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Motorsport : Warten auf den „Big Bang“ und die Kettenreaktion

  • -Aktualisiert am

Gejubelt wurde schon länger nicht mehr Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Seit Jahren warten die deutschen Fans auf einen Motorrad-Rennfahrer von Format. Doch bei den Kandidaten erreicht der Leistungspegel immer neue Tiefstände. Deshalb wird der Sport hierzulande kaum noch wahrgenommen.

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          Vor kurzem schaffte es der sächsische Motorrad-Rennfahrer Steve Jenkner noch einmal in die Schlagzeilen. Es galt zu vermelden, daß Jenkner aus dem Weltmeisterschaftszirkus endgültig aussteigt. Es bleibt ihm nichts anderes übrig. Er findet keine Geldgeber mehr, die ihm noch eine weitere Saison in der Klasse bis 250 Kubikzentimeter finanzieren.

          Acht Jahre lang war der gelernte Klempner aus Hohenstein-Ernstthal, der in Sichtweite des Sachsenrings aufwuchs, mehr oder weniger unauffällig in der Nachwuchskategorie (bis 125 Kubikzentimeter) mitgefahren. Dann hatte er die Altersgrenze erreicht und rückte in die mittlere der drei WM-Klassen auf. Dort fuhr er der Konkurrenz, wenn er nicht gerade von seiner Maschine runterfiel oder verletzt war, meistens hinterher, einmal, in Assen, gelang ihm ein Sieg. Trotz seiner mäßigen Erfolgsbilanz war Jenkner im rennsportbegeisterten Osten der Republik, mangels Alternativen, ein kleiner Held.

          Der Abschiedsschmerz hält sich in Grenzen

          Andere sahen in ihm eher eine Verkörperung der Misere, in welcher der deutsche Motorrad-Rennsport seit langem steckt. Deshalb hält sich der Abschiedsschmerz in Grenzen. "Endlich hat er es kapiert, daß es keinen Sinn hat", sagte der fünfmalige Weltmeister Anton Mang dem Sportinformationsdienst unverblümt, "mir war immer unerklärlich, wie man für solche Leistungen noch Geld kriegen kann."

          „Endlich hat er kapiert, daß es keinen Sinn hat” - Steve Jenkner
          „Endlich hat er kapiert, daß es keinen Sinn hat” - Steve Jenkner : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Die Enttäuschung, die aus diesen Worten spricht, muß man verstehen. Seit Jahren wartet die Szene auf eine Figur wie den "Moto GP"-Champion Valentino Rossi, dem ganz Italien und Motorradfans aus aller Welt zu Füßen liegen. Doch bei den deutschen Piloten erreicht der Leistungspegel immer neue Tiefstände. Alexander Hofmann, der einzige Deutsche in der Königsklasse der WM, mußte nach zwei freud- und erfolglosen Jahren bei Kawasaki einem anderen Fahrer Platz machen; immerhin fand er für die neue Saison Unterschlupf in einem Ducati-Privatteam. Nachwuchspiloten wie der sächsische Realschüler Georg Fröhlich, vor zwei Jahren vorschnell als der kommende Mann angepriesen, kommen partout nicht auf Touren. Deshalb wird der Sport - mit Ausnahme des Grand Prix am Sachsenring, zu dem jedes Jahr weit über 100.000 Fans pilgern - in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Auch für den Sender RTL endete im Jahr 2003 das Projekt "Formel 1 auf zwei Rädern" in einem Desaster.

          Ursachen für die Krise

          Wer nach den Ursachen für die Krise sucht, landet zwangsläufig beim Naturell der deutschen Fahrer. Denen fehlt es durchaus nicht an Talent, sondern an der Entschlossenheit, wie vor ein paar Tagen in Frankfurt die Teilnehmer einer Krisen-runde konstatierten, zu der der Deutsche Motorsport-Verband (DMV) eingeladen hatte. Besonders treffend umriß Bert Poensgen vom japanischen Motorradkonzern Suzuki die Typologie der deutschen Piloten. "Es fehlt ihnen an Leistungsbereitschaft, und es fehlt ihnen an Leidensbereitschaft", sagte der Vater von Katja Poensgen, die vor drei Jahren selbst ein mißglücktes WM-Intermezzo hatte. Tatsächlich fallen die Deutschen im Rennzirkus vor allem mit ihrer ausgeprägten Selbstzufriedenheit ("ich bin auf einem guten Weg") auf und mit ihrem Einfallsreichtum, wenn sie nach den Gründen für ihren Mißerfolg gefragt werden.

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