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Motorsport : „Zahnspangen-Schumi“: Erst Abi, dann Reifeprüfung Formel 1

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Die Formel 1 buhlt um den „Rookie”

Die Formel 1 buhlt um den „Rookie” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sebastian Vettel ist gerade 18 Jahre alt geworden und gilt als das größte Talent im Motorsport. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll der Formel-3-Pilot seine Chance in der Königsklasse bekommen.

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          Sebastian Vettel ist gerade 18 Jahre alt geworden - und Spitznamen wie „Turbo-Basti“, „Deutschlands schnellstes Milchgesicht“ oder „fixer Junge“, die ihm zuletzt angeheftet wurden, rufen bei einem jungen Erwachsenen naturgemäß wenig Begeisterung hervor. Doch richtig schlecht gelaunt wird Vettel erst, wenn man ihn „Zahnspangen-Schumi“ nennt: „Meine Spange ist seit einem halben Jahr raus“, sagt der Nachwuchs-Rennfahrer entschieden, „und einen zweiten Michael Schumacher wird es definitiv nicht mehr geben.“

          Vettel hat es nicht leicht, die hohen Erwartungen zu dämpfen. Der siebenmalige Formel-1-Champion Schumacher steht im Herbst seiner Karriere, und obwohl sein Bruder Ralf und Nick Heidfeld seit Jahren solide Leistungen in der Königsklasse des Motorsports zeigen, scheint keiner von beiden die übergroßen Fußstapfen des Ausnahmepiloten ausfüllen zu können. PS-Deutschland sucht den neuen Superstar - und da kommt Vettel gerade recht.

          Morgens um halb fünf wird gejoggt

          Schließlich bestehen zwischen seinem und Schumachers Werdegang erstaunliche Parallelen: Auch Vettel sauste schon als Kindergartenkind im Kerpener Kart-Klub „Graf Berghe von Trips“ gegen weitaus ältere Konkurrenten um die Wette, auch er gewann schon als Vierzehnjähriger die deutsche Kartmeisterschaft, auch er wurde frühzeitig vom Unternehmer Gerhard Noack entdeckt. Und ebenso wie Schumacher besticht der junge Hesse nicht nur durch bloßes Talent am Steuer, sondern auch durch technisches Know-how - sowie vor allem unbändigen Ehrgeiz: An Renntagen joggt er schon mal morgens um halb fünf um den Kurs, um sich Ideallinie und Bremspunkte noch einmal genau anzuschauen. Bei Fitness-Tests hängt er seine Altersgenossen ohnehin spielerisch ab.

          Auf der Rennstrecke zeigt sich ein ähnliches Bild. 2004 gewann der Gymnasiast 18 von 20 Rennen in der Formel BMW, der weltweit führenden Einsteigerserie für ehemalige Kartpiloten in den Automobilrennsport. In diesem Jahr hat er schon vor dem Saisonfinale an diesem Wochenende in Hockenheim die Rookie-Wertung der Formel-3-Euroserie gewonnen. Diese Klasse gilt neben der GP2-Kategorie, in der Nico Rosberg gerade sein Meisterstück absolvierte, als wichtigstes Sprungbrett in die Formel 1. „Er hat den gleichen Willen und Ehrgeiz wie Michael“, verkündet Förderer Noack stolz - während sich sein Schützling mit Händen und Füßen gegen alle Vergleiche wehrt: „Was Schumacher geleistet hat, ist einzigartig. Ich selbst habe bisher nur ein einziges Mal in einem Formel-1-Auto gesessen.“

          Ein herausragendes Talent

          Schon das ist erstaunlich. Ende September ließ BMW-Williams den gerade 18 Jahre alten Heppenheimer in Jerez erstmals ans Steuer des 900 PS starken FW27. Nur Landsmann Rosberg, Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg und aussichtsreichster Bewerber für ein Williams-Cockpit in der kommenden Saison, war 2002 noch ein paar Tage jünger als er gewesen. In die Wege geleitet wurde Vettels vielbeachtete Testfahrt von BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen: „BMW sieht in ihm ein herausragendes Talent, das weitere Unterstützung verdient hat.“

          Er meint es ernst. Schon vor Saisonbeginn nahm er Vettel langfristig unter Vertrag - obwohl „Deutschlands Junior-Motorsportler des Jahres 2004“ in der Formel 3 ausgerechnet ein Auto des Erzrivalen Mercedes steuert, da BMW selbst keine Formel-3-Fahrzeuge baut. Heute klebt auf Vettels Bolide zwar der Stern aus Stuttgart; er selbst trägt auf seinem Overall aber überhaupt kein Logo - und bei internen BMW-Veranstaltungen den weiß-blauen Propeller der Münchener. Nie zuvor haben sich die beiden großen deutschen Autobauer auf einen derartigen Kompromiß eingelassen.

          Erst einmal Abitur

          Und dann gibt es noch eine dritte Partei, die sich brennend für Vettels Dienste interessiert: sein langjähriger Hauptsponsor Red Bull. „Wenn er nicht stagniert, bekommt er bei uns in den nächsten ein bis zwei Jahren seine Formel-1-Chance“, verspricht Dietrich Mateschitz, der Chef des österreichischen Getränkeherstellers. 2007 winkt Vettel ein Cockpit bei der „Squadra Toro Rosso“, dem ehemaligen Minardi-Team, das Mateschitz vor einigen Wochen übernommen hat, um von ihm gesponserte Nachwuchspiloten in der Formel 1 anzulernen. Zeitweise war der Deutsche sogar schon für die nächste Saison im Gespräch. Doch diese Idee scheiterte an seinem Veto. „2006 mache ich erst einmal Abitur“, sagt der Oberschüler, „denn im Motorsport kann es mit einem ganz schnell bergab gehen.“ Sebastian Vettel ist wirklich mehr als nur ein fixer Junge.

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