samstag noch war der Südafrikaner, der in einem Audi R8 für das Team Abt-Sportsline fährt, noch der gefeierte Held. Als Trainingsschnellster und Rennsieger baute der 25-Jährige seine Führung in der Meisterschaft aus. Am Sonntag jedoch schied er aus. Liam Lawson hatte ihn in einem sehr optimistisch angelegten Überholmanöver aus dem Rennen befördert. Neben van der Linde traf er auch noch dessen Teamkollegen Mike Rockenfeller.

          „Vorausschauend agieren“

          „Der Typ dreht mich einfach um“, klagte van der Linde über Lawsons harte Gangwahl. Der 19 Jahre alte Neuseeländer hatte sich vor der Schikane als Dritter neben die beiden Audi-Piloten mit zu viel Geschwindigkeit gesetzt. „Zu zweit ist es in der Schikane schon eng“, sagte Rockenfeller, „da muss man einfach ein wenig vorausschauend agieren, da fehlt ihm die Erfahrung.“

          Diese Zurückhaltung hatte Lawson auch schon am Samstag gefehlt, als er im Omega nach Start und Ziel auf seiner Vorfahrt beharrte, während Markus Winkelhock ihn innen überholen wollte. Es folgten Berührung und Dreher. Als Winkelhock, der dafür eine Durchfahrtsstrafe erhielt, nach dem Rennen um Entschuldigung bat, attackierte Lawson ihn so aggressiv wie auf der Rennstrecke.

          „Ich bin einem BMW ausgewichen“

          Wie man’s cleverer macht, wenn man den Titel gewinnen will, hatte Kelvin van der Linde an derselben Stelle im Zweikampf mit Timo Glock demonstriert. Bevor es zur Berührung kam, öffnete er die Lenkung und brach damit seinen Überholvorgang ab. Am Ende wurde er trotzdem mit dem Sieg belohnt.

          Wie hart in der DTM, in der am Wochenende 23 Fahrer mit Fahrzeugen von sieben Herstellern teilnahmen, derzeit gefahren wird, musste auch Michael Ammermüller feststellen. In beiden Rennen sah der Porsche-Fahrer nicht die Zielflagge. „Ich bin einem BMW ausgewichen“, beschrieb er die Szene vom Samstag, „dann kam von außen ein Mercedes.“

          Als er zum Reifenwechsel an die Box abbog, konnten seine Mechaniker das linke Vorderrad nicht aus dem Radkasten ziehen. Die Karosserie zu sehr beschädigt. Es blieb nicht bei diesem Ausfall. Von den 23 Fahrern sahen nur 14 die Zielflagge. „Man muss sich entscheiden, wie viel man riskieren will“, sagte der zweimalige DTM-Meister Marco Wittmann, der am Sonntag Dritter wurde. Besser war der frühere Formel-1-Pilot Alex Albon, dem im Ferrari der erste DTM-Erfolg gelang.

          Klare Frontbildung

          Bei Saison-Halbzeit lässt sich eine ziemlich klare Frontbildung unter Fahrern erkennen. Etwa zwischen Kelvin van der Linde und Maximilian Götz, mit 33 Punkten Rückstand dessen erste Verfolger. Schon in den vergangenen Rennen hatten sie sich immer wieder vorgeworfen, dass Markenkollegen für den einen oder anderen fahren würden und damit indirekt wieder eine Stallregie zum Tragen käme.

          Beide wiesen den Vorwurf zurück, ließen aber erkennen, was sie bewegt: „Mein Ziel ist ganz klar, den van der Linde hinter mir zu halten – mit allen Mitteln“, sagte Götz, der von Position fünf an am Sonntag ins Rennen ging und Vierter wurde. van der Linde, Siebter im Training, sagte zu seiner Strategie: „Ich fahre volle Attacke, ich habe meinen Freund Maxi vor mir.“

          Im Rennen hatten sie keinen Kontakt, weil van der Linde versucht, sich mit Blick auf den Gesamtsieg aus den Zweikämpfen herauszuhalten. Was nicht immer gelingt. „Das Problem hat mich trotzdem gefunden“, sagte er und lächelte gequält. In zwei Wochen kann es in Österreich, bei den Rennen in Spielberg, zur nächsten intensiven Begegnung kommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Reem Alabali-Radovan, die neue Staatsministerin für Integration im Bundeskanzleramt

          Reem Alabali-Radovan : Vom Flüchtlingskind zur Staatsministerin

          Reem Alabali-Radovans Eltern sind vor ihrer Geburt aus dem Irak geflüchtet, zur Welt kam sie in Moskau. Nach nicht einmal zwei Jahren in der Landespolitik von Mecklenburg-Vorpommern zieht sie nun als Integrationsstaatsministerin ins Kanzleramt ein.