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24 Stunden von Le Mans : Voll am Limit

Porsche liegt vorn

In der Frühe gegen sieben Uhr ist der Himmel über den Circuit de la Sarthe noch bleigrau, als der Audi von Marcel Fässler einen Teil seiner Heckverkleidung verliert, was sich die Teamleitung nicht erklären kann. Eine Berührung mit einem anderen Auto habe es nicht gegeben, hieß es. An der Box fliegen die Hände der Mechaniker, die neue Teile montieren. Fässler verliert dennoch zwei Runden, während die Porsche immer weiter nach vorne stoßen. Schon zehn Minuten vor dem Ende der langen Hatz geht Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich zum Gratulieren in die Box von Porsche.

Es wird am großen Rad gedreht: Die 24 Stunden von Le Mans

Kurz danach landet der Rennwagen aus Ingolstadt mit Fässler, Vorjahressieger André Lotterer und Benoit Tréluyer Platz drei. Der zweite R 18 e-tron quattro mit Lucas di Grassi, Loic Duval und Oliver Jarvis belegt Rang vier; der dritte Audi (Filipe Albuquerque, Marco Bonamoni, René Rast) auf Rang 7. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagt Ullrich, „es war ganz einfach nicht unser Rennen.“ Für die Le-Mans-Neulinge von Nissan gibt es mit ihrem GT-R-Nismo nichts zu holen, kritische Beobachter sprechen nach dem Aus der beiden roten Renner von einer Blamage. Triumph und Enttäuschung liegen eng beieinander. Bei Toyota mit ihren Le Mans Prototypen geht der Trend eher zu Letzterem. Der führende Hersteller von Serien-Hybridfahrzeugen kommt in Le Mans nicht ganz hinterher und hat mit dem Kampf um den Sieg nichts zu tun und belegt die Plätze sechs und acht.

Andere haben massivere Probleme. Die Fans an der Strecke genehmigen sich gerade ihren ersten Frühschoppen, als der 55 Jahre alte Hamburger Gentleman-Fahrer Roald Goethe mit seinem Aston Martin den Porsche von Hülkenberg touchiert und in eine Mauer kracht. „Sieht übel aus“, meldet der Ferrari-Boxenfunk. Die Entwarnung kommt wenig später. Goethe geht es gut, er hat den Crash überstanden. Der Unfallort liegt unweit der Start- und Zielgeraden, wo vor 60 Jahren 82 Menschen starben, als der Silberpfeil des Franzosen Pierre Levegh in die Menge flog. 117 Menschen sind bei den Rennen in Le Mans bislang gestorben, zuletzt kam 2013 der dänische Aston-Martin-Fahrer Allan Simonsen ums Leben.

Kunterbunte Stadt aus Buden

Gefahr und Genuss, Eleganz und Befremdliches liegen dicht beieinander. Während eine Horde englischer Fans große Wasserpistolen mit Bier befüllt, um damit vorzugsweise schick gekleidete Insassen vorbeifahrender Cabriolets zu bespritzen, werden gleich nebenan Würste gegrillt und Crèpes gebacken. Durch die kunterbunte Stadt aus Buden, Bars und den edlen Hospitality-Bungalows der Hersteller wälzt sich ein internationaler Zuschauerstrom.

Audi hat gleich sechs Anlaufstellen für seine Gäste, Porsche lockt mit kühler Eleganz und Fahrsimulatoren. Es dröhnt und wabert an allen Ecken und Enden, Prominente schlendern vorbei, der französische Präsident François Hollande gibt sich beim Start die Ehre, während die Jets der Équipe Tricolore im Tiefflug über den Circuit donnern. Fährt man ein paar Minuten hinaus aus dem Areal, sieht man am Waldrand Maultiere friedlich über eine grüne Wiese trotten. Von da aus kann man dann auch noch die „Wilde Maus“ sehen. Und noch immer will keiner auf der kleinen, alten Achterbahn mitfahren.

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