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Alessandro Zanardi : Handbike-Olympiasieger gibt Comeback im Motorsport

  • Aktualisiert am

Mann und Maschine: Alessandro Zanardi mit seinem Rennauto Bild: dpa

Alessandro Zanardi kehrt motorisiert auf die Rennstrecken zurück: Der beinamputierte ehemalige Formel-1-Pilot und Handbike-Olympiasieger nimmt an einer Rennserie teil.

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          Handbike-Paralympicssieger Alessandro Zanardi will künftig auch mit weniger Muskelkraft wieder Tempo machen. „Ich dachte, es wäre gar nicht verkehrt, angetrieben zu werden, nachdem ich mich so lange selbst angetrieben habe“, sagt der beidseitig beinamputierte ehemalige Formel-1-Pilot und meint nach zahlreichen Erfolgen mit dem Handbike damit sein Comeback am Steuer. Für das Team ROAL Motorsport startet der Italiener 2014 in einem BMW Z4 GT in sechs Rennen der Blancpain GT Series. „Hier sind wir, am Anfang eines neuen Abenteuers, auf das ich mich sehr freue.“ Bei einem ChampCar-Unfall 2001 auf dem Lausitzring verlor Zanardi beide Beine oberhalb der Knie, drei Viertel seines Blutes und fast sein Leben. Seither ist er auf seine Prothesen und Gehhilfen angewiesen. Dass er einen Rennwagen trotzdem schnell bewegen kann, hat er bereits bei seinen Starts in der Tourenwagen-WM bewiesen.

          Seit 2009 ruhte die Rennfahrerkarriere. 2012 durfte Zanardi dann auf dem Nürburgring in einem umgebauten DTM-Flitzer 32 Runden drehen - und ist nun wieder Werksfahrer bei BMW. Denn der nasskalte Tag in dem Gold-lackierten M3 DTM hat sein Verlangen nach Motorsport nicht befriedigt, sondern befeuert. „In meinem Alter vermisse ich nicht die Möglichkeit, einen Rennwagen schnell zu bewegen. Ich vermisse die Möglichkeit, die Leidenschaft, die Intensität und die Hingabe für die Dauer einer Saison zu haben“, beschreibt Zanardi in hervorragendem Englisch mit sympathisch italienischem Akzent seine Gefühle. „Das Angebot, dass mir meine Freunde von BMW Motorsport gemacht haben, ist großartig unter allen Gesichtspunkten“, sagt Zanardi im Showroom der Münchener am Rande von Aufnahmen vor dem Comeback. „Die Dauer der Saison passt zusammen mit meinem restlichen Leben, ohne zu viel durcheinanderzubringen.“

          Mann und unmotorisierte Maschine: Zanardi nach dem Gewinn der Goldmedaille 2012 mit seinem Handbike
          Mann und unmotorisierte Maschine: Zanardi nach dem Gewinn der Goldmedaille 2012 mit seinem Handbike : Bild: dpa

          Denn nach seinen zwei Goldmedaillen mit dem Handbike bei den Paralympics in London will Zanardi auch diesem Sport treubleiben. Parallel zu den Auftritten im Z4 will er weiter an Weltcup-Rennen, den Weltmeisterschaften und Marathons teilnehmen. „Ich werde auch am Berlin-Marathon teilnehmen, zum ersten Mal“, kündigt er an. Alles als Vorbereitung für die nächsten Paralympics 2016. „Rio ist ein Ziel, keine Option. Ich will da hin“, sagt der Familienvater.

          Bissiger Humor

          Trotz der Erfolge und des Respekts, den ihm die Menschen nach seinen Medaillen aus London entgegen bringen: Bekannt war Zanardi schon zuvor. 41 Formel-1-Rennen ist er gefahren, blieb dabei aber ohne Sieg. In der amerikanischen ChampCar-Serie war er dagegen 15 Mal Erster und feierte 1997 und 1998 den Gesamtsieg. Aus seiner Zeit in den Staaten stammt auch „Alex“ anstelle von „Alessandro“ - das war den TV-Kommentatoren schlicht zu lang und zu kompliziert. Nach dem Unfall 2001 fuhr er in einem umgerüsteten BMW in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) und gewann 4 von 105 Rennen. „Der erste Sieg dort war eine der größten Leistungen meiner Rennfahrerkarriere“, sagt Zanardi, der mit den Händen Gas gibt und mit der Prothese bremst.

          Nie zuvor war einem behinderten Fahrer ein Sieg auf diesem Niveau gelungen. Dass Motorsport zumindest mit Blick auf die fehlenden Beine sicherheitstechnisch für ihn machbar ist, weiß er seit der Zeit in der WTCC. Auch ohne Beine könne er ein Auto notfalls schnell verlassen. „Es schaut vielleicht nicht schön aus, aber rauskommen, das ist kein Problem“, erklärt er. „Zudem habe ich ein Privileg: Falls meine Beine eingeklemmt werden sollten, kann ich sie einfach im Auto lassen. Ich habe noch ein paar mehr zu Hause.“

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