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24 Stunden von Le Mans : Voll am Limit

Rennfahren im Abendrot: Die Silhouette eines Flitzers in Le Mans Bild: dpa

Ein Tag der Extremleistungen am Lenkrad und andernorts: Die Fans lieben den Heavy-Metal-Sound der ultimativen Motorsportshow, während der 24 Stunden von Le Mans. Ein deutscher Fahrer zählt zu den Siegern.

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          Die kleine Achterbahn mit dem deutschen Namen wirkt putzig. Einsam und ohne Insassen rattert ein Wagen der „Wilden Maus“ die dürren, gelben Schienen hinauf. Von ganz oben müsste man eigentlich einen schönen Blick auf die Piste haben, wo das legendärste Autorennen der Welt gerade Fahrt aufnimmt: die 24 Stunden von Le Mans. Brüllend schießen hinter dem Kirmes-Oldtimer die Boliden von Porsche, Audi, Toyota und Nissan vorbei, nehmen Kurs auf die Zielgerade. Die Motoren röhren ihren Heavy-Metal-Sound heraus wie wütende wilde Tiere. Das ist der Klang, den die Fans dieser ultimativen Motorsportshow lieben. 24 Stunden voll am Limit, ein Tag der Extremleistungen am Lenkrad und andernorts.

          Mehr als 250.000 Menschen kommen auch in diesem Jahr wieder an die Rennstrecke und feiern ein deftiges, dampfendes Volksfest. Dicht gedrängt stehen sie an den Zuschauerpunkten, massige Männer aus aller Herren Länder mit freiem Oberkörper und nur einer freien Hand. Die andere Pranke umklammert meist den gefüllten Plastikbecher mit Bier, das hier in Strömen fließt und ein großer Beitrag ist beim Umsatz, den das Rennen alljährlich generiert. Mit 150 Millionen Euro wird in diesem Jahr kalkuliert – ein riesiger Wirtschaftsfaktor in dem Städtchen und der Region abseits der großen Touristenströme.

          Fast alles ist legendär

          Auch die 83. Auflage des Rennens ist ein archaisch wirkendes Spektakel voller Rituale und Zeremonien. 24 Stunden vollgepackt mit infernalischem Lärm und exzessiver Lust am Extremen: an der Technik, die die Fans in den Bann zieht, den Pferdestärken, dem Schein der in der hereinbrechenden Nacht glühenden Bremsscheiben, dem Ballern der Auspuffrohre im Schiebebetrieb vor den Bremspunkten von Kurven, die klangvolle Namen tragen wie Arnage, Tetre Rouge, Mulsanne.

          Dann gibt es da noch diese lange, legendäre Gerade: die Ligne Droite des Hunaudières erstreckt sich über fast fünf Kilometer durch den schattigen Wald von Le Mans. Die Direttissima ist mit zwei Schikanen versehen worden, nachdem dort 1990 ein so wahnwitziger wie lebensgefährlicher Topspeed von 405 Kilometern in der Stunde gemessen wurde. Testosterongeladene Fans der Sportart bezeichnen die Entschärfung auch gerne als Kastration.

          Mit Fernlicht: Sieger Nico Hülkenberg fährt in die Nacht

          Der Puls schnellt in die Höhe, wenn die Rennwagen im Höllentempo vorbeijagen, knapp 350 Kilometer in der Stunde mithilfe der Hybridtechnik mit Elektro- und Verbrennungsmotoren werden erreicht, die Systemleistung von 1000 Pferdestärken und mehr pflastert der Allradantrieb auf den heißen Asphalt; in 4,5 Sekunden von null auf zweihundert Kilometer in der Stunde katapultieren die Hybrid-Aggregate die Autos raketenartig nach vorne. Die Fans johlen, wenn ihre Helden in Wagen vorbei brettern, die an Kampfjets aus dem Krieg der Sterne erinnern. Tatsächlich ist Le Mans so etwas wie ein rasendes Experimentallabor der großen Konzerne, die die den Griff nach den Sternen wagen. Allen voran Audi, Porsche und Toyota.

          Die schnellen R 18 e-tron quattro aus Ingolstadt haben den Fight in den zurückliegenden fünf Jahren stets für sich entschieden. Aber schon im vergangenen Jahr spürten sie den heißen Atem der Porsche 919 Hybrid im Nacken, die bis kurz vor Ende des Rennens vorne gelegen hatten und dann wegen technischer Defekte ausschieden. Nun macht sich ein Jüngling auf den Weg zum Sieg. Nico Hülkenberg, der 27 Jahre alte Formel-1-Fahrer, sitzt das erste Mal bei einem 24-Stunden-Rennen am Steuer. „Jetzt bin ich hier entjungfert“, lässt Hülkenberg wissen, der gemeinsam mit dem Neuseeländer Earl Bamber und dem Briten Nick Tandy am Start – und am Ende der Sieger ist. Auf Platz zwei jagt am Sonntag ein weiterer Porsche mit Timo Bernhard, Mark Webber und Brendon Hartley.

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