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Formel E statt Le Mans : Audis Kurzschluss

  • -Aktualisiert am

Bei Audi gehen in Le Mans die Lichter aus Bild: AFP

Das Rennen um die Zukunft will Audi künftig elektrisch austragen – und zieht sich vom berühmtesten Langstreckenrennen der Welt zurück. Doch die neue Liebe des Autoherstellers zu Boliden mit Batterieantrieb trügt.

          Schön gesagt: „Das Rennen um die Zukunft tragen wir elektrisch aus.“ So hat Rupert Stadler, der Vorstandsvorsitzende von Audi, am Mittwoch den – längst erwarteten – Rückzug der VW-Marke vom berühmtesten Langstreckenrennen der Welt begründet. Audi fährt im nächsten Jahr nicht mehr in Le Mans und zieht sich überhaupt aus diesem Verkehrs-Geschäft der sogenannten WEC-Serie mit überaus erfolgreichen Auftritten etwa in den Vereinigten Staaten zurück.

          Auch eine Abwendung des VW-Konzerns aus der Rallye-Szene wird diskutiert. So eine Erklärung riecht nach guter Luft im Umfeld kommender Audi-Boliden auf den Rennstrecken dieses Globus: „Wenn die Serienautos elektrisch sein werden“, fügte Stadler seiner Begründung hinzu, „dann müssen es die Motorsportwagen als technologische Spitze von Audi erst recht sein.“

          Gewaltig unter Strom

          Wäre die Formel E, die (noch) ziemlich schwachbrüstige Batterievariation von Bernie Ecclestones Hochleistungsserie im Verbrennen von Benzin (60 Liter auf 100 Kilometer) und Geld, an der Börse notiert, dann hätte der Kurs wohl einen Sprung gemacht. Weil Stadler nicht nur einen Stecker gezogen, sondern längst einen anderen in die Dose geschoben hat: Audi hat sein Engagement in der Formel E erweitert, plant, von der nächsten Saison an mit einem Werksteam anzutreten.

          Ausgerechnet jene Fraktion im VW-Konzern, die das Projekt einst gar nicht haben wollte, geriert sich jetzt als sauberer Vorkämpfer. Also müssten die Freunde von Boliden mit Batterieantrieben im Heck, vor allem aber die Spekulanten in diesem Geschäft frohlocken angesichts der naheliegenden Logik: Wer mit dem Bild von einer Revolution hier aussteigt und mit der Schilderung von einer großen Zukunft der Batterie-Sause dort einsteigt, der wird doch wohl die Ressourcen umlenken. Fließen also 300 Millionen und mehr pro Jahr künftig aus dem Langstreckentopf in die Formel E?

          Sicher nicht. Stadler sprach in seiner Begründung auch von „aktuellen Belastungen“. Das ist der Kern der Wahrheit. Der VW-Konzern steht gewaltig unter Strom. Er muss enorm sparen, um die Folgen des Diesel-Abgasskandals abfedern zu können. Abteilungen von Audi, die bares Geld produzieren, dürften angesichts der Sparwelle nachgefragt haben, ob es nicht sinnvoll sei, die wachsenden Ausgaben im Motorsport zu beschneiden.

          Vor allem, wenn viel Geld investiert wird, aber einer Siegesserie Niederlagen folgten, die auch in Zukunft nicht vermeidbar wären – etwa in Le Mans, beim Rennen gegen die Konzernschwester Porsche. Die Formel E ist vorerst nicht viel mehr als ein interessantes Spekulationsobjekt für Konzerne wie BMW, Mercedes und auch VW. Sie wollen dabei sein, falls die Serie ins Laufen kommen sollte. Die Vermutung, Audis Führung habe den Schalter umgelegt, weil sie außerordentlich elektrisiert sei von der Formel E, ist ein Kurzschluss.

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          Anno Hecker

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